Staat und MVG im Streit

Tram statt Bus? Zoff um Verkehr im Englischen Garten

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Schon jetzt ist es auf der Straße auch ohne Radler eng. 

München - Schon seit vielen Jahren streiten MVG und der Freistaat über den Nahverkehr durch den Englischen Garten. Jetzt überrascht Markus Söder mit einem neuen Vorschlag. 

Seit Jahrzehnten schon schwelt der Streit zwischen Stadt und Freistaat: Die MVG möchte mit einer Tram durch den Englischen Garten eine Tagente vom Scheidplatz zum Effnerplatz schaffen, die den Bus ersetzen soll. Der Freistaat stemmt sich dagegen. Jetzt überrascht Finanzminister Markus Söder (49, CSU) mit dem Vorschlag, die jetzige Busspur zu halbieren.

Finanzminister Markus Söder (l.) und Kultusminister Ludwig Spaenle auf der strittigen Straße.

Am Montag marschierte Söder als Hausherr des Gartens mit Kultusminster Ludwig Spaenle (55, CSU) vor Ort auf, um seine neuestes „Gesprächs­angebot an die Stadt“ zu präsentieren. Wobei „Gesprächsangebot“ zurückhaltend formuliert ist – schließlich hat der Freistaat als Eigentümer das Sagen. Söder will die Busspur in der Breite auf 6,22 Meter zurückbauen. Die neue Spur soll etwas kurviger und mit Terrazzo-artigen Farb-Asphalt gezogen werden. „Ein Stück ökologischer“, so Söder. Busse sollen sich noch begegnen können, Radler Vorfahrt haben. Allerdings: Wer die Gegend kennt, weiß, dass es schon jetzt (also in der doppelten Breite) eng für Busse und Radler ist, insbesondere im Sommer.

Absage für Tram durch den Englischen Garten

Der Tram erteilt Söder aber eine Absage. „Wir wollen keine neue Spaltung des Englischen Gartens.“ Die MVG hatte extra eine Akku-Tram entwickeln lassen. Doch auch ohne Oberleitung wäre diese Tram für die Minister eine Beeinträchtigung des Gartendenkmals. Denn: Für den Unterbau der Gleise, so Spaenle, müsste man Betonfundamente gießen.

Bei der MVG reagiert man ablehnend: „Eine zu schmale Busspur würde die Busse ausbremsen und damit Fahrzeitverluste, weniger Komfort für die Fahrgäste und auch mehr Anfahrvorgänge verursachen.“ Die MVG bleibt dabei: „Wir halten daran fest, dass eine Trambahn durch den Englischen Garten für alle das Beste wäre.“ Sie könne die wachsenden Fahrgastzahlen bewältigen und dicht getaktete Busse ersetzen. Die Tram könne ohne Oberleitung auf einem Rasengleis fahren.

Widerstand kommt auch aus der Stadtrats-SPD: „Wir wollen die Tram, der Bedarf ist da. Der Bus ist übrigens weniger ökologisch als die Tram.“ Notfalls will die SPD sogar gegen den Freistaat ein Planfestellungsverfahren beantragen. Anders CSU-Mann Richard Quaas: „Die CSU-Stadtratsfraktion begrüßt die Initiative des Freistaats zu einer weiteren Verschönerung des Englischen Gartens.“ Der Busverkehr würde langfristig gesichert. Andreas Nagel von der Aktion Fahrgäste schüttelt den Kopf: „Herr Söder verkennt die Münchner Situation, die Stadt braucht Tangenten. Den Bus stattdessen noch unattraktiver zu machen, ist eine Schnapsidee.“

Die Akku-Tram wäre schon da 

Zwei Kilometer lang wäre die Strecke, die die Akku-Tram ohne Oberleitung fahren müsste. 2011 schaffte die Tram in Berlin ohne Oberleitung 19 Kilometer.

Die Idee zur Garten-Tram stammt noch aus der Amtszeit OB Georg Kronawitters († 2016), als der Stadtrat 1991 einstimmig eine Tram-Tangente beschloss, die den Elisabethplatz mit der Tivoli­straße verbinden soll. Der Freistaat war von Anfang an gegen das Projekt, vor allem die Oberleitung war ihm ein Dorn im Auge, obwohl die MVG eigens ein System entwickeln ließ, das mit wenigen niedrigen Masten auskommt: Den Planfeststellungsantrag der Stadtwerke von 1998 wies die Regierung von Oberbayern 2001 wegen des Denkmalcharakters des Gartens zurück. Eine Klage der SWM lehnte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2006 ab. Der damalige MVG-Chef Herbert König ließ darauf eine Akku-Tram entwickeln, die 2011 auf dem Versuchsgelände des Tram-Herstellers Stadler bei Berlin mit 19 Kilometern Fahrt mit nur einer Ladung einen Weltrekord aufstellte. Das Fahrzeug wurde anschließend nach München ausgeliefert und ist jetzt im Einsatz – ohne Akku. Das Projekt geriet ins Stocken wegen der Probleme mit der Variotram, in die der Akku eingebaut war und die lange keine Zulassung von der Regierung bekam. Voriges Jahr kündigte OB Dieter Reiter (SPD) an, einen neuen Anlauf für die Trasse starten zu wollen. Im April 2016 beschloss der Planungsausschuss des Rathauses, dass sich Reiter beim Freistaat für das Projekt einsetzen soll.

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J. Welte

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