"Ich habe nur meinen Job gemacht"

Polizeisprecher Martins über den Wirbel um seine Person

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Im Rampenlicht: Marcus da Gloria Martins

München – Nach dem Amoklauf erntet Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins viel Lob, das Netz feiert ihn als Held. Er fühlt sich damit "gar nicht so wohl" und betont immer wieder die Leistung des ganzen Teams.

Am Samstagnachmittag ist die Mailbox voll. „Es können leider keine weiteren Nachrichten entgegengenommen werden.“ Bei Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins klingelt am Tag nach dem Amoklauf ununterbrochen das Handy. Der 43-Jährige, Vater zweier Kinder, portugiesische Wurzeln, aufgewachsen im Rheinland, wird seit 22. Juli im Netz als Held gefeiert. Jemand richtete ihm eine eigene Fanseite auf Facebook ein, bis Sonntagabend klickten 52.957 Menschen auf „Gefällt mir“. 

"Cool" und schlagfertig

Auf Twitter posten User, der Sprecher habe es geschafft, „ein ganzes Land zu beruhigen“, er sei „der wahrscheinlich beste Polizeisprecher der Bundesrepublik“, er sei einer, „den jeder Polizist in solch extremen Einsätzen verdient“. Viele finden ihn „cool“, weil er auch die weniger schlauen Journalisten-Fragen schlagfertig kontert: „Können Sie sagen, was in den nächsten Stunden passiert?“, will am Freitag einer wissen. „Ja. Wir tun unsere Arbeit“, gibt er zurück.

Martins, seit Oktober Chef der Pressestelle, erntet Bewunderung. Nicht nur im Netz. „Was der Münchner Pressesprecher geleistet hat, das war großartig“, sagt Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Auch Innenminister Joachim Herrmann lobt ihn vor Journalisten. „Großartige Öffentlichkeitsarbeit“, „ständige Information zum frühestmöglichen Zeitpunkt“, „wohltuend“. Herrmann ist keiner, der seine Leute oft oder überschwänglich lobt, ein „Mmmh“ von ihm ist mitunter schon viel.

Martins: "Ich fühle mich nicht so wohl damit“

Dem Sprecher selbst ist der Wirbel um seine Person unangenehm. „Das ist ungewohnt, ich fühle mich nicht so wohl damit“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das wird der ganzen Sache nicht gerecht.“ Er sei nur das sichtbare Ende eines großen Teams im Hintergrund. „Ich habe meinen Job gemacht. Öffentlichkeitsarbeit ist Teil meiner Stellenbeschreibung. Auf mich sind eben zufällig die Kameras gerichtet.“ 

Martins, seit 23 Jahren Polizist, betont immer wieder, wie besonnen alle 2300 Kollegen im Einsatz reagiert hätten. Sie hätten es geschafft, die aufgeregt herumlaufenden Menschen auf den Straßen zu beruhigen. Einen kühlen Kopf zu bewahren, sachlich und präzise zu informieren, der Bevölkerung Vertrauen in die Polizei-Arbeit zu geben, sei seine Aufgabe. „Es ist wichtig, nur die Infos herauszugeben, die gesichert sind.“ Großartig sei die Arbeit der ganzen Pressestelle gewesen. Das Social-Media-Team twitterte die ganze Nacht in vier Sprachen forderte dazu auf, keine Bilder mehr von Opfern zu veröffentlichen, sprach der Bevölkerung Lob für die Hilfsbereitschaft aus, informierte über die Lage.

Gelesen hat Martins nicht, was über ihn geschrieben wird. In seiner Freizeit will er sich auf seine Familie konzentrieren. Auch eine eigene Fernseh-Sendung, wie ein User vorschlägt, wird es wohl nicht geben. Mehr als „Du lieber Gott“ sagt er dazu nicht.

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