Seltsamer Zwischenfall mitten im Tunnel

U-Bahn-Fahrer geht - "Haben Sie keine Angst, folgen Sie mir nicht"

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München - Eine U-Bahn stoppt im Tunnel wegen eines roten Signals. Der Fahrer will die Leitstelle anfunken. Klappt nicht. Er steigt aus, läuft zum Streckentelefon - und lässt verwirrte Pendler zurück.  

Es ist ungefähr 8.50 Uhr, als die U3 am Odeonsplatz abfährt und kurze Augenblicke später im Tunnel Richtung Marienplatz stehenbleibt. Pendler kennen das. Auf eine Durchsage warten sie meist vergeblich. Sie überlegen, ob der Stillstand eine Sache von 30 Sekunden oder einigen Minuten ist. Sie schauen auf ihrer Smartphone-App, ob sie ihren Anschluss noch erwischen und ob sie jemandem eine "Ich komme ein bisschen später"-Nachricht schicken sollen. Doch an diesem 18. Februar warten sie nicht vergeblich auf eine Durchsage des U-Bahn-Fahrers. Sie bekommen eine - und die ist mindestens ungewöhnlich.

U-Bahn-Fahrer: "Haben Sie keine Angst, ich verlasse jetzt die Bahn"

Ein Fahrgast schildert unserem Nachrichtenportal, der U-Bahn-Fahrer hätte ein "rotes Signal" als Grund für den ungeplanten Halt genannt. Er informierte die Fahrgäste, dass er keinen Funkkontakt zur Leitstelle herstellen könne, um Einzelheiten zu erfahren (Was ist das Problem auf der Strecke? Wann dürfen wir weiterfahren?). Er sagte "Haben Sie keine Angst, ich verlasse jetzt die Bahn, um zum nächsten Streckentelefon zu gehen. Folgen Sie mir nicht. Ich komme gleich zurück."

Er ließ einige Fahrgäste mit einem mulmigen Gefühl zurück. Freundlich, dass er sie informiert hat, aber das waren ein bisschen viele rätselhafte Informationen. Sie tauschten verwirrte Blicke aus. Die meisten hätten ihre Zeitung oder ihr Taschenbuch weitergelesen Andere hätten genervt reagiert und finster blickend auf ihrem Smartphone gewischt, berichtet unser Augenzeuge. Menschen, die in engen, geschlossenen Räumen Beklemmungen bekommen, wünschten sich bestimmt, dass der Fahrer bitte, bitte schnell zurückkommt und sie schnell zum Marienplatz fährt. Rechts und links von den Waggons war nur dunkle Wand zu sehen.    

Der Fahrer kam zurück. Er erklärte, eine Bahn am Marienplatz sei liegen geblieben. Es dauere daher noch ein bisschen, ehe er weiterfahren dürfe.

Gibt es auf der Strecke zwischen Odeonsplatz und Marienplatz ein Funkloch?

Es stellen sich nach diesem Erlebnis in der U3 zwei Fragen: Wieso hat der Fahrer nicht per Funk die Leitstelle erreicht? Gibt es an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in München ein Funkloch?

Der Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Matthias Korte, erklärt, dass auf diesem Streckenabschnitt kein Funkloch bekannt sei. Überhaupt habe die MVG kein grundsätzliches Problem mit Funklöchern im Streckennetz. Das Unternehmen könne aber technisch nicht ausschließen, dass unter bestimmten Umständen mal kein Funkkontakt zur Leitstelle zustande kommt, so wie am vergangenen Donnerstagmorgen.

Streckentelefone dienen der Sicherheit. Bricht der Funkkontakt ab oder kommt er erst gar nicht zustande, verlässt ein Fahrer die Bahn und läuft zum Streckentelefon. Dort hebt er den Hörer ab und spricht direkt mit der Leistelle. "Dass ein Fahrer das Streckentelefon benutzt, kommt selten vor", sagt Korte.

Der U-Bahn-Fahrer habe sich am Donnerstag vorbildlich verhalten. "Er wollte alles richtig machen, indem er für die Fahrgäste schnell in Erfahrung bringt, wann es für sie weitergeht. Das rechnen wir ihm hoch an. Dass sein Ausstieg aus der Bahn manchen Fahrgast irritiert hat, tut uns leid."  

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Miriam Sahli-Fülbeck

Miriam Sahli-Fülbeck

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