Abriss- und Sanierungspläne

Kampf um die alten Stände am Wiener Platz

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Der Markt am Wiener Platz.

München - Die Stadt will abreißen und neu bauen – Der Bezirksausschuss fordert hingegen, die Möglichkeiten einer Sanierung des Bestands zu prüfen

Die von der Stadt angekündigten Abriss- und Sanierungspläne für den Markt am Wiener Platz will der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen nicht hinnehmen. Bei einer Sondersitzung im Beisein von Vertretern der Stadt machten die Stadtteilpolitiker ihre Position klar. Sie gehen von einem Erhalt des Erscheinungsbildes des Marktes als einer Prämisse für die weiteren Planungen aus und fassten einen einstimmigen Beschluss: „Bestandsgebäude und Platzgestalt sollten soweit wie möglich erhalten bleiben.“ Die Stände sollten, wo es notwendig sei, saniert und eben nicht abgerissen werden, forderten sie. Wo dies nicht möglich sei, sollte zumindest die äußere Gestalt, sprich das Erscheinungsbild des Markts, erhalten bleiben.

Der BA setzt auf eine wohlwollende Auslegung der Vorschriften und forderte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf, die Bedarfe an Toiletten im Falle einer Sanierung auch im Bestand darzustellen. Die Markthallen sollten dem BA einen Entwurf dazu vorlegen – und nicht nur Neubaupläne. Das sei ein „Fehler“ im Konsensverfahren gewesen, sagte BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD).

Weniger Toiletten-Fläche als geplant

Über die Hygienevorschriften wurde gestritten. Wie berichtetet, hatte das Kommunalreferat beim Konsensverfahren im April mit 60 Quadratmetern Klo-Fläche geplant und sich auf eine KVR-Vorgabe berufen, wonach jeder Standbetrieb mit Alkoholausschank eine eigene Gäste- sowie eine Personaltoilette brauche. KVR-Mitarbeiter Stefan Drexl stellte bei der Sondersitzung nun klar, die Zahl komme nicht vom KVR. Er nannte nach Prüfung einer vom Kommunalreferat zur Diskussion gestellten Neubau-Idee mit drei Pavillons stattdessen eine Zahl, die die Teilnehmer überraschte: 18 Quadratmeter Klofläche seien bei einer solchen Lösung ausreichend, sagte er. 

Die Bezirksausschuss-Vorsitzende Adelheid Dietz-Will

Denn sechs von neun Marktständen mit Alkohollizenz bräuchten streng genommen neue Toiletten. Allerdings könnten sich bei den Gegebenheiten je zwei Standl-Betriebe eine Gäste- und eine Personaltoilette teilen. Die Rede wäre von sechs Toiletten à drei Quadratmetern. Die Stände könnten dieser Idee zufolge auf die drei Pavillons verteilt und ein Standl, etwa für Blumen, ausgelagert werden. 

Ein von der Rathaus-CSU gefordertes zentrales Klo-Haus könne zumindest bei dieser Lösung nicht realisiert werden, da etwa die Wege weit seien und die Zuordnung der Klos erschwert würde, sagte Drexl. Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger (CSU) sprach von „selbstaufgestellten Hygienestandards der Stadt“ und kritisierte, es sei gesetzlich nicht begründbar, dass in jedem Marktstand Toiletten und zwei Waschbecken einzubauen seien.

Christian Schilling von den Markthallen betonte dagegen, der Markt müsse zukunftsfähig bleiben, „mit allen seinen Händlern“. Es seien Unterflurcontainer denkbar, um Müllfläche zu sparen.

Anne Hund

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