"Ich stehe dazu"

Frau behauptet: Ich habe den Amoklauf-Anwohner angezeigt

Sie will den Anwohner vom OEZ angezeigt haben.

München - Jetzt hat sich eine Frau im Internet zu Wort gemeldet, die den Anwohner vom OEZ angezeigt haben will. Sie spricht über ihre Gründe. 

Er beschimpfte den Amokläufer Ali David S. (†18) von seinem Balkon aus - eine Szene, die Baggerfahrer Thomas Salbey (57) weltweit bekannt machte. Für viele ist er ein Held. Trotzdem hatte ihn jemand angezeigt. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt. 

Jetzt hat sich die angebliche Anzeigenstellerin zu Wort gemeldet. In einem Video auf YouTube behauptet die Userin "Xscape" für die Anzeige verantwortlich zu sein. "Ich habe am 23.7. Anzeige erstattet gegen Unbekannt, da der Mann aus dem Hochhaus noch nicht namentlich bekannt war", sagt die Frau in dem Video. Der Grund? Besagter habe den Amokläufer mit "unzähligen Beleidigungen" belegt. Die Frau wird noch deutlicher: "Die massiven Beleidigungen des Amokläufers waren keine Heldentat!" Die Tiraden hätten den Täter provoziert, weiter zu feuern.

Die angebliche Anzeigenstellerin sagt zu Beginn des Videos: "Nichts rechtfertigt diesen Amoklauf. Nichts rechtfertigt die Tötung und Verletzung der Menschen, die dort Opfer wurden. Ich war genauso betroffen wie ihr."

"Kein vernünftiger Psychologe rät dazu, einen Täter zu provozieren"

Anders als viele Menschen könne sie Thomas Salbeys Verhalten nicht gutheißen. "Aber ich muss auch sagen, dass eine gewisse Wut entwachsen ist aus dieser Traurigkeit heraus über diesen Fall." 

Dem Mann auf dem Balkon sei nachweislich bekannt gewesen, dass der Amokläufer eine geladene Schusswaffe hatte - trotzdem habe er ihn beschimpft. Die Frau gibt an, ihr sei kein vernünftiger Psychologe bekannt, der dazu raten würde, in solch einer Situation den Träger einer geladenen Schusswaffe "schwerst zu beleidigen und zu provozieren". Und weiter: "Der Rat wäre im Normalfall, die Flucht anzutreten." 

Durch seine Tiraden habe der Salbey den Täter zu weiteren Schüssen provoziert. Ein anderer Anwohner auf dem Balkon sei daraufhin angeschossen worden. "Ich habe zudem wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und möglicherweise sogar Tötung angezeigt." 

Staatsanwaltschaft: "Amokschütze aus dem Konzept gebracht"

Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass Salbeys „unerschrockenen Äußerungen dazu geführt haben könnten, dass der Amokschütze aus seinem Konzept gebracht wurde und nicht mehr von den mehreren hundert Schuss Munition Gebrauch gemacht hat, die er im Rucksack zu diesem Zeitpunkt noch mit sich führte“, sagte Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch. 

„Der Anzeigenerstatter geht offensichtlich fehlerhaft davon aus, dass zu dem Zeitpunkt, als das Video entstanden ist, der Amoklauf erst noch bevor stünde“, sagte Steinkraus-Koch. „Dies ist aber nicht richtig: Zu diesem Zeitpunkt hatte der Amokschütze bereits neun Menschen getötet.“ Und weiter: „Wir werden daher das Verfahren einstellen.“

Das Video, das die Brüllerei zwischen Salbey und dem Täter zeigt, wurde offenbar von einem weiteren Anwohner des Wohnblocks am OEZ aufgenommen. Dessen Vater wurde vom Amokschützen an der Schulter verletzt, allerdings nicht durch eine Kugel, sondern durch Splitter des Querschlägers, wie der Videofilmer der Welt am Tag nach dem Amoklauf sagte.

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing kann töten

Die Frau spricht in dem Video zudem das Thema Mobbing an. Berichten zufolge war der Amokläufer Ali David S. in der Schule häufig gemobbt worden. Die Frau droht den mutmaßlichen Mobbern von damals: "Sollte ich erfahren, wer den jungen Mann gemobbt hat, den werde ich anzeigen!" Die Mobber hätten eine Mitverantwortung am Tod und an der Verletzung der Opfer. "Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, Mobbing kann töten!", sagt die namenlose Frau im Video.

"Mein Name ist der Staatsanwaltschaft bekannt, ich habe nicht anonym Anzeige erstattet. Ich stehe dazu, dass ich Anzeige erstattet habe." Auf eine Anfrage unserer Onlineredaktion hat die Frau bisher nicht geantwortet. 

Der Staatsanwaltschaft München I ist auch das Video bekannt. Sprecher Florian Weinzierl könne jedoch nicht bestätigen, dass es sich bei der Frau im Video um die Anzeigenstellerin handele. "Wir prüfen das nicht. Das hat für uns keine maßgebliche Relevanz." Das Verfahren ist ja mittlerweile ohnehin eingestellt.

München-News per WhatsApp gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten aus München direkt über WhatApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare