Ärger in Haidhausen

Stadt bricht Radweg-Versprechen

Blick in die Zukunft: Der neue Komplex rückt dicht an die Orleans- und Rosenheimer Straße heran. Visualisierung: Allmann Sattler Wappner Architekten

München - Die Verkehrsführung rund um Neubebauung des ehemaligen Holzkontor-Geländes an der Orleansstraße sorgt für Ärger im Bezirksausschuss

Die Neubebauung des ehemaligen Holzkontor-Geländes in Haidhausen sorgt für Ärger im Bezirksausschuss. Vor allem, weil ein von der Stadt in Aussicht gestellter neuer Radweg in den aktuellen Plänen nicht mehr auftaucht. Das Grundstück an der Ecke Rosenheimer- und Orleansstraße ist das letzte freie und städtebaulich bedeutende in Haidhausen. Ein privater Investor plant hier rund 120 Eigentumswohnungen, ein Hotel, – „Motel One“ soll hier einziehen – , sowie Büros, die die benachbarte IHK nutzen will.

Südöstlich des ehemaligen Holzkontors sollte nach früheren Aussagen der Stadt entlang der Bahnlinie von der Rosenheimer Straße in Richtung Regerstraße ein neuer Radweg verlaufen. Wie die BA-Mitglieder erfahren haben, wird dieser so nun doch nicht realisiert. Das gehe aus „vorliegenden Planunterlagen“ und Aussagen der Architekten bei einer Projektvorstellung im Unterausschuss Planung hervor, sagte die SPD-Fraktion bei der BA-Sitzung am Mittwoch.

Die Grünen äußerten in einem Antrag die gleiche Befürchtung: Bei der Vorstellung des Projekts auf dem Grundstück des ehemaligen Holzkontors habe der Investors geäußert, dass die Stadt den Radwegabschnitt an der Bahnlinie aufgegeben habe. Die Stadt selbst habe den Bezirksausschuss darüber nicht informiert, kritisierten die Mitglieder einstimmig. Dabei sei man im Vorfeld davon ausgegangen, dass ein öffentlicher Rad- und Fußweg an dieser Stelle über eine Grunddienstbarkeit von der Stadt zu realisieren sei, sagte Heinz-Peter Meyer (SPD). Mittels einer Grunddienstbarkeit können öffentliche Wege über Privatgrund verlaufen. Ab der Rosenheimer Straße wäre somit eine durchgehend autofreie Verbindung zwischen Giesing – vorbei am ehemaligen Paulanergelände und dem ehemaligen Bernbacher-Gelände – und dem Zentrum Haidhausens entstanden.

Doch aus diesen Plänen wird wohl nichts: Das Planungsreferat habe lange Zeit versucht, eine mögliche Radwegverbindung entlang der Bahnstrecke zwischen Balanstraße und Rosenheimer Straße „offen zu halten“, sagte ein Referatssprecher gestern auf Anfrage. Es gab jedoch Gründe, die dagegen sprachen: So wäre die Verbindung entlang der Bahn wegen erforderlicher Brückenverbreiterungen sehr aufwändig und teuer gewesen, sagte er. Und auch die Grunddienstbarkeit auf dem Gelände hätte sehr hohe Kosten verursacht. Das Planungsreferat prüfe allerdings eine alternative Verbindung.

Geregelt wissen wollen die BA-Mitglieder aber auch die „Anfahrtsituation“ vor dem Hotel, das auf dem Gelände geplant ist. Das Kreisverwaltungsreferat möge „sicherstellen, dass die Fuß- und Radwege nicht von Bussen, Taxis oder Hotelgästen zugeparkt werden“, wie dies beim „Motel One“ am Haidenauplatz in Haidhausen derzeit häufig der Fall sei. BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD) kritisiert, dass die Verwaltung einen so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan im Vorfeld abgelehnt habe – andernfalls hätten geförderte Wohnungen auf dem Gelände entstehen können und die Infrastruktur anders geregelt werden können. Stattdessen seien die Grundstückspreise weiter gestiegen.

Anne Hund

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