Branntwein-Gebäude in Berg am Laim

Stillgelegte Schnaps-Destille: Das sind die Pläne

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Alkohol wird hier seit Februar nicht mehr gebrannt. Doch Nutzungsideen für das Gelände der früheren Brennerei in Berg am Laim hat der Bezirksausschuss zuhauf.

München - Das Ende der Branntwein-Herstellung in Berg am Laim ist eingeläutet. Doch was passiert mit dem Gelände in der Neumarkter Straße? Die Stadt führt erste Gespräche.

Die ehemalige Filiale der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) ist derzeit stillgelegt. Zuletzt hatte dort die Deutsche Agraralkohol AG (AgrAlko) hochprozentigen Qualitätsalkohol für Produkte der Spirituosen-, Kosmetik- und Pharmabranche vertrieben. Das Unternehmen hatte die Produktionsstätte in Berg am Laim von der BfB gepachtet, nachdem der Bund ab 2014 keine Beihilfen mehr für die Produktion von Rohalkohol aus Getreide und Kartoffeln zahlen durfte. 

Zuvor hatte die EU das staatliche Branntweinmonopol gekippt. Die AgrAlko setzte auf eine gedeihliche Zukunft – auch ohne Geld vom Staat. Gesellschafter waren 47 Brennerei-Landwirte, die bislang eine landwirtschaftliche Kartoffel- oder Getreidebrennerei betrieben hatten oder Mitglied in einer landwirtschaftlichen Gemeinschaftsbrennerei waren. Doch ihr Plan scheiterte. Der Einstieg in den freien Markt erwies sich als schwieriger als erwartet. Im Februar musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Gelände gehört dem Bund

Da das Gelände dem Bund gehört, sucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nun nach möglichen Nachfolgenutzungen. Man führe derzeit Gespräche mit der Stadt München, um deren Interesse „an einem Erwerb der Liegenschaft zu erkunden“, erklärt Pressesprecher Guido Déus. Das Kommunalreferat bestätigt dies. Die Destillerie an der Neumarkter Straße stehe auf einer Liste von Liegenschaften in München, deren Verkauf der Bund signalisiert habe, so Sprecher Bernd Plank. Bevor die Stadt über einen Erwerb verhandle, müsse aber erst geklärt werden, welche Nutzungen hier möglich seien, für welche städtischen Zwecke das Areal in Frage kommen könnte. „Wir sind hier noch in einem sehr frühen Stadium.“

Beim örtlichen Bezirksausschuss hätte man da schon Ideen. Sie reichen von Grünflächen mit Sport und Spiel, besonders für Kinder und Jugendliche, über Kinderbetreuungseinrichtungen hin zu Berufsschulen, Kunstateliers oder besonderen Wohnformen für Senioren, Studenten und Azubis oder Genossenschaftswohnen. „Die Umgebung weist in verschiedenen Bereichen große Defizite aus“, sagt BA-Chef Robert Kulzer (SPD). Wenn die Stadt die von ihr selbst festgestellten Mängel in diesem Quartier ernsthaft beheben wolle, biete sich hier die Gelegenheit dazu. Da es sich um eine der letzten Flächen in dem Umgriff handle, die noch in öffentlichem Eigentum sind, bestehe dringender Handlungsbedarf.

Stadtteilgremium will einige Gebäude erhalten

Das Berg-am-Laimer Stadtteilgremium plädiert außerdem dafür, eventuell einen Teil der früheren Betriebs- und Verwaltungsgebäude auf dem Gelände zu erhalten. Ganz wichtig ist dem BA ein Fuß- und Radweg zwischen dem S-Bahnhof Berg am Laim und dem Ostbahnhof mit künftiger barrierefreier Anbindung an den S-Bahnhof Leuchtenbergring. Unbedingt soll dafür die auf dem Gelände vorhandene Brücke über den Mittleren Ring gesichert werden.

„Eine privatwirtschaftliche Entwicklung der Fläche ist keine Alternative“, so Kulzer. Bisher bereits bekannt gewordene Überlegungen zielten auf eine starke Verdichtung mit Büro- und Gewerbenutzung ab. „Wohnnutzung scheint aufgrund der Nähe zum Mittleren Ring und zur Bahn nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.“ Aus örtlicher Sicht scheidet solch eine Verdichtung aber schon wegen der fehlenden Verkehrserschließung aus. Das Destillerie-Gelände liegt am Ende einer Sackgasse, die einzige Verbindung zum Hauptstraßennetz führt durch eine Wohnstraße und endet am schon heute chronisch überlasteten Knotenpunkt Berg-am-Laim-Straße/Leuchtenbergring.

Carmen Ick-Dietl

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