Protestwahl gegen Entwürfe

Pläne für Rosenheimer Straße: "5,2 Millionen für einen Murks"

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An der Ecke Rosenheimerstraße / Orleanstraße soll ein Neubau mit Wohnungen, Hotel und Büros entstehen.

München - Die Politiker in Au-Haidhausen stimmen mehrheitlich gegen die Umsetzung des aktuellen Entwurfs – nur die CSU ist dafür. 

Vier Autospuren, eine schmale Radspur rechts und links – und auf den Gehwegen deutlich weniger Platz für Fußgänger: Mit diesem auf einem Mehrheitsbeschluss von SPD und CSU basierenden und jüngst überarbeiteten Entwurf zum Umbau der Rosenheimer Straße will sich der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen nicht zufrieden geben.

Das Ergebnis der hitzigen Debatte der Stadtteilpolitiker ist durchaus überraschend: Die BA-Mitglieder, die zu dem Vorhaben Stellung nehmen konnten, lehnten die heuer im Juli vorgestellten Entwürfe der Stadt mehrheitlich ab. Lediglich die fünf anwesenden CSU-Mitglieder im Bezirksausschuss wollten den ablehnenden Beschluss nicht mittragen. Sie hatten im Vorfeld auf die Bedeutung der Leistungsfähigkeit der vierspurigen „Rosi“ hingewiesen, die als eine der wichtigsten Einfallsstraßen in München gilt.

Im Berufsverkehr kommt es dort regelmäßig zu Staus. Aber auch schon mehrere schlimme Unfälle seien bekanntlich passiert, mahnte die SPD-Fraktionsvorsitzende Nina Reitz und forderte, in dem besagten Abschnitt künftig Tempo 30 einzuführen. Und das, obwohl die Stadt bereits darauf hingewiesen hatte, dass sich Tempo 30 an einer solchen Straße nicht begründen lasse, wie Reitz einräumte. Die Rosenheimer Straße sei allerdings besonders gefährlich, die Stadt möge dies berücksichtigen.

Gleichzeitig sollten die bisherigen Planungen der Stadt „zurückgestellt“ werden, forderte die SPD-Fraktion in einem Antrag. Dieser lag dem Gremium allerdings nicht schriftlich vor, was die Grünen-Fraktion kritisierte.

Lydia Dietrichs (Grüne)

Aber auch inhaltlich stritten die beiden Fraktionen im BA: Während die SPD eine alternative Planung am Mittwoch ablehnte und auch keine „Überarbeitung“ des vorgelegten Entwurfs wünschte, forderten die Grünen zwar „hilfsweise“ Tempo 30 – allerdings nur solange, bis ihre Wunschvariante, die „Konzeptvariante“ umgesetzt werde, für die auch die Grünen im Stadtrat plädiert hatten. Diese „Konzeptvariante“ vom Büro Kaulen sieht nur zwei Autospuren vor statt vier, und dafür eine breitere Radspur sowie breitere Gehwege, wie die Haidhauser Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich betonte.

Am Ende sprach sie von einem „Minimalerfolg“, weil die offiziellen Pläne seitens des BA mehrheitlich nicht mehr gewünscht seien. Aber auch, weil Tempo 30 aus Sicht der Grünen eine vernünftige Zwischenlösung ist. „Das ist viel, viel besser als 5,2 Millionen für einen Murks auszugeben“, sagte Dietrich mit Blick auf die Kosten, die der Umbau der Rosenheimer Straße zwischen der Orleansstraße und dem Rosenheimer Platz bedeuten würde – inklusive der Verlegung der Sparten und der Parkplätze, von denen danach etwa die Hälfte übrig bliebe (wir berichteten).

Adelheid Dietz-Will (SPD)

Die von den Grünen favorisierte Kaulen-Lösung sei „im Moment“ noch eine „Illusion“ und derzeit nicht durchsetzbar, kommentierte BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD) derweil die Entscheidung ihrer Fraktion, die eine solche Lösung ablehnte. „Die starke Reduzierung des Autoverkehrs wird kommen“, ist die BA-Chefin zwar überzeugt und spricht von einer „Vision für die Zukunft“. Doch noch sei man nicht soweit. Im Moment gebe es dafür keine Mehrheit im Stadtrat. Jetzt sei Realpolitik gefragt. Am Ende entscheiden es die Stadträte.

Tempo 30 ist an Hauptverbindungsstraßen wenig realistisch. Es müsste eine konkrete Gefahrenstelle vorliegen, um dies zu rechtfertigen, erklärt Sabine Effner bei der Verkehrsabteilung im KVR. Üblicherweise sei das eine steile Kurve oder eine Strecke mit starker Steigung wie beim Maximilianeum. Man müsse den Einzelfall prüfen.

Anne Hund

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