Chef der Grünen Jugend

Kritik an Polizei nach homophober Attacke beim CSD

Marcel Rohrlack wurde bei dem Angriff verletzt.

München - Die Polizei sucht weiter nach den Tätern. Aber vom Opfer der schwulenfeindlichen Attacke nach dem Christopher Street Day gibt es jetzt auch Kritik an den Beamten.

Am Tag nach dem Übergriff geht es Marcel Rohrlack schon wieder besser. „Man steht noch ein bisschen neben sich. Aber ich habe sehr viel Zuspruch von Freunden und Bekannten bekommen. Das hilft.“ Der 18-Jährige wurde am Christopher Street Day (CSD) verprügelt, weil er ein Frauenkleid trug und geschminkt war. Eine Gruppe von etwa fünf jungen Männern hatte den Chef der Grünen Jugend München und dessen 28-jährigen Freund am Samstagabend am Ostbahnhof angepöbelt. Sprüche wie „Seid ihr schwul oder was?“ seien gefallen. Dann habe ihm ein Mann aus der Gruppe einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Rohrlacks Wunde musste im Krankenhaus genäht werden. Die Täter sind bisher nicht aufgegriffen worden, die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.

Vorwurf: Polizei ließ wertvolle Zeit verstreichen

Marcel Rohrlack zuvor beim CSD.

Allerdings zeigt sich das homosexuelle Paar auch verwundert über das Verhalten der Polizei. Zunächst seien die Angegriffenen befragt, die Personalien aufgenommen und ein Alkoholtest verlangt worden. Das habe viel Zeit gekostet, erst dann hätten sich die Beamten der Verfolgung der Täter gewidmet. Polizeisprecher Wolfgang Wenger betont, dass die Münchner Polizei sich „bei derartigen Übergriffen keineswegs wegducken“ wolle. Er habe vollstes Verständnis für die Sichtweise der Opfer. „Es gehört aber auch zu unserer Routine, die Opfer zu befragen.“ Natürlich fahnde die Polizei intensiv nach den Tätern. „Die Ermittlungen laufen. Wir werden diesen Fall klären“, verspricht Wenger.

Gerade in den vergangenen Jahren habe die Polizei viel dafür getan, damit derartige Übergriffe nicht mehr vorkommen. „Ganz verhindern können wir so etwas leider nicht“, so Wenger. Er appelliert an alle, die Opfer schwulen- oder lesbenfeindlicher Attacken werden, sofort zur Polizei zu gehen oder den Notruf zu wählen. „Wir hatten beim CSD einen Stand des Vereins lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Bayern“, berichtet Wenger. Dort hätten die Beamten auch darüber informiert, wie man sich bei homophoben Angriffen verhalten sollte.

Stadt-Politiker sind entsetzt

Entsetzt über die schwulenfeindliche Attacke sind unterdessen Politiker aller Couleur. SPD-Stadtrat Christian Vorländer, der Marcel Rohrlack persönlich kennt, erklärte am Montag: „Ich war schockiert, als ich davon erfahren habe.“ Der Vorfall zeige, „dass man nicht nachlassen darf in den Bemühungen für Gleichstellung und gegen Homophobie. Es bleibt noch viel zu tun.“ CSU-Stadtrat Marian Offman hatte Rohrlack und dessen Freund während der CSD-Parade zufällig getroffen und die beiden in den Frauenkleidern gar nicht erkannt. Die beiden hätten ihn gebeten, ein Foto von ihnen zu machen, erzählt Offman. Er sei erschüttert gewesen, als er später von dem Vorfall erfahren habe. „Es war so eine fröhliche und friedliche Atmosphäre bei der Parade.“ Die Attacke zeige, „wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns bei diesem Thema bewegen“. Es gelte weiterhin, viel Aufklärungsarbeit im Hinblick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu leisten.

Stamm: Staatsregierung in der Pflicht

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm sieht dabei auch die CSU-Staatsregierung in der Pflicht. Es gebe politischen Handlungsbedarf. Stamm will eine Anfrage stellen, ob homophobe Straftaten registriert werden und wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hätten. Bayern mache zu wenig gegen Homophobie und sei in Sachen Gleichstellung „Entwicklungsland“. Auch im Lehrplan der Schulen müsse man Aufklärungsarbeit leisten. „Da muss klargestellt werden, dass es unterschiedliche Menschen gibt und dass das ganz normal ist.“ Eine persönliche Geschichte am Rande: Marcel Rohrlack und sein Freund haben sich bei einer Veranstaltung der Grünen-Parlamentarierin Claudia Stamm kennengelernt.

Klaus Vick/Stefanie Wegele

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