Erste Bilanz nach Einsatz rund um Odeonsplatz

Pegida in München: 3 verletzte Polizisten, 8 Anzeigen

+
450 Pegida-Anhänger haben sich am Montagabend in München vor der Feldherrnhalle versammelt. 

München - 400 Pegida-Anhänger waren Montagabend am Odeonsplatz in München, rund 600 Gegendemonstranten brüllten dagegen an. Die Polizei meldet drei verletzte Beamte.

Update vom 12. Januar: Die Polizei hat nun in ihrem Pressebericht die endgültigen Zahlen mitgeteilt.  In der Spitze nahmen etwa 400 Pegida-Anhänger an der Demonstration vor der Feldherrnhalle teil. Die Zahl der Gegendemonstranten beläuft sich auf 600. Im Laufe des Abends wurden acht Menschen angezeigt (Widerstand und Beleidigung durch Pegida-Teilnehmer, die anderen Delikte, wie Schutzbewaffnung, Körperverletzung, Beleidigung, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durch Gegendemonstranten). 

Es waren über 500 Polizeibeamte im Einsatz, von denen drei leicht verletzt wurden.

+++ 22.07 Uhr +++ Der Ticker endet hier. Sollte noch etwas geschehen, halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden. 

Erstes Fazit: Pegida-Anhänger sind deutlich aggressiver geworden

+++ 21.07 Uhr +++ Die Polizei zieht unserer Zeitung gegenüber noch am Montagabend eine erste Bilanz zur Demonstration in München und spricht eine gefährliche Entwicklung an: Die Pegida-Anhänger sind demnach deutlich aggressiver geworden. Zum Teil wurden Fotografen und Presseleute massiv angegriffen, Gegendemonstranten auf das Übelste angepöbelt, heißt es. Insgesamt gab es fünf Festnahmen. 25 Rechtsextreme befanden sich unter den Pegida-Leuten, angeführt von Karl-Heinz Statzberger und Philipp Hasselbach. 

+++ 21 Uhr +++ Unsere Reporterin hat erfahren, dass es auf dem Höhepunkt 450 Pegida-Anhänger waren und bis zu 1.000 Gegner. Es kommen keine Gegendemonstranten mehr auf den Odeonsplatz. Pegida zeigt jetzt Bilder von Kölner Opfern. 

+++ 20.53 Uhr +++ Der Spuk scheint vorbei, die Versammlung löst sich langsam auf. Die ersten Pegida-Anhänger gehen durchs Polizei-Spalier zur U-Bahn hinunter. Mit der Nationalhymne endet die Demo.

Odeonsplatz stinkt - Polizei führt Pegida-Gegner an der Nase herum

Sitzblockade: Die Gegendemonstranten haben den Oskar-von-Miller-Ring dicht gemacht. Die Polizei hatte eigentlich ein hartes Vorgehen in diesem Fall angekündigt.

+++ 20.42 Uhr +++ Einen Vorfall hat es bei der Sitzblockade an der Brienner Straße gegeben, der erklärt, warum die Polizei die Antifa-Leute zunächst gewähren ließ - obwohl noch am Nachmittag ein strenges Vorgehen angekündigt worden war. Das war wohl Taktik. Die Gegendemonstranten hatten bemerkt, dass Pegida bewusst auf eine andere Route als zunächst angenommen umgeleitet wurde und wollten losrennen. Die Polizei hatte sie aber bereits eingekesselt. Einige sprengten die Kette und flüchteten. Es kam offenbar auch zu Schlagstockeinsätzen, berichtet unser Reporter vor Ort. Ein Polizeisprecher sagt, dass es Verletzungen gegeben hat, weil die Demonstranten sich gegenseitig überrannt haben. Sanitäter mussten einige Platzwunden behandeln.

+++ 20.36 Uhr +++ Einige Gegendemonstranten befinden sich an der Oper, ringsherum ist alles abgesperrt. Pegida zieht zurück zum Odeonsplatz - es läuft wieder der Walkürenritt. Die Gegendemonstranten trommeln lauthals dagegen an. Der Platz riecht nach Stinkbomben.

In München sind es 400 Pegida-Anhänger - in Köln waren es 1.700

+++ 20.21 Uhr +++ Pegida ist losmarschiert. Die Brienner Straße ist jedoch blockiert (Sitzblockade mit rund 140 Teilnehmern), es geht weiter über den Amiraplatz. Hier können Sie die Route auf Google Maps nachvollziehen. Es geht am Bayrischen Hof vorbei. "Schöne Kulisse, widerliches Geschrei", berichtet uns jemand von vor Ort.

+++ 20.17 Uhr +++ Auch wenn sich die geschätzte Zahl der Pegida-Anhänger in der letzten Stunde von zunächst 200 auf 400 verdoppelt hat, dürften es nicht so viele werden wie am Samstag in Köln, wo 1.700 Leute die Dom-Stadt wieder in einen Ausnahmezustand versetzt hatten - es war die erste Pegida-Demo nach den Sex-Attacken von Silvester.

+++ 20.10 Uhr +++ Nun muss auch noch Wagner herhalten: Pegida lässt den Walkürenritt durch die Boxen galoppieren. Ein tapferer Trompeter der Gegenseite hält allerdings dagegen an.

Mit Sitzblockaden machen die Gegendemonstranten die Route rund um den Odeonsplatz dicht 

Trompetet gegen Wagners Walküren an - vor allem aber gegen Pegida.

+++ 20.05 Uhr +++ Die Gegendemonstranten haben den Oskar- von-Miller-Ring mit einer Sitzblockade dicht gemacht. Sie wollen Pegida den Weg abschneiden. Die Polizei lässt sie diesmal gewähren und warnt nur, dass sie bald Platz brauchen.

+++ 20 Uhr +++ Mittlerweile ist die Rede von 400 Pegida-Anhängern. Fotografen, die sich in der Menge aufhielten, wurden körperlich angegriffen. Die Polizei hat sich dazwischen geworfen.

Pegida skandiert: Merkel muss weg!

+++ 19.50 Uhr +++ Auf der Brienner Straße formiert sich die erste Sitzblockade der Anti-Pegida-Demonstranten mit etwa 80 bis 100 Leuten. Die Polizei macht ihre Ankündigung vom Nachmittag wahr (siehe unten) und räumt umgehend.

+++ 19.45 Uhr +++ Pegida skandiert nun: "Merkel muss weg!" Der bekannte Neo-Nazi Philipp Hasselbach fotografiert derweil provokativ Gegendemonstranten - eine beliebte Masche der Rechten zur Abschreckung. 

+++ 19.32 Uhr +++ Per Lautsprecher hat ein Pegida-Sprecher verkündet, dass die Gruppe Anzeige gegen Münchens OB Dieter Reiter und KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle gestellt hat - wegen Volksverhetzung, Amtsmissbrauch und Rechtsbeugung. 

Skinheads ziehen in den Pegida-Kessel vor der Feldherrnhalle ein

Die Polizei hat bereits einen Skinhead abgeführt. Die Anwesenheit von Karl-Heinz Statzberger und Gefolge beunruhigt die Beamten etwas.

+++ 19.26 Uhr +++ Laut Polizei befinden sich 250 Pegida-Demonstranten auf dem Odeonsplatz - und doppelt so viele Gegendemonstranten außen herum. Unsere Reporterin Dorita Plange berichtet, dass mit Karl-Heinz Statzberger zahlreiche Skinheads in den Pegida-Kessel vor der Feldherrn-Halle eingezogen sind. Die Polizei sei deswegen etwas besorgt. Ein Mann wurde bereits wieder hinausbegleitet.

+++ 19.20 Uhr +++ Unsere Reporter Klaus Vick und Johannes Welte sind gerade am Odeonsplatz und sondieren die Lage. "Viel Polizei ist vor Ort und alles mehrfach abgesperrt", berichten sie. Offenbar sind es 500 Beamte. Die Zahl der Pegida-Teilnehmer wird auf zwischen 100 und 200 geschätzt, auf der Seite der Gegendemonstranten an der Residenzstraße befinden sich mehrere hundert Menschen. Pegida spielt die Bayernhymne zum Auftakt - gleich drei Mal. Die andere Seite versucht's zu übertönen - mit Pfiffen und "Nazis raus"-Rufen. 

Die Polizei sprach bereits vorab von einer "kitzligen" Situation

Seit 18.30 Uhr findet auf dem Odeonsplatz vor der Feldherrnhalle die Veranstaltung von "München ist bunt" statt. Das Motto: "Ein Jahr Pegida ist genug! Lasst nicht zu, dass auf diesem historischen Platz rassistische und fremdenfeindliche Hetze zu hören ist", so die Organisatoren. Ab 19 Uhr hat dann Pegida den Odeonsplatz für sich "reserviert". Die Gegendemonstranten möchten wie immer gerne verhindern, das die Gruppierung bis dorthin vordringt.  

Wie jede Woche wird die Münchner Polizei die Veranstaltungen begleiten - und sieht sich diesmal veranlasst, vorab über eine Mitteilung klarzustellen, was eigentlich die Aufgabe der Polizei bei Demonstrationen ist. So heißt es in der Mitteilung, "das Polizeipräsidium München wird alles dafür tun, hier das Versammlungsrecht zu gewährleisten und den friedlichen Ablauf aller Versammlungen zu ermöglichen."

Das heißt auch, die Polizei wird gegen Sitzblockaden vorgehen, und das eventuell auch schneller als bisher. Die Angelegenheit sei "kitzlig", so ein Sprecher am Montagmittag, die Polizei ist gewarnt. Am Montag wird im Umkreis von 200 Metern rund um den Odeonsplatz abgesperrt werden, etwa 1000 Demonstranten werden erwartet. Der Demozug der Pegida wird wohl durch enge Gassen geführt, für die Polizei macht es das nicht einfacher. In Köln musste am Wochenende eine Pegida-Demonstration aufgelöst werden.

Lesen Sie hier: Pegida will täglich in München demonstrieren

Versammlungs- und Meinungsfreiheit seien hohe Güter, die es in der Demokratie zu schützen gilt, erläutert die Polizei außerdem in einer Vorab-Mitteilung. "Wenn eine Versammlung beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet wurde und nach Prüfung aller rechtlich wesentlichen Punkte kein Verbotsgrund besteht, muss die Polizei auch den ordnungsgemäßen Ablauf dieser angemeldeten Versammlung gewährleisten." Hier bestehe kein Ermessensspielraum. 

"Die Polizei muss und wird sich hier neutral verhalten", stellt das Präsidium klar und wird sogar noch deutlicher: "Wir legen großen Wert auf die Feststellung, dass wir als Polizei nicht das „Thema“ einer Versammlung schützen, sondern für den Schutz des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit stehen." Die Münchner Bürger hätten im letzten Jahr häufig bewiesen, dass sie verantwortungsvoll mit dem Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit umgehen können. "Wir hoffen, dass dies auch heute wieder so gelebt wird". Gewalttätigkeiten wiederum verstießen gegen den Gedanken des Grundrechts („friedlich und ohne Waffen“) und würden die Polizei "unter Handlungszwang" setzen. Außerdem wurde daran erinnert, dass seit 01.11.15 die Vermummung bei Versammlungen wieder eine Straftat darstellt.

Lesen Sie auch zum Thema:

Pegida München - Wegen dieser Straftaten ermittelte die Polizei 2015

Unverhältnismäßiges Vorgehen? Pegida-Gegner sauer auf die Polizei

Ermittlungen laufen: Terrorverdacht gegen Münchner Pegida-Anmelder

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Leider erreichen uns zu diesem Thema so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Kommentare, dass eine gewissenhafte und faire Kontrolle nach den Regeln unserer Netiquette nicht mehr möglich ist.

Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Beiträgen zu diesem Thema eine Kommentarmöglichkeit.

Sie können sich beispielsweise unter diesem Artikel zu den Übergriffen in Köln äußern.

Klaus Vick mit

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

Kathrin Garbe

Kathrin Garbe

E-Mail:kathrin.garbe@merkur.de

Google+

Myriam Siegert

Myriam Siegert

E-Mail:myriam.siegert@merkur.de

Google+

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Amoklauf-Opfer: Angehörige wütend auf die Stadt
Amoklauf-Opfer: Angehörige wütend auf die Stadt
Frau verherrlicht Amoklauf - und muss jetzt die Konsequenzen tragen
Frau verherrlicht Amoklauf - und muss jetzt die Konsequenzen tragen
Amoklauf in München: Wenn Mobbing in die Katastrophe mündet
Amoklauf in München: Wenn Mobbing in die Katastrophe mündet
Das sagen Wirtsleute und Gäste zum Aus fürs Café Tambosi
Das sagen Wirtsleute und Gäste zum Aus fürs Café Tambosi

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion