Wegen Trauerwoche verschoben

So reagieren Besucher und Aussteller auf verspätete Auer Dult

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Lockt etwa 300.000 Besucher an: Die Auer Dult findet drei Mal im Jahr statt.

München - Am Montag ging's endlich los mit der Auer Dult. Wegen der Trauerwoche nach dem Amoklauf war der Start verschoben worden. Was sagen Besucher und Aussteller dazu?

Die Auer Dult ist Kult und gehört für viele Münchner zum Pflichtprogramm. Mit dem Besuch der Jakobidult mussten sich Liebhaber diesmal allerdings länger gedulden als sonst. Der Startschuss fiel nicht wie geplant vergangenen Samstag, sondern am Montag, den 1. August. Grund dafür: Die von OB Dieter Reiter (58, SPD) angeordnete Trauerwoche anlässlich des Amoklaufs im Olympia Einkaufszentrum. Auf schwarze Wolken folgt aber auch wieder Sonnenschein. Am ersten Tag der Dult brummt in der Au wieder das Leben. Die tz hat sich zwischen Steckerlfisch und Kettenkarussel umgesehen.

Sabrina Höbel

Umfrage auf der Dult

"Trauer schön und gut, doch dafür solch eine Traditionsveranstaltung wie die Auer Dult für zwei Tage ausfallen zu lassen finde ich nicht gut. Zum einen haben wir Schausteller zwei wichtige Tage verloren. Außerdem haben alle anderen Geschäfte in der Stadt ja auch ganz selbstverständlich geöffnet. Passender wäre gewesen. die Dult einfach später beginnen zu lassen, zum Beispiel am Sonntag und eine Gedenkminute einzulegen. Uns ist aber natürlich trotzdem wichtig, positiv zu bleiben."

Rudi Balloni, Schausteller, Rosenheim

"Wir drei sind heute eher zufällig auf der Jakobidult gelandet. Seit dem Amoklauf habe ich auf jeden Fall mehr Angst und lasse meine Töchter auch nicht mehr alleine auf Veranstaltungen wie diese gehen. Man fühlt sich einfach nicht mehr so sicher wie vorher. Die Trauerwoche fanden wir deshalb auf jeden Fall angemessen."

Uschi Braun (51), Goldschmiedemeisterin mit Töchtern Franzi (11) und Isabella (17), Neubiberg

"Wegen eines Amoklaufs eine Woche Trauer anzuordnen finde ich übertrieben. Sachen wie diese passieren leider andauernd. Lieber hätte man zeitnah eine Trauerfeier organisiert. Aber gut, dass die Tage jetzt ausgefallen sind war halt höhere Gewalt.Dass deshalb auf der Dult schlechte Stimmung wäre, kann ich aber nicht feststellen. Ich denke die Gespräche und der Spaß hier hilft den Leuten sogar beim Verarbeiten des Unglücks."

Ellen Knab (53), Antikhändlerin, München

"Die Woche nach dem Unglück vom Olympia Einkaufszentrum war schon gespenstisch. Deshalb finde ich es gut, dass die Trauerwoche ausgerufen wurde. Man braucht ja schließlich auch einige Tage um das richtig verarbeiten zu können. Nicht schlimm also, dass die Dult zwei Tage später begann. Natürlich geht das Leben weiter, man kann nicht stehen bleiben. Der erste Tag lief schon recht gut. Wir haben tolles Wetter und eine Menge hungrige Besucher."

Johann Stadtmüller (53), Gastwirt bei der Fischer-Vroni, München

"Normalerweise kommen wir direkt am ersten Tag zur Dult. Am Samstag ging das ja nicht, deshalb sind wir sofort heute hergekommen. Es ist schon in Ordnung, dass die Jakobidult später angefangen hat. Man darf sich einfach nicht einschüchtern lassen. Wir freuen uns jetzt darauf, etwas Leckeres zu essen, Spaß auf dem Kettenkarussell zu haben und Autoscooter zu fahren, das macht Xaver übrigens am liebsten."

Daniela Schiedlmeier (46), Lehrerin und Sohn Xaver (7)

Auch diese Veranstaltungen fanden nicht nach Plan statt

Nicht nur die Jakobidult lief aufgrund der Trauerwoche später an als geplant. Mit ihr begann am 1. August ebenfalls das Impark Sommerfestival im Olympiapark, sowie der Theatron Musiksommer. Beide Events hätten bereits am Donnerstag, den 28. Juli beginnen sollen. Auch die Eröffnung des Isarflussbades und der damit verbundene Isarpokal finden nun am 5. August statt, ganze zwölf Tage später als geplant. Die Veranstaltung "Hoagartn in Pasing" im Prinzregentgarten, genauso wie Teile des Tollwood Sommerfestivals, der Sommernachtstraum im Olympiapark und das Festival "500 Jahre Reinheitsgebot" entfielen infolge der Trauerwoche vorerst komplett. Die Verleihung des städtischen Tanzpreises und die für den 31. Juli vorgesehene Live-Übertragung "Oper für alle" der Bayerischen Staatsoper sollen nachgeholt werden. Ein konkreter Termin dafür steht allerdings noch nicht fest. Wenigstens die Löwen konnten sich freuen. Das entfallene Fanfest des TSV 1860 München wurde nämlich bereits am Sonntag nachgeholt.

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