Royale Visite bei Demenzheim

tz-Interview mit Königin Silva: "Es war ergreifen"

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Königin Silvia von Schweden besucht die Demenz-Tagesstätte der Malteser in München.

München - Königin Silvia von Schweden hat am Freitag eine Tagesstätte für Demenzkranke in München besucht. Das Thema ist der Schwedin eine Herzensangelegenheit.

Königin Silvia von Schweden bei der Demenz-Tagesstätte der Malteser in München.

Sie steht an der Seite des schwedischen Regenten Carl XVI. Gustav, aber auch in ihrer Heimat gilt die gebürtige Heidelbergerin als eine Königin der Herzen: Silvia von Schweden, geborene Silvia Renate Sommerlath (71), ist vor allem wegen ihres großes sozialen Engagments so beliebt – und das führte sie am Freitag zu einer Tagung des Malteser Hilfsdienstes nach München. Genauer gesagt ihr unermüdlicher Einsatz für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, und für deren Angehörige. Um ihnen nachhaltig zu helfen, hat Silvia vor fast 20 Jahren eine Stiftung namens Silviahemmet ins Leben gerufen. Das Herzblut, das sie in die Arbeit mit Demenzkranken steckt, stammt praktisch aus der eigenen Familie: Silvias Mutter Alice Sommerlath hatte selbst an Demenz gelitten. Auf dem Fundament ihrer persönlichen Erfahrung baute die Königin ihr Hilfsprojekt auf. Herzstück ist ein besonderes Betreuungskonzept, das inzwischen um die Welt geht. Was Silvia bei ihrem München-Besuch sagte, wie ihre Ideen in München gelebt werden, erfahren Sie in unserem tz-Report.

Ihr Lächeln verzaubert jeden. Einfach weil es sofort zu Verstehen gibt: „Ich bin nicht unnahbar, ich gehöre zu euch.“ Ja, besonders deswegen verehren die Menschen Königin Silvia von Schweden. Als die 71-Jährige gestern in ihrem royal-roten Kostüm aus dem Wagen steigt und die Tagesstätte für Demenzkranke im Stadtteil Berg am Laim betritt, zeigt die gebürtige Heidelbergerin genau dieses Lächeln. „Es ist so schön, dass sie da ist“, sagt ein junger Helfer der Malteser begeistert. „Das gibt uns Kraft.“ Seine Worte bringen es auf den Punkt: Silvias Besuch ist für viele hier ein Zeichen der Hoffnung – im Kampf gegen das tödliche Vergessen.

Die lange Reise aus Schweden hatte die Königin extra auf sich genommen, um die Tagesstätte in der Michaeliburgstraße zu besuchen. Das Thema ist der schwedischen Königin ein Herzensanliegen: Ihre Mutter Alice Sommerlath war an Demenz erkrankt. Die letzten Monate vor ihrem Tod im Jahr 1997 hatte die alte Dame bei ihrer Tochter auf Schloss Drottningholm in der Nähe von Stockholm verbracht. Auch die Königin war eine pflegende Angehörige. Sie weiß also, wovon sie spricht, hat sogar ein eigenes Pflegemodell entwickelt (Text unten).

Silvia spricht von "besonderer Genugtuung"

„Es ist mir eine besondere Genugtuung und Freude, dass die Malteser in meiner Lieblingsstadt München eine Tagesstätte nach Silviahemmet eröffnet haben“, sind daher auch ihre ersten Begrüßungsworte. Als sie von ihrer Mama erzählt, stockt ihre Stimme kurz: „Meine Mutter sagte zu mir: ,Ich vergesse mein Leben.‘ Das hat mich tief betroffen gemacht“, so die Königin – und fügt an: „Wir Angehörige sind die Brücke zwischen zwei Welten.“

Silvias Botschaft ist klar: Keiner dürfe Demenzkranke ausgrenzen, ihnen den Rest des Lebens nehmen. „Wir müssen ihre Welt respektieren“, sagt die Königin über Patienten, die mit ihren Gedanken in der Vergangenheit kreisen. Diese Erfahrung habe sie schon vor 20 Jahren beim Besuch eines Altenheims gemacht. Damals hatte sie eine ältere Dame nicht erkannt. Auf die Frage der Kranken, was diese Fremde denn hier mache, antwortete Silvia damals: „Ich arbeite in der Nähe – im Schloss.“

Königin warnt vor Zukunft

Bei ihrem Auftritt warnte die Königin auch vor der Zukunft: „2030 werden weltweit 66 Millionen Menschen an Demenz erkrankt sein, heute sind es schon 36 Millionen.“ Darauf müsse die Gesellschaft endlich reagieren. Bayerns Pflegeministerin Melanie Huml war begeistert von Silvias Engagement: „Es ist beeindruckend, was sie in Schweden geleistet haben“, lobte sie. Natürlich ließ sich die Königin noch durch die Pflegeräume der Einrichtung führen.

Zum Mittagessen hatte sich die Königin Weißwürste gewünscht – die sie natürlich auch bekam. Und jedem am Tisch war wieder klar: „Ja, sie ist eine von uns.“

Andreas Beez, Armin Geier

tz-Interview mit Königin Silvia

Mit ihrer warmherzigen, natürlichen Art hat sie die Herzen der dementen Menschen und ihrer Betreuer erobert – und umgekehrt zeigte sich auch Silvia nach ihrem Besuch in der Tagesstätte in Berg am Laim tief bewegt. Im tz-Gespräch erzählt die Königin von ihren Erlebnissen und adelt die Mitarbeiter der Malteser für ihre tolle Arbeit.

Majestät, welche Eindrücke nehmen Sie von Ihrem Besuch in der Tagesstätte mit nach Hause?

Königin Silvia von Schweden: Es war ein ergreifender Tag, wertvoll für uns alle. Wir haben gemeinsam gesungen und gelacht, uns unterhalten. Ich habe gespürt, wie harmonisch die Atmosphäre in der Tagesstätte ist. Dieses harmonische Miteinander ist ganz wichtig für demente Menschen.

Nächstes Jahr wollen die Malteser in Ihrer Lieblingsstadt München eine weitere Tagesstätte nach Silviahemmet eröffnen. Was bedeutet Ihnen das?

Königin Silvia: Ich freue mich riesig darüber und möchte mich dafür bei den Maltesern sehr herzlich bedanken. Sie leisten Großartiges, um unsere gemeinsame Philosophie in Deutschland umzusetzen. Wie wunderbar ihnen dies gelingt, habe ich heute auch bei meinem Besuch hier in München wieder erfahren. Ich weiß, dass dieser Erfolg mit viel persönlichem Einsatz und Arbeit verbunden ist. Schließlich sind viele Mitarbeiter ja auch extra zu uns nach Schweden gereist, um sich nach Silviahemmet ausbilden zu lassen.

Ausbildung und Aufklärung messen Sie große Bedeutung bei.

Königin Silvia: Ja, unbedingt! Man muss die Erkrankung und ihre Symptome erkennen können. Darüber hinaus ist es sehr wichtig zu erfahren, wie man dementen Menschen konkret helfen kann – egal ob als Betreuer oder als Angeöriger. Dieses Wissen wollen wir vermitteln.

Interview: Andreas Beez

Andreas Beez

Andreas Beez

E-Mail:Andreas.Beez@tz.de

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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