Am Freitag Eröffnung am Viktualienmarkt

Polizeischutz für das Kiew-Standl

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Die Polizei wird die offizielle Eröffnung des Standls schützen.

München - Wenn am Viktualienmarkt ein Standl aufmacht, gibt es normalerweise wenig Brimborium. Diesmal ruft eine Einweihung sogar die Sicherheitsbehörden auf den Plan:

Das Standl stammt aus der umkämpften Ukraine – die angestammten Händler haben Angst. Und die Polizei ist alarmiert!

Die Bude der Partnerstadt Kiew hat zwar schon am Montag aufgemacht. Morgen wird sie aber offiziell eröffnet. OB Dieter Reiter (SPD) begrüßt den ukrainischen Generalkonsul Vadym Kostiuk. Der OB freut sich: „Der Besuch ist angesichts der politischen Situation in der Ukraine ein ganz besonderes Bekenntnis, wie wichtig Kiew diese Partnerschaft ist.“ Heuer besteht das Bündnis 25 Jahre.

Die ukrainischen Gäste freuen sich über die Unterstützung – wollen aber nicht die Politik an den Viktualienmarkt holen. Betreiber Denis Duvin (37) geht es um die Kultur: „Wir wollen zeigen, dass die Ukraine nicht nur viele Probleme hat. Wir sind nette Leute, können tanzen und singen, haben gutes Essen.“ Am Standl gibt es Borschtsch aus dem Kessel, Kiewer Kotelett oder Speck-Knoblauch-Brote mit dem übersetzten Namen „Volksehre“.

Betreiber Denis Duvin (37) hat keine Angst vor Ärger – er will die Kultur der Ukraine präsentieren.

Wo wir schon wieder beim Thema wären: Die Stadt hat schon im Juli die Freigabe der Polizei für das ukrainische Standl bekommen. Doch dann gelangte im August der Konflikt mit Russland an die Isar. Zunächst wurde das Grab des ukrainischen Nationalhelden Stepan Bandera am Waldfriedhof geschändet. Er wurde 1959 in der Maxvorstadt vom KGB ermordet – Bandera hatte im Kampf für eine unabhängige Ukraine mit den Nazis gegen die Sowjets kollaboriert. Dafür ist er bis heute im Osten des Landes eine Reizfigur. Kurz darauf wurde in der Zeppelinstraße (Au) eine Gedenktafel für den Politiker Jaroslaw Stetzko beschmiert.

Für die Polizei ist das Kiewer Standl ein „sensibles Thema“, sagt Sprecher Thomas Baumann. Das Generalkonsulat in der Lessingstraße stehe wie auch russische Einrichtungen schon unter Schutz. Auf die Standl-Eröffnung am Freitag legen die Beamten ein besonderes Augenmerk: „Die wird polizeilich betreut“, sagt Sprecher Baumann. Weiter lassen sich die Beamten nicht in die Karten schauen.

Maria (24) aus Kiew serviert Spezialitäten und ukrainisches Bier.

Die Standl-Leute erinnern sich mit Schrecken an die russischen Fans, die vor dem Spiel ihres ZSKA Moskau gegen den FC Bayern den Kleinen Ochsenbrater verwüsteten. Sprecherin Elke Fett fürchtet auch jetzt Ärger – Demonstrationen oder Anschläge: „Der Markt ist weltberühmt. Wer etwas vorhat, bekommt hier eine Bühne.“ Darum sollte man ihn aus der Politik heraushalten. „Ich hoffe, dass alles gutgeht.“

Unsere Partnerstädte

Das Standl aus Kiew ist Teil einen großen Fest-Programms der Stadt mit ihren Partnerstädten: Heuer feiern vier der sieben Bündnisse Jubiläen. Diese vier Schwestern Münchens durften und dürfen sich heuer auf dem Viktualienmarkt präsentieren: Im Mai ertönten Dudelsack-Klänge aus Edinburgh, das 100 Jahre mit der Stadt verbandelt ist. Im Juni gab es Barbecue mit den Freunden aus Cincinnati, seit 25 Jahren verschwistert. Im Juli stellte sich das seit 50 Jahren partnerschaftlich verbundene Bordeaux mit seinen Schmankerln am Markt vor. Das Standl aus Kiew lockt noch bis zum 12. Oktober mit seinen Spezialitäten.

David Costanzo

David Costanzo

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