Schneller umsteigen

Bahn plant Brücke über die Gleise am Hauptbahnhof

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Blick vom Holzkirchner Flügelbahnhof: Der geplante Steg könnte entlang des hier sichtbaren Hallenvorsprungs hinüber zum Starnberger Flügelbahnhof auf der anderen Seite der Gleise führen.

München - Das Umsteigen am Münchner Hauptbahnhof soll künftig schneller möglich sein. Bahn und Freistaat haben sich darauf geeinigt, eine Brücke über die Gleise zu planen.

Mit 32 oberirdischen Gleisanlagen zählt der Münchner Hauptbahnhof zu den größten Bahnhöfen der Welt. Umsteigen kann lange dauern, denn Querungsmöglichkeiten zwischen den Bahnsteigen gibt es nicht. Wer zum Beispiel aus Salzburg ankommt und weiter nach Lindau reisen möchte, muss vom Holzkirchner zum Starnberger Flügelbahnhof laufen – eine Strecke von fast einem Kilometer Länge. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert seit Jahren den Bau eines Stegs am offenen Ende der Gleishalle, der ein schnelleres Wechseln zwischen den Gleisen ermöglichen würde. Jahrelang zierte sich die Bahn unter Verweis auf die hohen Kosten des Bauwerks. Nun gibt es jedoch einen Durchbruch.

„Die Bereitschaft, den Fußgängersteg als Verbindung zwischen dem Holzkirchner Bahnhof und dem Starnberger Flügelbahnhof umzusetzen, besteht“, sagt Michael Baufeld, der Verantwortliche der Bahn im Bereich „Kommunikation Infrastruktur“.

Demnächst soll ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt werden. Dieses wird eine alte Machbarkeitsstudie aufgreifen, welche die Bayerische Eisenbahngesellschaft 2009 hatte erstellen lassen. Damals war neben einem Steg auch eine unterirdische Bahnsteigquerung mit Anschluss an die Paul-Heye-Unterführung geprüft worden. Aus baulichen Gründen und wegen der zu hohen Kosten wird diese Möglichkeit aber nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen wird nun der Fußgänger-Steg geplant.

Pro Bahn: Umsteigen am Hauptbahnhof immer mehr zu einer Last geworden

Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn fordert den Steg.

Beim Fahrgastverband Pro Bahn nimmt man erfreut zur Kenntnis, dass nun zumindest die Planung finanziert ist. „Das Umsteigen am Hauptbahnhof ist auch durch die Zunahme der Fahrgastzahlen immer mehr zu einer Last für viele Menschen geworden“, sagt Norbert Moy, der Vorsitzende von Pro Bahn Oberbayern. Bei anderen großen Kopfbahnhöfen gebe es zusätzliche Verbindungen im hinteren Bereich der Bahnsteige. In München führten dagegen alle Wege ganz nach vorne über den Querbahnsteig, kritisiert Moy.

Noch im vergangenen Jahr hatte ein Bahn-Vertreter im Münchner Stadtrat das Steg-Projekt unter Verweis auf die hohen Kosten abgelehnt und gewarnt, dass dieser selbstmordgefährdete Menschen anziehen könnte. Der Fahrgastverband ließ jedoch nicht locker und verfasste eine Petition an Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Am 8. März 2016 stimmte der Landtag der Forderung nach einer zusätzlichen Bahnsteigquerung im Münchner Hauptbahnhof zu und forderte die Staatsregierung auf, sich für den unverzüglichen Bau dieser Querung einzusetzen.

Das bayerische Innen- und Verkehrsministerium nahm sich der Angelegenheit an. Minister Joachim Herrmann (CSU) schrieb im Mai einen Brief an Pro-Bahn-Chef Moy, in dem er der Fußgängerbrücke einen „hohen Nutzen“ attestierte. Für den Ausbau der Schieneninfrastruktur ist laut Grundgesetz der Bund verantwortlich. Der entsprechende Fördertopf ist jedoch für die kommenden zehn Jahre überzeichnet. Um dennoch einen zeitnahen Startschuss des Projekts zu ermöglichen, hat die Staatsregierung jetzt der Bahn das Angebot gemacht, 90 Prozent der Kosten für die Vorplanungen freiwillig zu übernehmen – rund 400 000 Euro. Die Bahn nahm dankend an, demnächst will sie die Planungsleistungen ausschreiben.

Schematischer Lageplan: Westlich der Bahnsteighalle soll der Steg gebaut werden.

Wer die Gesamtkosten der Brücke trägt, ist indes noch unklar. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ermittelte im Rahmen der Machbarkeitsstudie Gesamtkosten für Planung und Bau in Höhe von 8,3 Millionen Euro. Dies war allerdings 2009. Heute würden die Kosten im zweistelligen Millionenbereich liegen. Der Steg soll nach ersten Überlegungen in großer Höhe über die Oberleitungen führen und jeden Bahnsteig mit Treppen und Aufzug anbinden. „Aktuell verhandeln Bahn und Freistaat über die Finanzierung“, sagt Michael Baufeld von der Bahn.

Zum Zeitplan wollen sich die Beteiligten nicht äußern. Die Koordination der Baumaßnahme wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Projekt muss eingebettet werden in das Bauprogramm der Bahn. Auf dem Zettel stehen unter anderem der Neubau des Empfangsgebäudes des Hauptbahnhofs oder die 2. S-Bahn-Stammstrecke. Mit den Plänen der Stadt für eine neue Station auf der U-Bahn-Linie 9 würde der Bau des Stegs immerhin nicht kollidieren. Das ist bereits abgeklärt.

Ulrich Lobinger

Ulrich Lobinger

E-Mail:ulrich.lobinger@merkur.de

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