Verkehrsinfarkt mit Ansage

Bauarbeiten am Isarring: Die Staufalle schnappt zu

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Verkehrsinfarkt mit Ansage: Während der Bauarbeiten am Isarring wird in Richtung Schwabing nur die linke Spur, auf der im Bild der weiße BMW fährt, offen bleiben.

München - Es ist eine der heikelsten Straßensperrungen, die München je erlebt hat: Wenn von Sonntag an eine Fahrspur auf dem Isarring wegfällt, droht ein Stau, der monatelang den gesamten Münchner Osten beeinträchtigt.

Die Maßnahme soll eigentlich dafür sorgen, dass der Verkehr an der neuralgischen Engstelle im Osten des Mittleren Rings besser fließt: Eine dritte Fahrspur an der Einmündung der Ifflandstraße soll die Verflechtung der Fahrzeugströme erleichtern. Bisher verliefen die Arbeiten weitgehend ohne Auswirkungen auf den Verkehr. Doch jetzt wird es ernst: Die Baustelle braucht mehr Platz, den Autos in Richtung Nordwesten bleibt für mehr als zwei Monate nur noch eine Fahrspur.

Die jedoch, so sagt Baustellenkoordinator Richard Bartl gestützt auf aktuelle Verkehrszählungen, könne den Verkehr, der täglich hier fließt, unmöglich aufnehmen.

114 000 Autos drängen sich Tag für Tag durch das Nadelöhr. Die linke Spur sei in den Hauptverkehrszeiten mit mehr als 2000 Fahrzeugen pro Stunde „an der Leistungsgrenze“. Auf der rechten, derzeit ampelgeregelten Spur wurden bis zu 1000 Fahrzeuge gezählt. Wenn diese Spur nun wegfällt, die linke aber keinen weiteren Verkehr aufnehmen kann, bedeutet dies laut Bartl: „Ein Drittel der Autos muss weg!“

Ein Detail könnte die Situation noch verschärfen: Die Zufahrt von der Ifflandstraße auf den Ring Richtung Nordwesten muss ebenfalls gesperrt werden. Autofahrer, die nicht rechtzeitig vorher von der Isarparallele abfahren, können dann nur noch Richtung Süden auf den Ring auffahren. „Das könnte dann auch in dieser Richtung Stau provozieren. Und wenn die Fehlgeleiteten versuchen, im Kreisverkehr auf dem Effnerplatz wieder Richtung Norden zu steuern, wird das Chaos noch größer: Die Rampe vom Effnerplatz auf den Isarring wird ebenfalls gesperrt. Wenn der Kreisel zuläuft, ist auch der querende Verkehr blockiert.

Die Engstelle zu umfahren, ist kaum möglich: Prinzregenten-, Ludwig- und Leopoldstraße seien ebenso wie Effnerstraße und Föhringer Ring zu den Verkehrsspitzenzeiten bereits heute ausgelastet, zählt Bartl auf. Seine Empfehlung dürfte vielen Autofahrern deshalb nicht gefallen: Wer den Bereich nicht weiträumig umfahren kann, solle auf Fahrrad oder Motorroller umsteigen oder gleich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, schlägt der Koordinator vor. „Drei Buslinien fahren durch den Englischen Garten, und auch die U 4/5 läuft parallel“.

Auch Fahrgemeinschaften könnten das Problem entschärfen, sagt Bartl. „Jedes Auto weniger ist ein Gewinn.“ Er hofft, dass große Arbeitgeber elektronische Plattformen zur Verfügung stellen, auf denen Mitarbeiter mit gleicher Fahrtroute zusammenfinden. Und noch etwas könnten Arbeitgeber tun, so Bartl: Prüfen, ob Bürokräfte nicht verstärkt von zu Hause aus arbeiten könnten. Selbst wenn Arbeitnehmer nur an ein oder zwei Tagen pro Woche im „Home Office“ blieben, sinke ihr Beitrag zum Verkehrsaufkommen um 20 bis 40 Prozent. Auch eine Verschiebung der Arbeitszeiten könne entlastend wirken.

Der Grund, der Bartl zu solch unkonventionellen Vorschlägen bewegt, ist das Krisenszenario, das die Stadtverwaltung vor Augen hat: Wird der Verkehr nicht reduziert, drohen sich die Autos zurückzustauen, im Extremfall bis zum Ende der A 8 in Ramersdorf. Dazwischen liegen der 1500 Meter lange Richard-Strauss-Tunnel und die Leuchtenberg-Unterführung – Streckenabschnitte, in denen ein Stau als Sicherheitsrisiko bewertet wird. Denn wenn der Verkehr im Tunnel zum Stillstand kommt, stauen sich auch die Abgase, und zudem wirkt die Situation auf viele Menschen beklemmend.

„Das Kreisverwaltungsreferat hat schon angekündigt, dass in diesem Fall Blockabfertigung angeordnet wird“, sagt Bartl. Und zwar vorzugsweise am südlichen Portal des Richard-Strauss-Tunnels wo modernste Signaltechnik verbaut ist. Konkret heißt das: Sollte der Rückstau in den Tunnel hineinreichen, schalten am südlichen Portal die Ampeln auf Rot, notfalls senken sich Schranken. Dann werden nur so viele Autos durchgelassen, wie am Isarring auch weiterkommen. Unabsehbar lange Stauzeiten im dunklen Tunnel sind damit ausgeschlossen.

Mit Hinweisschildern und orangefarbenen Plakaten mit der Aufschrift „Hier wird’s eng“ stimmt Bartl die Autofahrer seit Tagen auf die Sperrungen ein. Vor 21 Jahren hatte er mit ähnlichen Warnungen schon einmal Erfolg: Als die Donnersbergerbrücke 1995 teilweise gesperrt werden musste, gelang es, den Verkehr drastisch zu reduzieren. Das befürchtete Chaos blieb aus.

Erste Maßnahmen

In der Nacht zum Montag wird das Ampelprovisorium an der Einmündung der Ifflandstraße ersatzlos abgebaut. Ab 21 Uhr ist die Auffahrt zum Isarring Richtung Schwabing gesperrt. Von 23 bis 5 Uhr ist der Isarring in Richtung Schwabing ab dem Effnerplatz bzw. der Einfahrt zum Effnertunnel gesperrt. Von 2 bis 4 Uhr ist der Isarring auch in der Gegenrichtung ab der Ungerer- bzw. Dietlindenstraße gesperrt.

Peter T. Schmidt

E-Mail:Peter.Schmidt@merkur.de

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