Nach dem Amoklauf

Konzertabbruch beim Tollwood: Gespenstische Stimmung

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Sänger Mark Forster, hier beim Bundesvision Song Contest 2015.

München - Auf dem Tollwood-Festival spielt gerade der Musiker Mark Forster, als sich die Nachricht vom Amoklauf verbreitet.

Lampions in den Bäumen, Räucherstäbchen an den Ständen, Konzerte in den Zelten: Das Tollwood-Festival ist ein beliebter Ort für entspannte Sommerausflüge mit Familie und Freunden. Doch am Freitagabend wich die fröhliche Stimmung auch hier einer Mischung aus Angst und Verunsicherung.

Merkur-Redakteurin Stephanie Ebner besuchte mit ihren Söhnen und befreundeten Familien gerade das Konzert des Popsängers Mark Forster – ihr Sohn Axel hatte die Karten zum zehnten Geburtstag geschenkt bekommen – als sich gegen 19.15 Uhr in der Musik-Arena die Meldung verbreitete, dass es in der Nähe einen Anschlag gegeben habe. „Viele Leute haben das Zelt verlassen, andere haben angefangen zu weinen, es war eine sehr aufgewühlte Stimmung“, erzählt Ebner. Sie selbst entschied sich, im Zelt zu bleiben, weil sie sich dort am sichersten fühlte. Auch die Musiker Mark Forster und Namika spielten zunächst weiter – um die Leute zu beruhigen und zu trösten.

Dann wird das Konzert doch abrupt abgebrochen

Gegen 21.30 Uhr brachen die Veranstalter das Konzert dann aber doch recht abrupt ab. Und baten die Besucher, in Ruhe das Musik-Zelt zu verlassen. Draußen waren Martinshörner, Sirenen und Hubschrauber zu hören. „Es war eine gespenstische Stimmung“, sagt Ebner. „Das ganze Tollwood war leergefegt, die Stände verhangen – wie eine Geisterstadt.“ Gerade für die Kinder sei die Situation sehr verwirrend gewesen. „Ich war froh, dass wir schnell mit dem Radl heimfahren konnten“, sagt Ebner.

Kritik am Olympiapark

Andere Besucher jedoch waren mit dem Auto gekommen, wie Merkur-Leserin Kerstin Stiefermann aus Hohenlinden. Sie kritisiert die Parkaufsicht scharf – denn diese weigerte sich, die Schranken zu öffnen. Stiefermann erzählt: „Die Nachrichtenlage war sehr unsicher, Gerüchte machten sich breit. Es war von drei Tätern die Rede, die noch auf freiem Fuß sein sollten – und vor den Kassenautomaten am Olympiapark bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die ihre Tickets alle gleichzeitig bezahlen wollten.“ Stiefermann wählte die Nummer der Parkaufsicht und bat darum, die Schranke zu öffnen, damit alle möglichst schnell wegfahren könnten. „Die Anwort war: Nein, das ist nicht möglich. Sie müssen bezahlen. Ich kann die Schranke nicht öffnen.“ Diese Worte machten Stiefermann sprachlos. Sie fragt: „Kann es sein, dass im Falle einer Katastrophe erst ein Parkticket gelöst werden muss?“ Eine Stellungnahme vom Olympiapark war am Wochenende zunächst nicht zu bekommen.

Tollwood wurde abgesagt

Das Tollwood-Festival, das noch bis Sonntag hätte laufen sollen, wurde jedenfalls abgesagt. „Angesichts des furchtbaren Anschlags wird Tollwood aus Pietätsgründen heute und morgen geschlossen bleiben“, gab Pressesprecherin Christiane Stenzel am Samstagmorgen bekannt.

Informationen zu erworbenen Karten für abgesagte Veranstaltungen (etwa für das Konzert von Rea Garvey am Sonntag) gibt es heute im Internet auf www.tollwood.de und unter der Ticket-Hotline 0700/ 38 38 50 24.

Alle aktuellen Informationen, Analysen, Bilder und Videos zum Amoklauf in München finden Sie auf unserer Themenseite.  

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