Bahn und MVG

Amok-Einsatz: Krisen-Pläne lagen schon in der Schublade

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Die U-Bahnstation am Olympia Einkaufszentrum wurde am Freitagabend gesperrt.

München - Die Münchner Verkehrsbetriebe waren auf die Ausnahmesituation am Freitagabend vorbereitet. Sowohl bei Bahn als auch MVG hatten ein Notfallkonzept ausgearbeitet. Was alles dahinter steckte.

Bahn und MVG waren auf die komplette Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs am Freitagabend vorbereitet. „In den letzten Monaten“, so Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp, seien mit den Sicherheitsbehörden Krisenszenarien durchgespielt worden, „die vergleichbar sind mit denen von Freitagabend“. Als nun der Hauptbahnhof evakuiert wurde, habe dies aber „eine deutlich bedrohlichere Qualität“ gehabt als ähnliche Maßnahmen wegen verdächtiger Gepäckstücke in der Vergangenheit, sagt Hauptbahnhof-Manager Heiko Hamann.

Die S-Bahn lief nach der Sperrung der Stammstrecke gegen 19.20 Uhr im üblichen Störfall-Programm auf den Außenästen weiter. Gestrandeten Fernreisenden bot die Bahn Züge als Behelfs-Schlafquartier an. Bahn und S-Bahn bedanken sich bei den Mitarbeitern und Fahrgästen für Engagement und Verständnis.

MVG: Fertig ausgearbeitetes Prozedere 

Die MVG war schon früher mit den Folgen des Amoklaufs konfrontiert: Kurz nach 18 Uhr fuhren U 1 und U 3 den Bahnhof OEZ nicht mehr an, und mehrere Buslinien wurden umgeleitet. „Gegen 19 Uhr kam die Anordnung der Polizei, den Betrieb komplett einzustellen“, berichtet Sprecher Matthias Korte. Auch hier griff die Leitstelle auf ein fertig ausgearbeitetes Prozedere zurück. „Alle Busse und Züge ließen die Fahrgäste an der nächsten Haltestelle aussteigen“, berichtet Korte. Während Busse und Trambahnen dann in die Betriebshöfe einrückten, blieben 64 U-Bahn-Züge zunächst in den Bahnhöfen stehen. „Die Fahrer gingen in die Betriebsräume, die wir an den Bahnhöfen haben“, berichtet Korte. „Dort waren sie sicher.“

Die Bahnhöfe wurden von der U-Bahnwache wie bei Betriebsschluss kontrolliert und verschlossen. Gegen 1 Uhr, als die Polizei wieder grünes Licht gab, wurden die U-Bahnen in die Abstellanlagen gefahren, und die Nachtlinien nahmen den Betrieb auf.

Viele Mitarbeiter halfen freiwillig bis spät in die Nacht

Nicht alle Züge und Fahrer landeten dort, wo sie im normalen Betriebsablauf abgestellt worden wären. Dass der Betrieb am nächsten Morgen um 4 Uhr dennoch ohne größere Einschränkungen anlief, sei dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, sagt Korte. Viele blieben bis spät in die Nacht, Freiwillige kamen außerplanmäßig zum Dienst, um zu helfen.

Mehrere Busfahrer bekamen am Abend Sonderaufträge: „Wir haben Transportfahrten für Polizei und Feuerwehr gemacht“, erzählt Korte.

Während des ganzen Abends versuchte die MVG-Leitstelle, die Fahrgäste so gut wie möglich zu informieren. Auf Facebook und auf einer Sonderseite von mvg.de wurde die Totalsperrung kommuniziert; sechsmal zwischen 19.30 und 3.59 Uhr gingen Mitteilungen an die Medien.

Auch Techniker und Mobilfunkbetreiber schoben Sonderschichten

Auch Techniker der Stadtwerke waren im Einsatz: Die einen schwärmten aus, um die Aufnahmen der U-Bahn-Kameras zu sichern und der Polizei zur Auswertung zur Verfügung zu stellen. Die anderen brachten die Internetseiten mvg.de und muenchen.de sowie die App Fahrinfo München wieder zum Laufen. Unter der Last der Aufrufe – die Protokolle verzeichnen sechsmal so viele Anfragen wie üblich – waren die Server zunächst schwer erreichbar gewesen. Die Fachleute konnten die Systeme stabilisieren.

Auch die Techniker der Mobilfunkbetreiber schoben Sonderschichten. Vodafone meldet, in der Innenstadt sei die Auslastung gegen 19 Uhr auf das Dreifache des üblichen Wertes angestiegen. Handy- und Behördennetz hätten stabil funktioniert.  

sc

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