Er starb vor einer Woche in der Isar

Bewegender Abschied: Stefans Freunde lassen Ballons steigen

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Hundert weiße Luftballons ließen Stefans Familie und Freunde in den Himmel steigen.

München - Es war ein ergreifender Abschied von Stefan, der vor einer Woche nach einem Sprung in die Isar gestorben war. Seine Freunde ließen an der Corneliusbrücke hundert weiße Luftballons steigen.

Um genau 11.01 Uhr steigen unterhalb der Corneliusbrücke hundert weiße Luftballons hoch in den weißblauen Himmel. Daran hängen Karten, auf denen die Menschen da unten letzte Grüße geschrieben haben. Es sind Grüße an Stefan (22), der hier vor einer Woche tot in der Isar gefunden worden war. Am Freitag haben seine Mutter Kim, seine Geschwister und dutzende Freunde Abschied von dem jungen Gleisbauer genommen, der am 22. Mai sein Leben in dem damals reißenden Fluss verloren hatte – und fast einen Monat vermisst war.

Bereits um 9 Uhr hatte sich die Trauergemeinde im Krematorium versammelt. Für Stefans Mutter und Geschwister war es ein schwerer Gang. Zum zweiten Mal mussten sie Abschied nehmen von einem ihrer Liebsten. Genau zwei Jahre zuvor, auf den Tag genau, hatte die Familie hier um ihren Ehemann und Vater getrauert. Damals saß Stefan noch in der ersten Reihe.

Die Trauergemeinde lauschte den Worten des evangelischen Pfarrer Bernhard Vocke. Er erinnerte an Stefans Taufspruch „Fürchte dich nicht“. So habe Stefan gelebt, nicht ängstlich und verschlossen. „Sondern ohne Furcht, aufgeschlossen und hilfsbereit“, sprach der Geistliche. „Kein Mensch ist perfekt. Das war auch Stefan nicht. Aber in so vielem liebenswert und gut.“

Bei Andreas Gabaliers Lied „Amoi seg‘ ma uns“ wieder flossen bei der Trauergemeinde die Tränen.

Und dann richtete der Pfarrer nachdenkliche Worte an die Trauernden, von denen viele ihre Tränen freien Lauf ließen: „Vielleicht schaffen wir es über andere Menschen nicht zu richten, die, so scheint es, nicht so gehandelt haben, wie es sein müsste“. Gemeint waren damit drei Arbeitskollegen des jungen Gleisbauers, gegen die die Polizei wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ermittelt. Sie hatten angegeben, Stefan an jenem verhängnisvollen 22. Mai zuletzt am Ufer der Isar bei der Braunauer Eisenbahnbrücke gesehen zu haben. An diesem Freitagnachmittag soll Stefan angekündigt haben, durch die damals Hochwasser führende Isar schwimmen zu wollen. Da die Kollegen dies nicht ernst nahmen, drehten sie sich angeblich weg und gingen zurück zur Baustelle.

Obwohl Stefan D. seit diesem Zeitpunkt weder bei der Arbeit erschien noch sich bei seiner verzweifelten Familie meldete, kamen die Bauarbeiter nicht auf die Idee, ihre Beobachtung mitzuteilen. Erst am 17. Juni, einem Donnerstag, gaben die Arbeiter wohl der Vermisstenstelle der Polizei den Hinweis, dass Stefan ertrunken sein könnte.

Nach der Trauerfeier versammelten sich Stefans Angehörige an der Corneliusbrücke beim Deutschen Museum.

Am Tag drauf fand dessen bester Freund die Leiche des jungen Mannes unterhalb der Corneliusbrücke. Zufällig. Schnell machte auch die Geschichte einer Wette die Runde. Stefan sei nur in die Isar gesprungen, weil ihm jemand 1000 Euro geboten habe. „Ich glaube an einen Unfall“, sagte Kim D. der tz. „Aber warum hat ihm keiner geholfen?“ Als letzten Gruß an ihren Sohn, der viel zu früh sterben musste, schrieb Kim D. „Ich werde dich immer lieben. Bussi, Ma.“ Um 11.01 Uhr ließ Stefans Mutter ihren weißen Ballon los – und mit ihm flogen viele andere in den weißblauen Himmel.

JAM

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