Tragischer Tod in der Klinik

Ärztin lässt sich Fett absaugen – und stirbt fünf Tage später

+
Die Sportfliegerei war ihre große Passion.

München - Sie wollte sich nur ein besseres Lebensgefühl verschaffen. Doch eine Schönheits-OP endete für eine Ärztin im Tod. Mittlerweile hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen.

Die Münchner Augenärztin Dr. Ursula B. (†60) war eine Frau, die das Leben in vielen Facetten genoss und dafür ihr Leben lang hart gearbeitet hatte. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag übergab sie ihre Pasinger Praxis zum Jahreswechsel an ihre Nachfolgerin und freute sich darauf, endlich privat und ohne Zeitdruck reisen und ihren vielfältigen Hobbys und Passionen nachgehen zu können. Zum guten Lebensgefühl gehörte für sie auch ein tadelloses Äußeres, dem die attraktive Frau mit einem chirurgischen Eingriff noch ein wenig auf die Sprünge helfen wollte.

Am 13. September vertraute sie sich einem Facharzt für plastische Chirurgie für eine Fettabsaugung im Bereich des Bauches an. Die Operation selbst verlief offenbar problemlos. In welcher Klinik sie operiert wurde, ist unserer Redaktion bisher nicht bekannt. Bald jedoch setzten bei Ursula B. schwerste Schmerzen ein. Am 17. September wurde sie als Notfall ins Klinikum rechts der Isar eingeliefert. Am nächsten Morgen starb sie auf der Intensivstation – an den Folgen einer Verletzung des Darmes. Mittlerweile haben die Todesermittler der Münchner Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Ihre Aufgabe ist es, zusammen mit den Ärzten der Rechtsmedizin zu klären, ob und wer für den Tod der 60-Jährigen verantwortlich ist.

In die entferntesten Winkel der Erde zu reisen war Ursula B.'s große Leidenschaft. Die Abenteuerlust war der in Südafrika geborenen Frau offenbar schon in die Wiege gelegt worden. Sie studierte in München Medizin, baute sich in Pasing eine florierende Praxis auf und lebte zuletzt im Herzen Altschwabings. Ihre ganz große Passion war die Fliegerei, die sie zeitweise auch mit ihrem Beruf verband. Im Internet bot sie Flugbegleitung und medizinische Betreuung auf Geschäftsreisen an. Sie spielte Golf, segelte, ging in die Berge, tanzte Tango, sprach vier Sprachen, liebte gutes Essen und gute Weine, die Oper und das Theater, Italien und natürlich ihre Heimat Südafrika, die sie immer wieder bereiste.

Wann wurde der Darm verletzt?

Die Rechtsmediziner müssen nun klären, ob die Verletzung des Darmes bei der Schönheitsoperation oder bei der Untersuchung im Klinikum rechts der Isar geschah. Ebenfalls wird abgeklärt, ob Ursula B. an den Folgen einer nicht erkannten, akuten (Darm)-Erkrankung verstorben sein könnte. Ein Ergebnis ist frühestens in zwei Wochen zu erwarten. Ihr Körper wurde beschlagnahmt, der Klinik eine eigene Obduktion untersagt. Eine Stellungnahme lehnte die Sprecherin des Klinikums rechts der Isar mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren ab. Zudem werde keine Auskunft über Patienten gegeben.

Ursula B. wird in Kürze in einer kleinen Gemeinde im Westen Münchens ihre letzte Ruhestätte finden.

Risiken bei Schönheits-OPs

Mehr als 40.000 Fettabsaugungen gab es 2015 in Deutschland. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie (DGÄPC) ist sie mit 10,4 Prozent der drittbeliebteste Eingriff im Land. Platz 1: Brustvergrößerung (17,8 Prozent), Platz 2: Lidstraffung (13,3 Prozent).

Medizinisch notwendig sind Schönheits-OPs in der Regel nicht, die Verbraucherzentrale warnt daher auf ihrer Internetseite, dass „besonders gut überlegt“ werden sollte, ob ein Eingriff tatsächlich erfolgen soll. OPs seien immer mit gesundheitlichen, teilweise erheblichen Risiken verbunden: Infektionen, dauerhafte Nervenschäden, Blutungen, Thrombosen, Narbenwucherungen und Abstoßungsreaktionen auf Implantate oder das Absterben von Gewebe sind mögliche Folgen.

Ästhetische, medizinisch nicht notwendige Operationen zahlen gesetzliche Krankenkassen nicht. Eine Brustvergrößerung beim Facharzt inklusive Beratungsgespräch und Nachsorge kostet zwischen 5000 und 7000 Euro, eine Lidstraffung etwa 2000 Euro. Die Bezeichnung „Schönheitschirurg“ ist übrigens nicht gesetzlich geschützt.

Dorita Plange, Florian Fussek, tos

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare