Kritik an Vernachlässigung der Gedenkstätte

Weiße-Rose-Denkmal wegen Schäden entfernt

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So ramponiert sah die Gedenktafel aus, bevor sie entfernt wurde: Wasser war eingedrungen, teilweise war die Schrift nicht mehr lesbar.

München - Ein Münchner Politikwissenschaftler protestiert und fordert, dass die Erinnerungstafel an derselben Stelle wieder angebracht werden soll

Am schmiedeeisernen Zaun an der Orleansstraße gegenüber der Hausnummer 67 hängen Protestschilder. „Weiße-Rose-Denkmal München verfällt!“, steht dort auf weißen Zetteln, die jemand auf Pappkartons geklebt und an den Gitterstäben befestigt hat. Die Mahnung geschrieben hat der Politikwissenschaftler und Autor Werner Thiel. Er kritisiert die „Vernachlässigung“ einer Erinnerungsstätte, die vor gut drei Jahren hier am Zaun neben dem Ostbahnhof geschaffen wurde.

Protest mit Plakaten: Politikwissenschaftler Werner Thiel kritisiert, dass das Denkmal zur Weißen Rose in Haidhausen verkomme.

Thiel hatte damals angeregt, großformatige Fotos von Mitgliedern der berühmten studentischen Widerstandsgruppe aufzuhängen, die am 23. Juli 1942 gemacht worden waren. „Sophie Scholl verabschiedet ihren Bruder Hans Scholl sowie Alexander Schmorell, Willi Graf und Hubert Furtwängler am 23. Juli 1942 zu deren Abfahrt an die Ostfront am Ostbahnhof“, beschreibt Thiel das Motiv eines der Bilder. „Sie mussten zum Fronteinsatz im Rahmen ihres Studiums. Bei diesem Ereignis am Zaun in der Orleansstraße entstanden die Fotos, die heute in jeder Schrift zur Weißen Rose zu sehen sind.“

Thiel hatte schon vor Jahren im Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen für die Erinnerungsaktion geworben. Auch wenn die Geschichte der Widerstandsgruppe mit Schwabing und dem Universitätsviertel verbunden sei, gebe es durch diese in Haidhausen entstandenen Fotos hier „einen visuellen Bezug zur Weißen Rose“, sagt er.

Zwei Fotos, ergänzt durch einen erläuternden Text, waren seither an der historischen Stelle zu bewundern – auf einem zwei mal drei Meter großen Plakat, das geschützt durch eine Acrylglasscheibe an der Rückseite des Zauns hing, nicht weit vom Bahndamm. Auf dem Areal dahinter verkauft ein Autohändler Gebrauchtwagen. Der BA hält es für nicht unwahrscheinlich, dass das Gelände einmal bebaut wird, gerade auch mit Blick auf die geplante zweite S-Bahn-Stammstrecke.

Doch nun wurde die Erinnerungstafel abmontiert. Wasser sei ins Plakat eingedrungen, schildert BA-Mitglied Hermann Wilhelm das nicht ganz neue Problem. Durch die Feuchtigkeit seien Schrift und Abbildungen inzwischen so stark angegriffen, dass sie kaum noch zu erkennen waren. „Wir haben deshalb veranlasst, dass es abgebaut wird.“ Nun suchen die BA-Mitglieder nach einer geeigneten Alternative. Denn auch sie wollen nicht auf die Erinnerung im Stadtteil verzichten, wie der SPD-Politiker Wilhelm betont.

Der BA habe das Projekt mit den Eigentümern des Grundstücks und der Weiße-Rose-Stiftung damals ermöglicht. Denkbar sei aus Sicht der Lokalpolitiker, dass man stattdessen etwa eine Tafel an der Hauswand gegenüber installiere. Dem müsste der Eigentümer des Gebäudes allerdings zustimmen. Man wolle gemeinsam erörtern, was möglich sei. Eine beschriftete Tafel, die an der Hauswand allerdings wohl etwas kleiner ausfallen dürfte, hält auch Dieter Rippel vom Verein „Freunde Haidhausens“ für denkbar. Vermutlich würde man es an der Wand sogar besser wahrnehmen als auf der Bahnseite am Zaun, sagt er.

Werner Thiel hält eine Tafel an der Häuserwand dagegen für ungeeignet. Er sei „enttäuscht“, dass das Plakat so vernachlässigt worden sei, sagt er und fordert, dass es renoviert wird. Auch an den Münchner Stadtrat hat er sich deshalb gewandt. Die Stelle an dem „historischen Zaun“ muss aus seiner Sicht erhalten bleiben.

Anne Hund

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