Epileptischer Anfall am Steuer

Tödlicher Unfall vor der Oper: Fahrer bekommt Bewährungsstrafe

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München - Der Unglücksfahrer, der im April vergangenen Jahres eine Rentnerin aus Feldafing vor der Oper überfahren hat, ist am Donnerstag vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.  

Langsam richtet er seinen Kopf auf und blickt unsicher durch den Saal. Sein Kinn bebt, als Christian W. (25) leise zu sprechen beginnt. „Es tut mir furchtbar leid, was an diesem schrecklichen Tag passiert ist“, sagt er und kämpft gegen die Tränen.

Es war ein Tag, den der Student nie wieder in seinem Leben vergessen wird. Denn am 27. April fuhr er an der Oper eine Seniorin tot: Brigitte L. hatte keine Chance, als Christian W. mit 68 km/h über den Gehweg der Maximilianstraße rauschte und in voller Fahrt eine Gruppe Fußgänger rammte. Sie starb in der Klinik, er stand am Donnerstag vor Gericht – wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Tötung.

„Er weiß, dass er grenzenloses Leid über die Familie gebracht hat und bittet um Verzeihung – auch die übrigen Verletzten“, erklärte Verteidiger Laib Chasklowicz für Christian W. „Mein Mandant leidet seit seinem 17. Lebensjahr an Epilepsie.“ Dem Unfall sei ein Krampfanfall vorausgegangen, an den sich Christian W. nicht mehr erinnern könne. „Am Tattag hat er ordnungsgemäß seine Medikamente genommen.“

Das ist aber nur die halbe Wahrheit! Denn W. hatte am selben Tag gegen 9 Uhr morgens auf der Marsstraße bereits einen epileptischen Anfall erlitten und kam danach ins Klinikum rechts der Isar. Dort wurde ihm nach der Behandlung ein „absolutes Fahrverbot“ auferlegt, wie aus dem Arztbrief hervorgeht, der am Amtsgericht verlesen wurde.

„Ich weiß nicht, warum ich am Nachmittag trotzdem wieder in mein Auto gestiegen und gefahren bin“, sagt Christian W. „Ich habe keine Erinnerung mehr daran. Aber ich wollte wahrscheinlich nur auf dem schnellsten Weg nach Hause. Zu meiner Mutter, sie ist Internistin.“ Bei ihr lebt der Rosenheimer Student, kommt am 27. April aber nicht dort an. Sondern erleidet einen erneuten Anfall – mitten in der Stadt. Ungewollt beschleunigt er dadurch seinen Audi: von Schrittgeschwindigkeit auf 68 km/h, innerhalb von nur 25 Metern. Für Brigitte L. wird das Auto zum tödlichen Geschoss, das sie regelrecht zermalmt.

„Es trifft mich tief, dass jemand wegen mir sein Leben verloren hat“, sagt Christian W. Mit rasiertem Schädel und bleichem Gesicht sitzt der Todesfahrer auf der Anklagebank und faltet seine Hände. Sein Anwalt sagt: „Zeitlebens hat er sich bei der Feuerwehr der Rettung von Menschen verschrieben und dort Schreckliches gesehen bei etlichen Verkehrsunfällen. Dass ausgerechnet ihm nun so etwas passieren muss, durch eine bedenkenlose Gleichgültigkeit, ist besonders bitter.“

„Es steht zweifelsfrei fest, dass die Getötete aufgrund des Unfalls ums Leben kam. Es war eine sehr grobe Nachlässigkeit“, sagte Richter Gerd Schmitz. Er verurteilte Christian W. nach der nur einstündigen Verhandlung zu einem Jahr und zehn Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Zusätzlich wird W. für drei Jahre der Führerschein entzogen – und er muss auch 400 Sozialstunden leisten. Christian W. akzeptierte sein Urteil. Für die Opfer des Unfalls ein schwacher Trost: Der Witwer von Birgitte L. wurde durch den Verlust seiner Frau zum Pflegefall. „Er wird nie mehr ein normales Leben führen“, sagt sein Anwalt. Christian W. hingegen hat sich ein neues Ziel gesetzt: Er möchte bald sein Studium beenden.

Bilder: Auto in Menschenmenge geschleudert - Frau stirbt

dpa

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