Das kommt auf die Anlieger zu

Zweite Stammstrecke unterm Marienhof: Diese Baustelle macht uns kaputt!

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50 Meter tief wird die Grube am Marienhof. Von links und rechts treiben riesige Bohrer den zweiten Tunnel voran.

München - Seit drei Wochen ist es Gewissheit: Die zweite Stammstrecke kommt! Mit einher gehen viele Unannehmlichkeiten. Unter anderem für die Anlieger des Marienhofs.

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag. Jahrelang war ungewiss, ob die Mega-Baustelle tatsächlich kommt. Vor allem am Marienhof wird kräftig gebuddelt werden. Alle Fakten und was die betroffenen Geschäftsleute sagen, lesen Sie hier.

Zeitplan: Der Spatenstich erfolgt am 5. April 2017 um 15 Uhr mit einem Bürgerfest. Im ersten Schritt müssen unterirdische Leitungen neu verlegt werden. Die große Grube kommt voraussichtlich im übernächsten Jahr. Der geplante Betriebsstart ist Dezember 2026. Das bedeutet neun Jahre Baustelle …

Die Dimensionen: Die Bahnsteig-Ebene soll etwa 40 Meter unter der Erde entstehen. Bevor es unterirdisch zur Sache geht, kommt ein sogenannter Schlitzwandkasten hinein, der die Baugrube umschließt – in 50 bis 55 Metern Tiefe .
Baufläche: Während der Bauphase ist die gesamte Marienhof-Fläche betroffen. Rund um die Baufläche kommt eine 4,50 Meter hohe Lärmschutzwand. Straßen, Rad- und Fußwege sollen erhalten bleiben. Kurzzeitige Sperrungen kann es dennoch geben.

Lkw-Verkehr: Während am Marienhof gebuddelt wird, gibt es noch keine unterirdische Verbindung zum künftigen Tunnel. Deshalb wird der ganze Gruben-Aushub oben per Lkw abtransportiert. Das bedeutet grob geschätzt: Insgesamt 10 000 Lkw-Fahrten kommen auf die Anlieger zu. Am stärksten betroffen sind dabei Hofgraben, Schrammer- und Dienerstraße. Über die Maffeistraße werden sperrige Bauteile geliefert und abtransportiert.

Ein Kampf ums Überleben

Seit 35 Jahren blicken die Kunden vom Friseursalon Coiffeur Robert in der Schrammerstraße auf den idyllischen Marienhof. Bald könnten sie direkt auf die Lärmschutzwand starren. Die Chefin Daniela Farnhammer hat Angst, dass die Baustelle ihren Betrieb kaputtmacht. „Das wird ein Kampf ums Überleben. Die buddeln ja quasi direkt unter unsererm Hintern. Wenn die da die Wände zum Stabilisieren reinrammen, haben wir hier ein Erdbeben.“ Direkt vor ihrer Tür soll obendrein ein Notausgang entstehen. Man habe ihr gesagt, sie sollten während der Bauarbeiten auf die Wände achten, ob es dort zu Rissen käme. Daniela Farnhammer befürchtet, dass Mitarbeiter den Lärm nicht ertragen und kündigen werden. „Und für die Kunden ist’s ja nicht besser: Ein Friseur soll eine ­Oase der Ruhe sein! Wir haben zu 90 Prozent Stammkunden. Ob die das mitmachen?“

Draußen im Staub sitzen

Für gewöhnlich stellen die Mitarbeiter vom Café Kreuzkamm in der Maffeistraße bei schönem Wetter Tische und Stühle vor die Tür. „Ob da nächstes Jahr überhaupt jemanden draußen sitzen will, wenn die Lkw vorbeidonnern?“, fragt sich Filialleiterin Stephanie Arndt (28). Sie glaubt, dass einige Kunden fern bleiben werden. „Lärm und Staub sind für ein Café nicht ideal …“ Ihre Vermutung: „Mit der zweiten Stammstrecke kommen höhere MVV-Preise.“

Wie soll es weitergehen?

„Ich habe wirklich Existenzängste“, sagt Monika Zimmerer (49) vom Blumenstand an der Theatinerstraße. Ihr Standl steht bald direkt an der Baugrube – wenn sie überhaupt bleiben darf. „Wir haben ein Sondernutzungsrecht. Die Stadt kann uns jederzeit kündigen. Wir Standl-Leute wissen nicht, wie es weitergeht, uns sagt ja keiner was.“ Seit drei Jahren verkauft sie nun am Marienhof. „Meine Kunden kommen gern hierher. Ich hoffe, dass irgendjemand Mitleid mit uns hat.“

Wir können’s nicht ändern

Beim Musiknotengeschäft Bauer & Hieber im Rathaus blickt man der Zukunft einigermaßen gelassen entgegen. „Wenn sich eine Stadt weiterentwickeln soll, muss sich was verändern“, sagt Wolfgang

Wagner (48). Er fährt jeden Tag S-Bahn und hofft, dass die Verspätungen durch die zweite Stammstrecke weniger werden. Seine Kollegin Eva-Vilassa Widmann (43) gibt zu: „Natürlich haben wir Bedenken, ob nicht einige Kunden abgeschreckt werden. Aber man kann’s nicht ändern. Schade, dass unsere Mittagspausen am Marienhof flach fallen. Im Sommer ist es hier sehr schön.“

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