Münchner (72) zieht traurige Bilanz

Rentner klagt: "Ich kann mir kein Auto mehr leisten"

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Karlheinz Stammersdorfer (72) hat seinen Peugeot verkaufen müssen und ist auf Rad und MVV umgestiegen. Sein Sohn hilft ihm bei größeren Erledigungen.

München - 1300 Euro Rente bekommt Karlheinz Stammersdorfer im Monat - doch es bleibt kaum etwas übrig. Selbst sein Auto musste er verkaufen. So geht es dem 72-Jährigen.

Die bittere Wahrheit über unsere Rente – so hieß neulich eine große Reportage in der tz, in der wir auch mehrere Betroffene besuchten. Alle diese Senioren müssen jeden Cent zweimal umdrehen und können sich das Leben in der Landeshauptstadt teilweise schon gar nicht mehr leisten. Nach der Veröffentlichung erreichten uns etliche Zuschriften. Eine davon kam von Karlheinz Stammersdorfer (72) – der Münchner musste vor zwei Jahren sein Auto verkaufen, um in unserer Stadt überleben zu können. Hier unser Bericht:

Die witzigen Sprüche, dass Rentner doch gar keinen Urlaub brauchen, weil sie eh die ganze Zeit freihaben, kann Karlheinz Stammersdorfer nicht mehr hören. Der 72-Jährige ist vor fünf Jahren zum letzten Mal weggefahren: „Da waren wir ein paar Tage im Zillertal“, sagt er. Seither bleibt er zu Hause in Berg am Laim.

Und rechnet vor: 1300 Euro Rente bekommt er im Monat, davon muss er an fixen Kosten 580 Euro Miete bezahlen, dazu Telefon, Elektrizität und Versicherungen. „Und ich versuche, jeden Monat 50 Euro für Notfälle abzuzweigen.“ Die Waschmaschine oder der Fernseher könnten ja kaputtgehen.

Vor ein paar Jahren war der Ofen defekt, und Stammersdorfer war froh, dass er etwas gespart hatte. Allerdings: „Für Urlaub ist gar nichts drin.“

Um seine regelmäßigen monatlichen Ausgaben zu reduzieren, hat der Rentner vor zwei Jahren sein Auto verkauft. Der Peugeot 307 war etwa acht Jahre alt. „Es sind ja nicht nur Steuer und Versicherung, die man zahlen muss“, zählt er im Gespräch mit der tz auf. „Es können ja auch Reparaturen kommen.“ Je älter der Wagen ist, desto größer werde das finanzielle Risiko, so die Rechnung von Karlheinz Stammersdorfer.

Für Fahrten in der Stadt benutzt er nun die öffentlichen Verkehrsmittel oder – sofern das Wetter es zulässt – sein Fahrrad. „Da ist man in München schon sehr beweglich.“ Für größere Einkäufe oder Transporte ist er auf seinen Sohn Michael angewiesen. Der wohnt in der Nähe und hilft aus. Der Vater revanchiert sich, indem er dem Filius in dessen Garten zur Hand geht.

Für teure Hobbys hat der Senior kein Geld. Auf die Wiesn sei er früher gern mal gegangen, „jetzt ist es zu teuer“. Bei der tz habe er mal Hendl- und Biergutscheine gewonnen, „das habe ich ausgenützt“. Aber man kann nicht bei jeder Wiesn-Verlosung Glück haben.

„Ich will mich nicht beschweren“, betont der 72-Jährige immer wieder. Aber nachdem er seit seinem 14. Lebensjahr gearbeitet hat – zuletzt als kaufmännischer Angestellter – und seit rund zehn Jahren in Rente ist, zieht er ein bitteres Fazit: „Große Sprünge kann ich nicht machen. Aber es wäre schön, wenn ein paar Cent mehr übrig bleiben würden.“ Zum Beispiel für einen Urlaub.

Volker Pfau

Volker Pfau

E-Mail:volker.pfau@tz.de

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