Kripo verhört Tausende Münchner

So läuft die Massen-Befragung nach dem Amoklauf von München

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Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Hintergründen des Amoklaufs.

München - Noch immer sind längst nicht alle Fragen rund um den Amoklauf von Ali David S. beantwortet. Deshalb plant die Kripo nun die Befragung vieler Münchner.

Nach dem Amoklauf vom OEZ startet die Kripo jetzt einen der größten Ermittlungsmaßnahmen, die es je in München gegeben hat: Die Beamten wollen die Bewohner von 1000 Haushalten befragen, um die letzten Stunden von Ali David S. zu rekonstruieren. Vor der Henckystraße 3 hatte sich der neunfache Mörder selbst das Leben genommen.

Die Ermittler wissen nicht genau, wo sich S. zwischen der Bluttat um 18.15 Uhr und dem Suizid um 20.30 Uhr aufgehalten hat. Es gibt Hinweise, dass er sich in der Nähe in einer Tiefgarage versteckt hielt. "Uns treiben drei Fragen um: Hatte er Mitwisser? Hat er sich dort in einer Wohnung versteckt? Und woher hatte er die Waffe?", sagt LKA-Sprecher Ludwig Waldinger. Das will die 60 Mann starke Soko mit Unterstützung von rund 30 Bereitschaftspolizisten jetzt herausfinden. "Viele Menschen wissen nicht, dass ihre Beobachtung für einen bestimmten Tatzeitraum wichtig ist."

Bei Beobachtungen wird Soko-Ermittler hinzugezogen

Der Tatort war weiträumig abgesperrt.

Wenn jemand am Tattag nicht zu Hause war, geht's ganz schnell. Wenn jemand eine Beobachtung gemacht haben könnte, rufen die Polizisten einen Ermittler der Soko hinzu. Anwohner, die nicht zu Hause sind, finden einen Hinweis im Briefkasten, dass sie sich melden müssen.

Ähnlich umfangreiche und aufwendige Ermittlungen hat die Polizei zuletzt beim Isarmord angestellt. Nach dem Mord an Domenico L. († 31) hat die Polizei mehr als 15.000 Personen überprüft, mehr als 6500 Männer gaben eine Speichelprobe ab. Der Mörder wurde auch nach über drei Jahren noch nicht gefunden.

Bei den Ermittlungen um den Amoklauf geht es darum, die letzten Stunden des Amokschützen zu rekonstruieren und Mitwisser zu entlarven - die tz erklärt die Details

Woher kommt die Waffe?

Die Polizei hat Hinweise auf einen Chat im Darknet, in dem der Amokläufer nach einer Waffe gesucht hat. Mutmaßlich war er dabei unter dem Namen "Maurächer" unterwegs. "Hallo, du bist nicht der einzige, der ziemlich enttäuscht von den Aktivitäten im DW (Deepweb; Anmerkung der Redaktion) ist. Ich selbst suche auch nach einer Waffe, nämlich nach einer Glock und das schon seit Monaten. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Abwarten, vielleicht kommt ja irgendwann der langersehnte Verkäufer", schrieb "Maurächer" am 21. Dezember 2015 um 0.24 Uhr. Ob der Kauf im Darknet erfolgreich war oder wie Ali David S. sonst an die Waffe kam, will die Polizei nun herausfinden. 

Hatte der Amokläufer Mitwisser?

Der mögliche Mitwisser (16) des Amokläufers - ein Afghane aus Laim, den Ali David S. in der Psychiatrie kennengelernt hatte - ist derzeit in einer geschlossenen, psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Er war am Sonntag nach dem Amoklauf festgenommen worden und hat nach Einschätzung der Polizei von dem Amoklauf gewusst. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl beantragt - der zuständige Ermittlungsrichter lehnte allerdings ab. Der Afghane befindet sich momentan in freiwilliger Unterbringung. Am heutigen Dienstag wird die Entscheidung des Landgerichts erwartet, ob er doch noch in U-Haft muss.

Wo war Ali David S. vor seinem Tod?

Amokläufer Ali David S.

Zwischen der Bluttat und dem Selbstmord vor dem Haus in der Henckystraße 3 fehlen den Ermittlern über zwei Stunden, in denen sie nicht wissen, wo sich S. aufgehalten hat. Ein Mantrailerhund hat eine Spur in eine Tiefgarage dort angezeigt, in der er sich vermutlich versteckt hielt. Dort hat er wohl auch eines seiner zwei T-Shirts ausgezogen. Er trug noch ein weiteres darunter. "Wir wollen durch die große Zeugenbefragung ausschließen, dass er sich in der Zwischenzeit bei einem Mitwisser versteckt hat", sagt LKA-Sprecher Ludwig Waldinger.

Jasmin Menrad

So reagieren Münchner auf die Groß-Befragung

"Das ist schon in Ordnung, wenn die Polizei noch mal kommt. Die machen das sicher akribisch. Die machen ja auch nur ihre Arbeit. Ich kann ihnen aber nicht helfen. Den Täter habe ich nicht gesehen. Für mich hat sich nach der Tat nicht viel verändert. Ich gehe immer noch mein Bier trinken."

Rüdiger Krehan (75), Rentner aus München

"Es gibt sicher Leute, denen es noch mal hilft, wenn die Polizei kommt, um zu reden. Andere sind aber schon genervt von dem ganzen Rummel. Ich kann aber nix mehr zu der Tat sagen. Ich höre seit dem Freitag viel mehr Geräusche. Die Zeit wird aber hoffentlich die Wunden heilen."

Lena Schwarz (24), Studentin aus München

"Wir waren während der Tat im OEZ und wären fast mit dem Täter zusammengetroffen. Wir selber haben an dem Abend den Täter nicht gesehen. Eine Nachbarin hat ihn aber hier durch die Anlage gehen gesehen. Früher haben wir ihn hier öfter in der Gegend gesehen."

Roland (71) und Gisela Liebscher (71), beide Rentner aus München

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