Uneinigkeit um Nutzung

Gastronomie oder nicht? Zukunft des Maxwerks weiter offen

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Nach Industriebau sieht das Maxwerk nicht aus, eher wie eine italienische Villa – zumindest, wenn man sich die Graffiti wegdenkt.

München - Noch ist unklar, ob Augustiner einen Gastrobetrieb eröffnet – „Durchdrücken“ will die Brauerei das Projekt nicht. Der aktuelle Stand der Pläne:

Das barocke Treppenhaus im Wasserwerk.

Das Maxwerk ist das älteste noch aktive Wasserkraftwerk Münchens. Die Stadtwerke München (SWM), denen das denkmalgeschützte Bauwerk gehört, haben Räume an den Filmemacher Dieter Horres verpachtet. Sie würden jedoch lieber die Augustiner-Brauerei als Nutzer sehen. Ob hier in absehbarer Zeit eine öffentliche Gastronomie entsteht, ist derzeit völlig offen.

Augustiner hat durchaus Interesse. Eine „Café- und Brotzeitgastronomie mit etwa 60 bis 80 Sitzplätzen draußen, 150 Plätzen auf der Dachterrasse und rund 200 Plätzen drinnen“, schwebt Augustiner-Geschäftsführer Martin Leibhard vor. „Gastronomie ist grundsätzlich keine schlechte Nutzung“, sagte Mathias Pfeil vom Landesamt für Denkmalpflege jüngst bei einer Besichtigung. Doch zuerst müssten die Stadtwerke das Gebäude grundsanieren, und danach brauche das Maxwerk einen Pächter, der es dauerhaft in einem guten Zustand sichern könne. „Momentan sehe ich einen Zustand der Überforderung und der Unsicherheit“, so Pfeil. Er würde es begrüßen, wenn das Maxwerk öffentlich zugänglich gemacht wird. Der ursprüngliche Charakter als Industriedenkmal solle aber erhalten bleiben.

Augustiner ist nach wie vor interessiert

Das ist ganz im Sinne der Augustiner-Brauerei. „Unser Plan würde vorsehen, die Stromgewinnung erlebbar zu machen“, sagt Geschäftsführer Leibhard. „Zum Beispiel könnte man die Turbine durch eine Glasscheibe sichtbar machen.“ Das Wummern dieser Turbine macht eine gastronomische Nutzung aber nicht ganz einfach: Aufwändige Dämm-Maßnahmen wären nötig.

Noch ist die Lage jedoch völlig offen. Im März hatte Augustiner eine Bauvoranfrage gestellt. Die aber, so teilte das Planungsreferat gestern auf Anfrage mit, „konnte nicht vollständig geprüft werden, da seitens des Bauherren die zur Abwägung erforderlichen Nachweise trotz mehrfacher Fristverlängerungen nicht eingereicht wurden“. Die Lokalbaukommission habe das Verfahren am 14. Juni eingestellt. Augustiner könne nun einen neuen Antrag einreichen.

„Wir sind nach wie vor an einer vernünftigen Nutzung des Maxwerks interessiert“, sagte Martin Leibhard gestern. Es gebe „viele Befürworter“, und auch mit Kritikern des Vorhabens wolle man sich gerne auseinandersetzen. Man wolle nichts „auf Biegen und Brechen“ durchdrücken.

Viele Bürger fürchten Ballermann statt Erholung

Seit 15 Jahren Pächter des Werks: Dieter Horres (re.) im Gespräch mit Generalkonservator Mathias Pfeil.

Das zielt auf die Stadtrats-Grünen und den Bezirksausschuss Au-Haidhausen. Diese hatten sich gegen Pläne für eine Großgastronomie mit mehr als 400 Plätzen im Maxwerk ausgesprochen – aus Sorge um die Grün- und Erholungsflächen, die durch Lieferlastwagen unnötig belastet würden. Der BA hat deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet. Viele Bürger, sagt BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD), „fürchten den Ballermann“. Ein kleineres Café halten aber selbst die Kritiker für denkbar. „Egal welche Nutzung, wir sprechen hier sicherlich von einem siebenstelligen Betrag für die Sanierung“, sagt Mathias Pfeil. Leibhard schätzt die Kosten einer Generalsanierung auf drei Millionen Euro.

Noch heißt der Hausherr aber Dieter Horres. 2001 hat der Filmemacher den Stadtwerken angeboten, das lange Zeit ungenutzte Gebäude zu pachten und auf eigene Kosten zu sanieren und renovieren. „Meine Frau bekam bei der Vorstellung einen Albtraum nach dem anderen“, erzählt Horres und lacht. „Es hat sich vorher niemand um das Gebäude geschert“, sagt Birgitta Lohrer-Horres.

Früher wohnte hier der Turbinenwart

Ihr Atelier hat die Kostümbildnerin Brigitta Lohrer-Horres im ersten Stock des Maxwerks eingerichtet.

In der oberen Etage des historischen Bauwerks war einst die Wohnung des Königlichen Turbinenwarts, bis in die 1970er-Jahre lebten hier Stadtangestellte mit ihren Familien. Die Kostümbildnerin Lohrer-Horres und ihr Mann haben sich dort Arbeitsräume eingerichtet. „Einen „sechsstelligen Betrag“ hätten sie in die Immobilie investiert. „Davon hätte man sich auch eine Wohnung kaufen können.“ Zuletzt nutzten Theater- und Filmproduktionen die Räume, Lohrer-Horres hat ihr Kostüm-Atelier im oberen Stockwerk eingerichtet. Die Eheleute würden ihre Arbeit im Maxwerk gerne fortführen – und historische Gebäude mit einem kleinen Stehcafé mit Ausstellungsraum für die Öffentlichkeit öffnen.

Bisher fällt das neubarocke Bauwerk beim Spaziergang durch die Maximiliansanlagen kaum auf. Die Fassade ist mit Graffiti beschmiert, hohe Bäume umschließen das Gebäude. Erste Blicke ins Innere des Gebäudes durften nun zwei Dutzend Mitglieder der „Freunde Haidhausens“ werfen, denen Horres die Türen öffnete. Der Vereinsvorsitzende Dieter Rippel hatte zum Besuch Generalkonservator Mathias Pfeil mitgebracht. Er wird sich, ebenso wie der BA, die Stadtverwaltung und die Rathaus-Politik, wohl noch häufiger mit dem Maxwerk befassen.

Lisa-Marie Birnbeck, Caroline Wörmann, Anne Hund

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