Nach dem Ausnahmezustand

Diese fünf Rätsel der Amok-Nacht sind gelöst

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Am Tatort haben Trauernde zahlreiche Blumen niedergelegt.

München - Die Stadt arbeitet den Amoklauf vom Olympia-Einkaufszentrum auf. Mittlerweile haben sich einige Rätsel in Luft aufgelöst.

Im Chaos der Amok-Nacht von München gab es viele Gerüchte - und viele Fragen bleiben offen. Die tz versucht, einige der Rätsel zu lösen.

Von den ersten Schüssen vor dem McDonald's gegen 17.50 Uhr bis zum Selbstmord des Amokläufers vergingen etwa zwei Stunden und 40 Minuten. Wo war Ali Sonboly in dieser langen Zeit?

Hierauf hat die Polizei noch keine Antworten - man kann nur mutmaßen. Ali S. ist nur wenige Hundert Meter vom OEZ entfernt aufgewachsen, kennt die Gegend und das Einkaufszentrum wie seine Westentasche. Deshalb ist zu vermuten, dass er sich nach seiner Flucht vom Dach der Parkgarage gegen 18 Uhr im weitläufigen Gebäude versteckte, vielleicht seinen "Triumph" des von ihm ausgelösten Chaos' genoss. Erst nach 20 Uhr kann er dieses Versteck verlassen haben - von der Polizei gestellt wurde er gegen 20.30 Uhr.

Was hat es mit dem ominösen Nikolaus auf sich?

Bei der tz und bei der Polizei gingen mehrere Anrufe ein, wonach kurz vor dem Amoklauf ein Nikolaus vor dem OEZ gestanden habe. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich das Gerücht, der seltsame Sommer-Nikolaus habe unter seinem roten Kostüm Waffen versteckt gehabt. Den Nikolaus gab es wirklich - aber er hatte nichts mit der Tat zu tun. Am Freitag um 22.12 Uhr meldete sich die Personalagentur für Messe-Hostessen Trust Promotion mit der Erklärung, dass "der Weihnachtsmann heute im OEZ ein Promoter unserer Agentur" gewesen sei, der "im Rahmen einer Marketingkampagne den Kunden eine vorweihnachtliche Freude mit Lollies etc." bereiten wollte.

Warum war so lange von "drei Tätern mit Langwaffen" die Rede?

"Zeugen melden drei verschiedene Personen mit Schusswaffen", hatte die Polizei am Freitagabend gemeldet. Doch die vermeintlichen Täter mit Gewehren oder Maschinenpistolen waren in Wahrheit Polizisten! Denn viele der Einsatzkräfte waren in Zivil und für die Passanten nicht sofort als Polizisten zu identifizieren.

Sollte erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden?

Ja, Feldjäger der Bundeswehr sind in Bereitschaft versetzt worden - obwohl der Einsatz der Bundeswehr im Inneren verfassungsrechtlich immer noch umstritten ist. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte, über einen Einsatz der Soldaten hätte die Polizei entschieden. Im Streit um Bundeswehr­hilfe bei Terroranschlägen im Inneren hatte sich die Große Koalition zuletzt auf den Kompromiss geeinigt, dass die Bundeswehr bei größeren Anschlägen zum Beispiel zur Evakuierung eingesetzt werden kann.

Warum halten auf den Fotos von der Räumung des OEZ alle Zivilisten die Hände hoch?

Da die Polizei befürchten musste, dass sich mögliche Täter bei der Räumung des Einkaufszentrums unter die Evakuierten mischen könnten, wurden die Menschen aufgerufen, die Hände zu heben.

KR

Klaus Rimpel

Klaus Rimpel

E-Mail:Klaus.Rimpel@tz.de

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