Abriss steht fest

Alte Stände kommen weg: Verliert der Wiener Platz sein Gesicht?

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Bald Vergangenheit: Die urigen Hütten am Wiener Platz müssen neuen Marktständen weichen. Sie erfüllen nicht mehr die EU-Vorschriften zu Hygiene und Brandschutz. Die Stadt will aber den Charakter des Platzes bewahren.

München - Der Abriss und Neubau des Marktes am Wiener Platz steht definitiv fest. Die Enttäuschung darüber ist groß. Dennoch geht es jetzt darum, ein neues Gesicht für den Markt zu finden. Einige Ideen gibt es schon.

Einzige Ausnahme: Das Eckstandl mit der Nummer vier soll aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten bleiben.

Der Markt am Wiener Platz muss wegen der Hygiene- und Brandschutzbestimmungen saniert werden. Aber wie soll das Prozedere aussehen? Nach einem Konsensverfahren vom Samstag, bei dem sich Händler, Anwohner, Geschäftsleute und Kunden des Wiener Platzes mit Vertretern der Markthallen und der Politik trafen, steht auf jeden Fall eines unumstößlich fest: Die historischen Standl werden abgerissen und nicht im Bestand saniert. Die Enttäuschung der Teilnehmer darüber sei groß gewesen, räumte die Stadt am Wochenende ein. Die Maßnahme sei aber leider nicht abwendbar.

Eine Ausnahme soll es geben: Das pittoreske Eckstandl mit der Nummer vier und dem Giebeldach – derzeit ist dort ein Teil des „Fisch Häusl“ untergebracht – ist mittlerweile denkmalgeschützt und muss deshalb erhalten bleiben. Für das „Fisch Häusl“ könnte das bedeuten, dass der Verkaufsstand in ein neues, größeres Markthaus umziehen muss, wo die Hygienestandards leichter einzuhalten sind. Denkbar ist, dass stattdessen der Eisstand dort einzieht. Spruchreif ist laut der Stadt aber noch lange nichts. Man wolle weiterhin mit allen Händlern zusammen planen.

Innenhof am Wiener Platz soll erhalten bleiben

Bei dem Konsensverfahren hätten sich die Teilnehmer auf einige Eckpunkte für die weitere Vorgehensweise verständigt, betonte Kommunalreferats-Sprecher Bernd Plank: Es sei den Beteiligten wichtig, dass der Innenhof am Wiener Platz erhalten bleibt und er weiter gastronomisch genutzt werden kann. Sprich, dass dort auch Tische und Stühle Platz haben.

Zudem solle das besagte denkmalgeschützte Eckstandl mit der Nummer vier ein „Fixpunkt“ für die weitere Planung sein, auch was die tradierten Baulinien betreffe. Das heutige „Fisch-Häusl“ habe die Bedeutung eines „Entrees des Marktes“, sagte Plank. Der Stand sei „identitätsstiftend“.

Ebenso sollen an dem Platz die Sichtachsen erhalten bleiben – dafür hat sich der Bezirksausschuss eingesetzt, der auch das Konsensverfahren einforderte, nachdem im vergangenen Jahr bei einer Unterschriftenaktion rund 8000 Bürger gegen den Abriss der Standl unterschrieben hatten.

Die neuen Standl sollen den urigen Hütten dem Material nach ähneln, so der Konsens. Und jeder Händler soll sein Standl individuell gestalten können, also zum Beispiel eine Markise anbringen können, „um einer drohenden Uniformität“ vorzubeugen“, wie die Stadt mitteilte.

"Wiener Platz wird sein Gesicht verlieren"

Einig waren sich alle Teilnehmer des Treffens am Samstag, dass der Charakter des Marktes erhalten bleiben soll. Einige Teilnehmer hätten aber Zweifel geäußert, dass das gelingt, sagte der für den Wahlkreis München-Ost und die Innenstadt zuständige CSU-Politiker Wolfgang Stefinger dem Münchner Merkur. Auch der Bundestagsabgeordnete stellte nach der Veranstaltung nüchtern fest: „Der Wiener Platz wird sein Gesicht verlieren.“ Stefinger ärgert es, dass der Abriss der alten Standl „schon beschlossene Sache war, bevor es ins Konsensverfahren ging“. Die Teilnehmer hätten dies alternativlos schlucken müssen. „Eine offene Diskussion sieht anders aus.“

Auch die getroffene Auswahl der am Samstag gezeigten Varianten einer Machbarkeitsstudie vom Architekturbüro Bogevischs war aus Stefingers Sicht nicht zufriedenstellend. In der engeren Diskussion sind Vorschläge, wonach die Stände auf drei Pavillons verteilt werden. Der Innenhof bliebe bei einer solchen Lösung erhalten, was viele Teilnehmer begrüßten. „Die Pavillons sehen jedoch aus wie große Schuhschachteln“, bemängelt Stefinger. Ein Vorschlag, die Stände zu überdachen, habe wenig Zuspruch gefunden. Eine Anordnung der Stände in einer V-Form hätten sich im Vorfeld viele Bürger gewünscht.

Doch hierfür könnte der Platz zu eng werden. Denn wie am Samstag gesagt worden sei, könnten allein die vielen neu zu schaffenden Toiletten sechzig Quadratmeter auf dem Platz beanspruchen, erklärte Stefinger. Eine Mehrheit für einen der Vorschläge gab es am Samstag nicht.

Anne Hund

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