Anwohner skeptisch

Geplantes Neubaugebiet: Lochhausener fürchten um Dorfcharakter

+
Kritisch beäugt: Landschaftsarchitekt Michel Hinnenthal erläutert das Projekt „Wohnen am Osteranger“.

München - Wohnraum wird in München dringend gebraucht. In Lochhausen sind 400 neue Wohnungen geplant. Doch in der Bürgerversammlung regt sich Kritik. Die Hintergründe: 

Die Wohnungsnot in München spitzt sich immer weiter zu, weshalb die Stadtverwaltung unter Hochdruck neue Baugebiete ausweist. Gern gesehen ist das nicht immer. In Lochhausen zum Beispiel fürchten viele Bürger um ihre Wohnqualität. Trotz nahe gelegener Autobahn, Hochspannungsleitung und regem Durchgangsverkehr hat sich der Stadtteil seinen dörflichen Charakter bewahrt. Seit die Pläne für die Bebauung des Areals „Am Osteranger“ öffentlich geworden sind, sind die Menschen aber in Sorge.

Dass die Stimmung aufgeheizt ist, zeigt sich bei einer Bürgerversammlung am Montagabend. Bewohner aus Lochhausen diskutieren mit den Verantwortlichen für das Baugebiet. Die Erläuterungen von Steffen Kercher vom städtischen Planungsreferat und von Architekt Clemens Nuyken quittieren sie bisweilen mit aufgebrachtem Gelächter.

Auf der 6,2 Hektar großen Fläche sollen 400 Wohnungen und Reihenhäuser für etwa 1000 Menschen entstehen. Ende Februar hatten die Stadträte im Planungsausschuss grünes Licht für das Projekt gegeben. Kercher spricht von bezahlbarem Wohnraum – 30 Prozent davon gefördert – von einer aufgelockerten Bebauung mit Kindertagesstätte, Freiflächen und entsprechender Verkehrsanbindung.

Auch Architekt Nuyken versucht den Menschen die Pläne schmackhaft zu machen: Eine Siedlung mit lebendiger Silhouette solle entstehen, nicht kasernenartig angelegt. Geplant seien unterschiedliche Gebäudetypen, darunter vier Häuser mit mehr als vier Geschossen, sagt Nuyken. Da geht ein lautes Raunen durch den Saal.

Landschaftsarchitekt Michel Hinnenthal erklärt das vorgesehene Verkehrskonzept mit Ampel, Rad- und Fußwegen. Als er die fünf Meter hohe Lärmschutzmauer erwähnt, lachen die Leute laut auf. „Das hört sich schlimmer an, als es ist“, sagt Hinnenthal. Zum Teil handele es sich um einen begrünten Lärmschutzwall.

„Wir sind total überfahren worden“, sagt eine Anrainerin. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe des geplanten Wohngebietes. Als sie vor 25 Jahren ihr Haus bauten, habe es geheißen, die Grünfläche werde nicht bebaut, erinnert sie sich. Und nun sollen dort fünfgeschossige Wohnblöcke entstehen. Reihenhäuser wären ja noch okay, findet sie. Dann bliebe zumindest der Charakter des Ortes erhalten. Aber so?

Zudem fürchtet die Lochhausenerin Lärm und noch mehr Verkehr. „Wir haben hier ja schon die Autobahn und die Lochhausener Straße.“ Dort rollen die Autos dicht an dicht. Dass die Einwände der Anwohner bei der Versammlung noch etwas an den Plänen ändern können, glaubt sie nicht. „Das ist doch beschlossene Sache.“ Sie ist mit ihrer Befürchtung nicht alleine an diesem Abend. Den Planern schlägt mächtig Gegenwind entgegen.

Das Gelände ist nicht unproblematisch: Der Grundwasserspiegel ist hoch, Hausbesitzer fürchten angesichts der bevorstehenden Großbaustelle feuchte Keller. Zudem durchzieht eine 110 KV-Hochspannungsleitung für Bahnstrom das Areal.

Das Grundwasser stelle bei dem geplanten Projekt kein Problem dar, sagt Kercher. Das gehe aus einem entsprechenden Gutachten hervor. Die Stadt lasse bei Bauvorhaben immer den Grundwasserstand und den Eingriff in diesen überprüfen. Und der erforderliche Sicherheitsabstand zur Hochspanungsleitung werde gewahrt, versichert Hinnenthal.

In Arbeitsgruppen bringen die Menschen danach ihre Sorgen vor, schreiben sie zum Teil auf Kärtchen. „Wir wollen keine hässlichen Hochhäuser. Lochhausen hat Dorfcharakter!“, steht da. „Kein zweites Neuperlach!“, „Autobahn jetzt schon dicht, wo sollen die ganzen Leute hin?“ und „Altbestand wird grundwassertechnisch absaufen“, schreiben die Anwohner. Außerdem fehlten Supermarkt, Bolzplatz und Jugendheim.

Die Einwände würden gesammelt und geprüft, versichert Steffen Kercher. Bis zum 14. April haben die Lochhausener die Möglichkeit, sich im Planungsreferat zu informieren und Kritik zu äußern. Ende 2016 solle der Entwurf dem Stadtrat vorgelegt werden. Frühestens 2018 könnten am Osteranger die ersten Bagger anrollen, sagt Kercher.

Viele Anwohner sind skeptisch, dass ihre Einwände tatsächlich berücksichtigt werden. „Die meisten hier im Saal sind dagegen“, sagt einer. „Aber das hilft nichts. Das kommt eh.“

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare