Der Nachbarin gestand er den Mord

Drama in Aubing: Demenzkranker (81) erdrosselt Ehefrau (84)

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Einsatzkräfte der Polizei am Tatort in Aubing.

München -  Tragischer Fall in Aubing: Ein 81 Jahre alter Münchner hat am Samstag offenbar seine Frau (84) getötet. Der Mann ist demenzkrank.

Es ist 11.15 Uhr am Samstagvormittag, als der 81-Jährige bei seinen Nachbarn an der Allinger Straße in Aubing, einer ruhigen, bürgerlichen Wohngegend, klingelt. Wenig zuvor, so geben es die Nachbarn später an, hatten sie einen kurzen Hilferuf von nebenan gehört. Der völlig verwirrte Senior tritt ein, mit blutverschmierten Händen, und erzählt, dass er seine Frau umgebracht habe. Die Nachbarn alarmieren sofort die Polizei.

Die Beamten der Kriminalpolizei finden den Mann wenig später ruhig, als sei er völlig unbeteiligt, im Wohnzimmersessel der Nachbarn wartend vor. Seine 84 Jahre alte Ehefrau liegt leblos auf dem Wohnzimmerboden der Doppelhaushälfte nebenan. Erdrosselt. Mit einer Kordel.

Das Paar habe seit 45 Jahren zu zweit in dem Häuschen am westlichen Ortsrand von Aubing gelebt, berichtet am Sonntag Herbert Linder von der Münchner Mordkomission. Von mindestens einem Kind, einem Sohn, ist die Rede. Vor ein paar Jahren bereits hatte ein Arzt diagnostiziert, dass der heute 81-Jährige an Alzheimer leidet, der häufigsten Form der Demenz (siehe Kasten). Seine Ehefrau übernahm daraufhin die Pflege. Und hielt alles in Ordnung, drinnen und draußen im Garten. „Das Haus hat einen Picobello-Eindruck gemacht“, berichtet Linder, der Bilder vom Tatort gesehen hat. Zuletzt aber muss es der Seniorin zu viel geworden sein. Der Zustand ihres Mannes hatte sich offenbar verschlechtert. „Bislang hatte sie die Pflege ihres Mannes alleine bewältigt, vor Kurzem aber hat sie einen Pflegedienst beauftragt“, berichtet Linder. Mit seiner Arbeit begonnen hatte der Dienst wohl noch nicht.

Die Allinger Straße, eine Sackgasse, ist am Samstag zeitweise abgeriegelt. Ein Großaufgebot der Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in dem Mordfall aufgenommen. Der 81-jährige mutmaßliche Täter ist nach Polizeiangaben aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht vernehmungsfähig. „Er ist nicht orientiert, hat auch keine lichten Momente und konnte sich zum Motiv für die Tat nicht äußern“, berichtet Linder. Nach den ersten Vernehmungen gibt es keine Hinweise darauf, dass der 81-Jährige bereits zuvor durch Aggressionen aufgefallen ist. „Offenbar ist er bisher nie handgreiflich geworden“, sagt Linder. Nachbarn berichten allerdings, dass sie immer wieder lauten Streit aus dem Haus des Ehepaares gehört haben.

Der Senior wurde schließlich in eine psychiatrische Klinik gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktion der Leiche zur Ermittlung der Todesursache angeordnet. Gegen den 81-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft ein Haft- oder Unterbringungsbefehl beantragt. Ob der Mann schuldfähig ist, muss ein Gutachter klären. Dass er sich vor Gericht verantworten muss, gilt aber als unwahrscheinlich.

Bilder: Ehefrau (84) getötet - Einsatz in Aubing

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