Behörde wegen Antragsflut geschlossen

Darum macht das Wohnungsamt für drei Wochen dicht

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Nichts geht mehr: Das Amt sperrt zu.

München - Alarm beim Amt! Die Behörde für Wohnen und Migration in München wird drei Wochen dicht gemacht. Grund dafür ist auch die Beliebtheit der Landeshauptstadt.

Die Mitarbeiter sind überlastet, es stapeln sich über 6000 Anträge. Stau bei der Stadt! Das Amt verwaltet die 71.500 Wohnungen der Landeshauptstadt und vergibt diese. Darunter sind circa 43 000 Sozialwohnungen. Durch die Arbeit des Amtes soll sichergestellt sein, dass auch finanziell schwächer Gestellte eine Wohnung in München bekommen. Dort gibt es insgesamt 768.686 Wohnungen – aber 810 000 Haushalte! Das bedeutet, dass etwa junge Paare noch bei den Eltern wohnen.

Wer vom Amt eine Wohnung will, muss dort vorstellig werden und Anträge stellen. Die Stadt allerdings wächst. Seit 2010 sind 160.000 Menschen nach München gekommen. Die Verwaltung indes hat vielfach noch nicht nachgerüstet. Beispiel ist das Kreisverwaltungsreferat mit den Bürgerbüros. Nun trifft es auch das Amt für Wohnen und Migration.

2011 sind 18.000 Anträge beim Amt aufgeschlagen. Dass mal welche länger liegen, sei auch weiter nichts Unnormales. 2011 waren es am Jahresende 2100. im Jahr 2015 aber schon über 5000 – und jetzt sind es 6285!

Zwar gibt es neues Personal, erst im November hat der Stadtrat dem Amt 28 neue Stellen bewilligt. Jedoch: Personal ist schwer zu finden, fünf Stellen sind bis heute nicht besetzt. Und wenn man dann jemanden findet, handelt es sich um Quereinsteiger. Die sind dann einen Gutteil ihrer Zeit zunächst mal auf Fortbildungen. Oder es sind Teilzeitkräfte, die ebenfalls nicht die ganze Woche da sind.

Daher zieht das Amt nun die Reißleine – zweimal wird die Behörde dicht machen! Erstmals schon in zwei Wochen, vom 9. bis zum 13. Mai und dann noch einmal für 14 Tage im Juni, vom 6. bis zum 17.! In den insgesamt drei Wochen sollen die Mitarbeiter den Rückstau bei den Anträgen aufarbeiten. An der Infothek können aber weiterhin Anträge abgegeben werden. Zudem ist in dieser Zeit eine Info-Hotline eingerichtet unter 23 34 00 01.

Sie sind auf der Suche

Nicole Medele (23) möchte nicht weg: „Ich bin im Klinikum Schwabing geboren, im Münchner Norden aufgewachsen und möchte hier auch alt werden.“ Problem: Sie findet keine Wohnung, die sie sich leisten kann. Deshalb lebt sie mit ihrem Mann

Nicole Medele (23) mit ihrem Ehemann Belmin Medele (20).

Belmin (22) seit sieben Monaten in einem Wohnheim in Berg am Laim. Ihr Geld verdient die 23-Jährige als Aushilfe in einer Anwaltskanzlei, ihr Mann ist Bauhelfer. Beim Wohnungsamt habe man ihnen wenig Hoffnungen gemacht, dass es bald klappen könnte mit einer Sozialwohnung. „Dabei haben wir 108 Punkte und Rangstufe 1 bei der Dringlichkeit, aber das nutzt wohl nicht viel, weil es tausenden Wohnungssuchenden in München genauso geht wie uns“, sagt Medele. Nun hofft sie, dass sie auf dem freien Markt doch noch eine Wohnung findet. svs

Sascha Karowski

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