Schindluder mit der Altkleidersammlung

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Diese Spendenzettel kursieren derzeit in der Stadt.

München - Ein Flugblatt flattert derzeit in Münchner Haushalte: Ein Münchner Firma sammelt angeblich für Hilfsprojekte. Diese wissen allerdings gar nichts davon.

Die Firma „H.S.R“ mit Sitz in Solln bittet um Altkleider und Wäsche, Schuhe, Fahrräder und Reifen – die aber bitte nicht älter als fünf Jahre. Das Gut würde abgeholt, „wieder verwendet“ und „vermarktet“, am Montag war ein Termin im Westend. Und dann heißt es weiter auf dem Zettel: „Wir werden mit einem Teil des Sammel-Erlöses soziale Einrichtungen im Großraum München, die mit Kindern arbeiten, unterstützen. Wie z. B. …“

In der nächsten Zeile folgen in einer größeren und roten Schrift tatsächlich zwei renommierte Wohlfahrtsvereine – darunter das „Clean Projekt Neuhausen“. Die zweite Kinderhilfsorganisation möchte nicht im Zusammenhang mit Altkleidern genannt werden. Denn: Beide Vereine wussten bis Montag nichts von ihrem Glück – und wollen auch gar nicht, dass mit ihrem guten Namen für so eine Sammlung geworben wird. Sie untersagen es sogar ausdrücklich. Die Werke haben nichts damit zu tun. Für „ganz schön frech“ hält Anne Weiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied von „Clean Projekt Neuhausen“, die Werbung. Weder sei bis Montag eine Spende eingegangen, noch sei überhaupt der Name der Altkleiderfirma bekannt.

Nicht, dass der Verein nicht auf Spenden angewiesen wäre: Das „Clean Projekt Neuhausen“ spendiert täglich 40 Schülern aus armen Familien ein warmes Mittagessen, das vollständig aus Spenden finanziert wird. Weiteren rund 40 Schülern bietet die seit 1993 bestehende Organisation nachmittags Lernhilfe und abends Sportprogramm. Nur: Wer wirklich helfen wolle, sagt die Chefin, möge sich beim Basar am 6./7. November im Sitz des Vereins in der Andréstraße 5 großzügig zeigen. Von der Altkleidersammlung erwarte man sich nichts.

Die Firma „H.S.R“ weist das zurück: Man wolle schon spenden, vielleicht 1000 Euro, sagt eine Mitarbeiterin unter der angegebenen Telefonnummer. Sie sei 72 Jahre alt, erst seit 2009 im Geschäft und habe noch nicht so viel Kleider sammeln können. Allerdings werfe der Betrieb nichts ab, sagt sie im gleichen Atemzug, sie müsse jeden Monat drauflegen. Am späten Nachmittag meldet sich die Frau erneut bei der tz: Sie wolle heute dem Kinderhilfsverein einen Scheck bringen – wie hoch der ausfällt konnte sie aber noch nicht sagen.

David Costanzo

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