Shitstorm-Initiator und Gastronom äußern sich

Hofbräukeller-Wirt: "Bei mir ist kein Platz für braune Schafe"

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Jakob Schmidkonz (l.) löste den Shitstorm gegen den von Wirt Ricky Steinberg (r.) geführten Hofbräukeller aus.

München - Mitglieder einer Studentenverbindung sangen bei ihm die verpönte erste Strophe des Deutschlandliedes. Deswegen nimmt Hofbräukellerwirt Ricky Steinberg keine Reservierungen von Verbindungen mehr an. Das hat ihm nun einen Shitstorm beschert.

Update: Die Wogen scheinen sich zu glätten. Am Donnerstag haben ein Verbindungs-Mitglied und der Wirt telefoniert. „Wir haben einen Treffen für Ende der Woche ausgemacht“, so Steinberg zur tz.

Daumen runter: Auf der Facebook-Seite des Hofbräukellers tobt ein Shitstorm. Studentenverbindungs-Mitglieder aus ganz Deutschland haben Wirt Ricky Steinberg (44) über 3000 mal nur einen Stern verpasst - die schlechteste Bewertung für ein Lokal.

Der Hintergrund: Steinberg hatte der Verbindung Alemannia München eine Reservierung verwehrt. Im Hofbräukeller habe es in letzter Zeit „erhebliche Probleme“ mit einigen Verbindungen gegeben, so der Wirt. „Vor zwei Wochen hatten wir eine Verbindung im Haus, die plötzlich angefangen hat, die erste Strophe des Deutschlandlieds zu singen.“

Die beginnt mit den "Worten Deutschland, Deutschland über alles" - und wird von Rechten gern missbraucht. Auch andere Verbindungen sollen im Wirtshaus randaliert, Gäste und Bedienungen angepöbelt und die Saalbestuhlung demoliert haben.

Nun sollen Studentenverbindungen im Hofbräukeller nicht mehr für geschlossene Veranstaltungen reservieren können. Als Erstes traf es die katholische, nichtschlagende Alemannia. Doch die schießt jetzt gegen den Wirt: Jakob Schmidkonz (30) von der Verbindung stellte die Absage bei Facebook ein. Folge: der Shitstorm.

Fast unter jedem Post des Lokals gibt es nun Kommentare, die eine angeblich fehlende Weltoffenheit und Toleranz anprangern. Auch die Qualität des Essens wird - von oft auswärtigen  Kommentatoren - bemängelt.

Der Hauptvorwurf: Alle Studentenverbindungen würden verunglimpft. Darüber ärgert sich auch Jakob Schmidkonz: „Mit uns gab es nie Probleme. Auch ich bin gegen rechte Verbindungen - der Wirt kann aber nicht uns alle pauschal abwerten. Bei uns im Verbindungshaus werden niemals die erste und die zweite Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Wir singen nur die dritte Strophe der Nationalhymne."

Steinberg ist sich dieses Problems bewusst. „Wir möchten nicht alle in den rechten Topf werfen. Aber es ist für uns schwierig, im vornherein die Gesinnung einer Verbindung zu überprüfen.“ Mittlerweile fühlt sich Steinberg auf Facebook erpresst.

Trotzdem will er überlegen, wie er die Gruppen in Zukunft überprüfen kann. Denn: „Wir haben nichts gegen die Verbindungen - aber gegen die braunen Schafe.“

Jakob Schmidkonz von der Alemannia ist zu einem Gespräch bereit. „Reden wir drüber, und dann passt’s wieder.“

Studentenverbindungen und Burschenschaften

Studentenverbindungen sind meist konservative Männerbünde. Rund 1000 von ihnen gibt es in der ganzen Republik. Auch Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber und Ex-Papst Joseph Ratzinger waren in einer Verbindung.

Eher am rechten politischen Rand stehen die meisten Burschenschaften. Ihr Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ sorgte in der Vergangenheit mit der Diskussion über einen „Ariernachweis“ für Schlagzeilen, weswegen eher liberal gesinnte Burschenschaften aus ihm austraten.

Ramona Weise

Ramona Weise

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