Beckstein: "Dieser Computer schenkt mir ein neues Leben"

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Dieser Computer lässt Günther Beckstein wieder hören.

München - Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein glücklich wie nie: Dank eines Spezialcomputers in seinem Kopf hat er fast sein komplettes Hörvermögen wieder.

Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Das Lied muss oft als Klischee herhalten, wenn ein Jubilar dieses Alter erreicht. Doch bei Günther Beckstein klingt die Wahrheit dieses Schlager-Klassikers in jeder Silbe durch: Der Ex-Ministerpräsident hat sich einer Kopf-OP unterzogen. An der Uni-Klinik Erlangen wurde ihm ein Implantat eingesetzt. Die Mediziner haben damit den dramatischen Hörverlust des CSU-Politikers gestoppt. In der tz spricht Beckstein erstmals über sein langes Leiden, die OP und sagt: „Die Ärzte haben mir ein neues Leben geschenkt!“

Der Franke Günther Beckstein ist ein Vollblutpolitiker: Immer unterwegs, immer unter Strom. 14 Jahre Innenminister, danach ein Jahr Ministerpräsident in der schlimmsten Krise der CSU seit dem Krieg. Der Stress gehört für ihn zum Alltag. 2002 der Hilferuf seines Körpers: Tinnitus und Hör­sturz. Der Infarkt im Ohr. „Das wurde immer schlimmer. Vor allem, als die Spannung abfiel nach meiner Zeit als Ministerpräsident im Herbst 2008.“

Als er zur Ruhe kommt, nimmt er dieses nervtötende Surren im Kopf erst so richtig war. „Du schläfst damit ein und du wachst damit auf“, erzählt er. Zum Tinnitus gesellt ein massiver Hörverlust vor allem auf dem linken Ohr. „Ich habe nur noch zwei Prozent Hörleistung gehabt.“ Der Hörapparat kann nichts mehr ausrichten. Und da er auch rechtsseitig nicht mehr gut hört, „wurde für mich ja schon jedes normale Gespräch zur Belastung“.

Im Juli entschließt er sich zu einer OP. Prof. Dr. Heinrich Iro, der Chef der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung an der Uni-Klinik Erlangen, nimmt den Eingriff erfolgreich vor. „Ich kann Prof. Iro und seinem Team nur danken, ich bin ein neuer Mensch!“ 90 Prozent hört Beckstein schon jetzt wieder, die Ärzte rechnen noch mit 100. Und auch das Surren im Kopf ist viel weniger geworden. „Ich muss sagen: Die Operation war nicht ohne. Aber sie hat sich gelohnt.“

Beckstein, ohnehin bekannt für seine charmante, uneitle Art, macht kein Geheimnis aus seiner Krankheit. Er geniert sich nicht für das Gerät, das er jetzt am Kopf trägt. Im Gegenteil: „Ich will mit meiner Geschichte anderen Menschen Mut machen, die ein ähnliches Leiden haben“, sagt er zur tz.

Politisch ist Beckstein aus der ersten Reihe verschwunden. „Ich bin aber als Landtagsabgeordneter mit Feuereifer dabei. Und ich engagiere mich wieder mehr in der evangelischen Kirche.“ Kommentare zur misslichen Lage der CSU oder zum Schlingerkurs seines Nachfolgers Horst Seehofer gibt es von Beckstein nicht. Schmutzige Wäsche zu waschen, war noch nie die Art des fränkischen Gentlemans. Beckstein genießt sein neues Leben: Das jenseits des politischen Haifischbeckens und das mit dem wiedererlangten Hörvermögen. „Mir geht es richtig gut!“, sagt er und strahlt mit den spitzbübischen Augen eines glücklichen 66-Jährigen.

Stefan Dorner

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