Verdächtige seit Donnerstag vor Gericht

Auf Friedenheimer Brücke zusammengeschlagen - "leide bis heute"

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Sagt vor Gericht aus: Opfer Mike (l.) wird von seinem Vater Harald begleitet.

München - Mitten in der Nacht wird Azubi Mike von zwei Unbekannten attackiert und krankenhausreif geschlagen. Nun sieht er beide vor Gericht wieder. Sie wollen sich an nichts erinnern.

Mit geschwollenem Gesicht liegt Mike H. (17) im Krankenbett. Eine Halskrause stützt sein Genick. Der Blick des Azubis: geschockt und leidend.

Am 19. März wurde Mike Opfer von brutalen Schlägern. Auf der Friedenheimer Brücke hatten sie ihn nachts attackiert - aus dem Nichts. Mike hat diese Momente teilweise verdrängt. Sein Vater Harald kann die schockierenden Bilder aus der Klinik aber nicht vergessen: "Warum tut jemand so was?"

Diese Frage versucht das Amtsgericht seit Donnerstag zu klären. Dort wird David K. (24) und Abdoul B. (27) wegen gefährlicher Körperverletzung der Prozess gemacht. Laut Anklage waren sie Mike und seinem Onkel Andreas (18) gegen 0.35 Uhr auf der Friedenheimer Brücke zufällig begegnet und schlugen grundlos zu.

"Habe die Typen nicht gesehen"

Angeklagt: David K. (l.) und Abdoul B.

"Wir sind am Hirschgarten ausgestiegen", sagt Mike am Donnerstag im Zeugenstand. "Ich habe die Typen nicht gesehen, weil wir uns unterhalten haben. Plötzlich schlug der eine mir von unten die Faust ins Gesicht." Der Aufwärtshaken hat solche Wucht, dass Mikes Nase zweifach bricht. Bewusstlos sinkt er zu Boden. "Ich bin mit dem Hinterkopf auf den Asphalt geknallt", sagt er. Dreimal sollen sie danach noch auf den Azubi eingedroschen haben. Nur weil dessen Onkel Andreas dazwischenging, ließen sie von ihm ab - aber schlugen auch den Helfer. Und flüchteten.

"Als ich wieder zu mir kam, war überall Blut", sagt Mike. "Ich war panisch und hatte starke Schmerzen." Sie kommen von der schweren Gehirnerschütterung. Zum Glück hatten hatten Zollbeamte den Vorfall beobachtet: Sie halfen den Opfern, riefen Notarzt und Polizei - auch die Täter konnten sie gut beschreiben. Vor dem Backstage werden David K. und Abdoul B. festgenommen.

Täter wollen betrunken gewesen sein

Vor Gericht können sie sich angeblich an nichts erinnern. "Ich war betrunken", sagt K. Und sein Spezl B. behauptet: "Ich bin erst in der Ausnüchterungszelle wieder zu mir gekommen." Die Tat streiten sie ab. Stattdessen nur mürrische Worte zu Richterin Karin Jung. Die stellte klar: "Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie sich nicht erinnern."

Am 23. September will sie weitere Zeugen hören, die die Täter identifizieren können. Bis dahin müssen sich Mike und seine Familie gedulden. "Solche Menschen gehören weggesperrt", fordert Vater Harald. Sein Sohn leidet bis heute. "Ich habe täglich Kopfschmerzen", sagt Mike. Dazu kommen seelische Probleme. "Ich schaffe es noch nicht wieder, mit der S-Bahn zur Arbeit zu fahren." Ein Psychologe unterstützt den Azubi seit der Attacke. Damit Mike wieder wie früher sein kann: lebenslustig und unbeschwert.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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