Standortstreit

Haidhausen: Ärger um Müllcontainer vor Gotteshaus

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Müll vor Kirche: Dieser Anblick vor der Kirche St. Gabriel stört Gläubige, den Pfarrer und Anwohner. 

München - Die Müllcontainer vor der Kirche St. Gabriel in Haidhausen sind dem Pfarrer und den Gläubigen ein Dorn im Auge. Doch die Suche nach einem anderen Standort gestaltet sich schwierig.

Eine Insel mit Wertstoffcontainern hat wohl niemand gern vor der Haustür. Gegenüber der katholischen Kirche St. Gabriel an der Versailler Straße sind es gleich sieben Stück. Ein unzumutbarer Zustand für Kirchgänger, ärgert sich Pfarrer Ivan Krizanovic. „Die Container haben vor einem heiligen Ort wie einer Kirche nichts zu suchen“, findet er.

Zu Weihnachten, Ostern oder Pfingsten gehen manchmal mehr als tausend Gläubige über den Vorplatz, berichtet der Pfarrer – direkt neben dem Müllsammelplatz. Manchmal biete sich ihnen „ein Bild der Verwahrlosung“, wenn die Container während der arbeitsfreien Tage nicht geleert würden und bis oben voll seien. Außerdem würden gerade am Wochenende manche Menschen ihren Unrat einfach achtlos neben den Containern abladen.

Im Kampf gegen den Müll hat Pfarrer Ivan Krizanovic schon diverse Hilferufe gestartet. Zuletzt hatte er sich an die „DSD-GmbH – Der Grüne Punkt“ gewandt. „DSD“ steht für Duales System Deutschland. Die Entsorgungsfirmen, die die Container an den rund tausend Wertstoffinseln in München leeren, arbeiten im Auftrag dieser dualen Systeme.

Die „DSD-GmbH“ antwortete dem Pfarrer, dass man von ihrer Seite aus keinen Abzug der Container veranlassen könne. Die Festlegung der Standorte erfolge „ausschließlich in Zusammenarbeit zwischen den beiden beauftragten Firmen mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb und dem jeweiligen Bezirksausschuss – ohne Einmischung der dualen Systeme“. Man bitte um Verständnis, teilte die „DSD“ dem Pfarrer mit. Und weiter: „Gerade in der Stadt München mit stetig wachsender Einwohnerzahl ist die Ausweisung neuer Containerstandorte außerordentlich schwierig, sodass an den bestehenden Standorten – wenn irgendwie möglich – festgehalten werden soll, damit die Bürger keine allzu weiten Wege in Kauf nehmen müssen.“

Also wandte sich Pfarrer Krizanovic an den zuständigen Bezirksausschuss Au-Haidhausen. Der empfahl zwei Varianten: Entweder müsse man die Container ein Stück in Richtung Prinzregentenstraße versetzen oder aber teure Unterflurcontainer installieren, die in die Erde eingelassen werden und vor allem in Neubaugebieten eingesetzt werden.

Doch beide Möglichkeiten sind nicht praktikabel. Christiane Wild-Rittner vom Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) erklärt die Schwierigkeiten: „Wir versuchen seit Jahren, alternative Standorte für die Container in Haidhausen vorzuschlagen, aber es scheitert fast immer am Straßenrecht.“ Hinter der Kirche hätten die Container weniger gestört, „aber da haben wir Baumkronen, da könnte die Firma sie nicht leeren“. Die Prinzregentenstraße wiederum sei eine Durchgangsstraße, „da darf nichts stehen“. In Haidhausen seien Straßen und Gehwege oft zu schmal, außerdem müsse ein Mindestabstand von zwölf Metern zur nächsten Wohnbebauung eingehalten werden. Auch die vom BA vorgeschlagenen Unterflurcontainer seien in bebauten Gebieten oft problematisch – wegen der unterirdischen Leitungen. Und überhaupt: In Sachen Containerstandorte seien der Stadt „die Hände gebunden“, so Expertin Wild-Rittner vom AWM. „Wir können Plätze, die von den dualen Systemen ausgewählt wurden, nur auf ihre straßenverkehrsrechtliche Vereinbarkeit überprüfen. Ob ein Container abgezogen wird, entscheiden die beauftragten Firmen.“

Im Fall der Müllcontainer vor St. Gabriel ist das die Firma „Wittmann Entsorgungswirtschaft“. Sie ist an den Sammelstellen im Münchner Osten für Leichtverpackungen und Dosen zuständig. Mitarbeiter Ewald Fichtner versichert, man sei sehr bemüht und werde sich die aktuelle Lage vor Ort noch einmal anschauen – gemeinsam mit der Firma Remondis, die das Glas einsammelt. Bislang sei es aber nicht möglich gewesen, einen alternativen Standort zu finden, der von allen Stellen genehmigt würde. Lkw-Zufahrten, Gehwegbreiten und sogar der Wurzelbestand spielten dabei eine Rolle. Fichtner sagt aber auch: Es sei selten der Fall, dass die Behälter vor der Kirche überfüllt seien. Schließlich leere seine Firma die Container montags, mittwochs und freitags. Oft werde allerdings Müll von Unbekannten neben die Behälter geworfen. Das sei jedoch nicht zu kontrollieren – „das wäre ein Fass ohne Boden“.

Anne Hund

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