Gerücht aus sozialen Netzwerken

Warnung vor Burundanga-Droge: Das sagt die Münchner Polizei

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Hoax: Visitenkarten von Gebrauchtwagenaufkäufern sollen vergiftet sein.

München - In sozialen Netzwerken taucht derzeit eine Warnmeldung verstärkt auf: Darin wird vor Visitenkarten, die mit dem Gift Burundanga getränkt wurden, gewarnt. Was ist wirklich dran?

Vor allem an Tankstellen funktioniere der Trick mit der drogengetränkten Visitenkarte besonders gut, heißt es in dem Internet-Gerücht: Ein Unbekannter spricht sein Opfer unter einem Vorwand an, übergibt seine Visitenkarte, wenig später dringt die Droge aus der Visitenkarte in die Haut des Empfängers ein, das Opfer verliert die Besinnung. So weit die Warnmeldung in sozialen Netzwerken (siehe Bild). 

Diese verbreitet sich derzeit so stark, dass auch der "Express" aus Köln die Meldung aufgriff. Doch das Ergebnis dort ist das gleiche wie bei uns: Unsinn. Sowohl die Kölner Polizei, wie der Express vermeldet, als auch die Münchner Polizei halten das ganze für einen sogenannten "Hoax", ein modernes Märchen, das sich heute via Facebook oder Twitter schnellster Verbreitung erfreut. Gottfried Schlicht, Pressesprecher der Münchner Polizei, gibt daher nichts auf solche Gerüchte: "Da ist nichts dran."

Doch wie das mit Gerüchten so ist, sie sind einfach nicht totzukriegen. So soll das Gift Scopolamin (Burundanga wird das Gift in Südamerika genannt), auch über kostenlos verteilte Damenhandschuhe auf Einkaufscenter-Parkplätzen an bzw. in seine Opfer gelangen. In diese seien feine Nadeln eingesteckt, die die Trägerin dann mit dem Gift infiziere.

Selbst in Visitenkarten von Gebrauchtwagenaufkäufern, die gern hinter dem Scheibenwischer oder dem Fenstergummi von Autos klemmen, soll der giftige Stoff stecken. Auf diese Falschmeldung wies die Seite Hoax-Info bereits 2013 hin. Gestorben sind solch üble Gerüchte freilich deswegen noch lange nicht.

Wovor die Münchner Polizei wirklich warnt

Eine Wahrheit gibt es aber doch. Auszug aus Wikipedia: "Scopolamin auch Hyoscin, ist ein Tropan-Alkaloid, das in Nachtschattengewächsen, wie Stechapfel, Bilsenkraut, Alraune sowie insbesondere den Engelstrompeten (Brugmansia), vorkommt und künstlich hergestellt werden kann. Vor einer missbräuchlichen Einnahme als Rauschdroge ist zu warnen. Da der Gehalt in einzelnen Pflanzen stark variieren kann und auf Grund der relativ geringen therapeutischen Breite können sich schwere Nebenwirkungen einstellen." Giftig ist das Zeug also tatsächlich. Die modernen Märchen dazu hingegen sind einfach nur ätzend.

Polizeisprecher Gottfried Schlicht warnt aber trotzdem, jedoch in einem anderen Zusammenhang: "Grundsätzlich empfehlen wir aus Sicherheitsgründen in einer Gaststätte kein neues Getränk zu bestellen, bevor man auf Toilette geht." Die Wahrscheinlichkeit sei zwar gering, aber während der Abwesenheit könne jemand K.o.-Tropfen in das Getränk gießen. Schlicht schränkt jedoch ein: "Diese Fälle sind äußerst selten und außerdem schwer nachzuweisen. Viel größere Probleme haben wir mit übermäßigem Alkoholgenuss." So rät er vor allem jungen Frauen, weniger zu trinken und stets mit der Gruppe wieder nach Hause zu gehen, mit der sie gekommen sind. 

Andrew Weber

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