Horror-Erlebnis für den Taxler

Todesangst im Taxi: Fahrgast raubt Chauffeur aus

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Vor Gericht hat Sebastian H. (29, l.) den Raubüberfall auf Lazaros I. (62, r.) gestanden.

München - Er hat dann einfach Schluss gemacht. Die Angst, der Stress – und die ständigen Knieschmerzen. Taxler: Das wollte Lazaros I. (62) nicht mehr sein. Nicht nach diesem gefährlichen Überfall.

Dienstag musste sich der 62-Jährige aber noch einmal seinem Horror-Erlebnis vom 23. September 2015 stellen. Den Tag, als ihm ein Fremder plötzlich ein spitzes Metallstück ins Gesicht hielt, weil er den Fahrpreis nicht zahlen konnte. „Ich stand unter Schock und hatte Todesangst“, sagt Lazaros I. „Wie gefährlich dieser Angriff war, wurde mir erst später richtig bewusst.“

An der Pforte des Bezirkskrankenhauses in Taufkirchen an der Vils hatte der Taxler Sebastian H. (29) abgeholt. 60 Kilometer weit fuhr er ihn nach Berg am Laim in die Altöttinger Straße. „Dort ließ ich ihn raus und verlangte 87 Euro für die Fahrt“, sagt Lazaros I. Geld hatte Sebastian H. aber gar nicht dabei. Er gab vor, dass seine Frau gleich komme, um zu bezahlen. Doch als der Taxler auf sein Handy blickte, riss der Passagier es ihm aus der Hand – und zückte plötzlich ein Metallstück, mit dem er Lazaros I. bedrohte. „Geld her“, schrie der Räuber. Aber der Taxler hatte nur 25 Euro dabei. „Gott sei Dank habe ich genau richtig reagiert“, sagt Larazos I. Dienstag vor dem Landgericht. „Ich dachte, er hat ein Messer und wich ein Stück zur Seite, dann gab ich ihm meinen Geldbeutel. Er rannte damit sofort weg. Zum Glück hat er nicht zugestochen.“

Der Chauffeur kommt mit dem Schrecken davon. „Ich bin in fünf Jahren, die ich Taxi fuhr, nie überfallen worden. Es war furchtbar“, sagt er. „Ich stieg danach wieder ein und fuhr ein Stück. Weil die Angst mich übermannte, musste ich aber wieder anhalten.“

Sebastian H., der von Rechtsanwalt Adam Ahmed verteidigt wird, entschuldigte sich vor Gericht. „Ich habe es gemacht, weil ich unbedingt Geld gebraucht habe, um Drogen zu kaufen“, sagt er. Aus der Klinik habe er fliehen wollen, weil er glaubte, von der Polizei verfolgt zu werden.

Nach dem Überfall zog Lazaros I. Konsequenzen: Den Schlüssel für sein Taxi hängte er an den Haken. „Ich kümmere mich jetzt lieber um meine drei Enkelkinder“, sagt er und lächelt. Rentner sein: Das will er jetzt genießen. Sebastian H. droht dagegen eine Haftstrafe. Am Landgericht soll Mittwoch das Urteil gegen ihn fallen.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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