Amok-Angst an Münchner Gymnasium

München - Da war doch was – oder? Hamila Azam (18) kann sich heute im Bio-Leistunskurs einfach nicht konzentrieren. Bei jeder Person, die an der offenen Tür vorbeigeht, zuckt sie zusammen.
Amok-Angst am Münchner Luitpold-Gymnasium! Nicht alle sind so mutig wie Hamila. Am Dienstag ist jeder zweite Stuhl in der Schule im Lehel leergeblieben. Der Grund sind mehrere Kritzeleien auf einer Schulbank im Erdgeschoss: „Amok“ und das aktuelle Datum. „Wir haben diese anonymen Drohungen schon Ende November entdeckt und sofort die Polizei eingeschaltet“, sagt Schulleiter Helmut Kirmaier. Obwohl die Kripo auch am Dienstag vor Ort war, hat Kirmaier seinen 985 Schülern freigestellt, daheim zu bleiben. „Unterricht macht keinen Sinn, wenn die Schüler Angst haben.“
Die, die nicht kamen, mussten nur aus rechtlichen Gründen Entschuldigung der Eltern abgeben. Denn die oder der Verfasser der Kritzeleien sind noch nicht eindeutig festgestellt. „Es kommen dutzende Schüler in Betracht, weil die Klassen die Räume wechseln und zum Beispiel auch die Mittagsbetreuung unter anderem im betreffenden Raum stattfindet“, so der Schulleiter. Ein Verdacht konnte sich nicht bestätigen. Obwohl die Polizei zu keinem Zeitpunkt von einem konkreten Gefährdungsgrad ausgegangen ist, waren am Dienstag Beamte in zivil und Jugendbeamte im Schulhaus unterwegs, um die Klassenzimmer, Gänge und Toiletten zu kontrollieren. „Wir wollten verhindern, dass Hysterie aufkommt“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger.
Glücklicherweise blieb am Dienstag alles ruhig. „Wir geben dennoch zu bedenken“, sagt Wenger, „dass wir in solch einem Fall grundsätzlich ermitteln. Und wenn Täter ermittelt werden sollten, gibt es strafrechtliche Konsequenzen oder sie müssen etwa für den Einsatz aufkommen.“ Direktor Kirmaier ist der Polizei für die Hilfe sehr dankbar. „Wir haben uns sicher gefühlt. Trotzdem bin ich froh, dass der Tag vorüber ist und wieder mehr Ruhe einkehrt.“
nba
Das sagen Schüler und Eltern am Luitpold-Gymnasium:
Auf die Tür gestarrt
In den ersten beiden Stunden war ich sehr nervös und habe ständig auf die Tür gestarrt. Der oder die Schüler laufen hier ja noch immer rum. Schon unheimlich! Ich musste trotzdem her kommen, weil so viele Klausuren anstehen. Dass die Polizei das so ernst genommen hat, hat mich etwas beruhigt. Ich glaube, ein paar Beamte haben sich sogar als Maler verkleidet.
Alisa Hese (18, K12) mit Freundin Hamila Azam (18, K12)
Meine news
Nie geglaubt
Schon schade, dass solch eine blöde Aktion so viele verunsichert: In meinem Deutsch-Grundkurs waren von 26 Schülern heute nur zwei anwesend. Meine Mutter war auch sehr besorgt. Aber ich habe nie daran geglaubt, dass da auch was dran ist. Ich muss allerdings zugeben, dass ich einmal, als es im Gang lauter wurde, schon zusammengezuckt bin.
Simon Hörmann (18, K13)
Ist kein Scherz
Es sollen zwar Fünft- oder Sechstklässler dahinter stecken – aber auch die sind zu alt für solche „Scherze“. Man spielt nicht mit der Angst. Gerade deshalb darf man denen keinen Gefallen tun und muss trotzdem kommen. Aber ich habe schon auf der Wiesn gemerkt: Auch wenn die Vernunft sagt, dass ein Amoklauf unwahrscheinlich ist, fühlt man sich unwohl.
Gerrit Hasselmann (20, K13)
War unruhig
Seit wir davon wissen, hole ich meine Tochter öfter von der Schule ab. Eigentlich wollte ich sie gar nicht herlassen, nun ist sie aber wegen einer Schulaufgabe in die letzten beiden Stunden gegangen. Solch eine Drohung ist kein Spaß, und ich war heute sehr unruhig. Aber ich habe versucht, es nicht zu zeigen, um meine Tochter nicht anzustecken.
Michaela Schwindner (51), Tochter in 8. Klasse