So will die Polizei künftig durchgreifen

City-Verbot für Bettlerbanden

Bettler
+
Die Bettel-Brennpunkte in München.

München - Bettel-Banden in München werden immer mehr zum Problem. Die tz zeigt die Brennpunkte und erklärt das neue Konzept der Polizei. Außerdem: Aktuelle Fälle und eine Warnung.

Immer mehr Münchner ärgern sich über Bettel-Banden: Die Polizei rückte darum heuer schon mehr als 2000 Mal aus! Fast immer sei der Brennpunkt in der Altstadt oder rund um den Hauptbahnhof gewesen, berichtet Polizei-Vizepräsident Robert Kopp (siehe Karte). Darum verkündet KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle jetzt den Sperrbezirk gegen die organisierten Gruppen – auch zum Schutz der Menschen, die wirklich nur für sich betteln.

Wo früher 20 Menschen die Hand aufhielten, seien heute 100 Leute unterwegs. „Nicht alle, aber viele dieser Bettler sind bandenmäßig organisiert“, stellen die Behörden fest. Derzeit würden sie vor allem aus Rumänien und der Slowakei hergekarrt, die Kosten müssten sie abarbeiten. Die Hintermänner kassierten mehrmals täglich den Erlös ab.

Bettelbanden-Verbot! "Bin mir nicht sicher, ob wir damit Erfolg haben"

Mit der immer größeren Konkurrenz verschärfe sich das Betteln: Sie träten mit Kindern auf, manchmal winselten die Kleinen selbst um Almosen. Manche hätten Welpen dabei. Behinderungen würden auch vorgetäuscht. Gehwege würden verstellt – Anpöbeln und Festhalten gelegentlich inklusive.

KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle (li.) und Polizei-Vize Robert Kopp.

Dieses Auftreten wollen KVR und Polizei mit einer neuen Allgemeinverfügung unterbinden: Innerhalb des Altstadtrings und im Bahnhofsviertel zwischen Nußbaum- und Arnulfstraße gilt ab kommender Woche Bettelbanden-Verbot! Blume-Beyerle gibt zu, dass dies eine schwierige Angelegenheit ist: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir damit Erfolg haben.“

Künftig müssen Bettler die Altstadt ganz verlassen

Die Ahndung: Wie bisher könne die Polizei Bettler kontrollieren, (ohnehin oft erfolglose) Bußgelder verhängen und Platzverweise erteilen – künftig dürften Betroffene aber nicht mehr einfach nur ein paar Meter weiter ziehen, sondern müssten die Altstadt ganz verlassen. Notorische Bettler könnte das Verwaltungsgericht auch für bis zu vier Wochen in „Ersatzzwanghaft“ in den Knast stecken.

Das „Netzwerk gegen Bettelverbote“ kritisiert, dass Menschen immer nur aus Verzweiflung bettelten und so diffamiert würden – ein „Armutszeugnis für die Stadtpolitik“.

"Das Ganze dient auch dem Schutz der echten Bettler"

Der Wirtschaftsverband CityPartner und die SPD loben den Schritt. „Das Ganze dient auch dem Schutz der echten Bettler“, sagt Rathaus-Vize Beatrix Zurek. „Diese haben nämlich den Unmut der Bevölkerung zu spüren bekommen.“ Denn das normale Betteln bleibt – anders als in vielen anderen Städten – in München erlaubt.

David Costanzo

Die Polizei schlägt Alarm:

Eine Bettlerin vor einer Kirche im Tal.

Das sind die Bettelbanden-Brennpunkte: Die Karte zeigt die Orte der Polizei-Kontrollen zwischen Juni 2013 und Mai 2014. Insgesamt 3132 Mal prüften die Beamten teils auf eigene Initiative während der Streife bettelnde Menschen. Die meisten innerhalb des Altstadtrings – 2393. Um den Hauptbahnhof waren es 335 Kontrollen, die übrigen im restlichen Stadtgebiet. Auch die Zahl der Polizei-Einsätze steigt dramatisch: Meist würden Bürger, Geschäftsleute und Touristen veranlassen, dass Beamte ausrücken, berichtet Polizei-Vize Robert Kopp. 2012 waren es von Januar bis Juli noch 1181 Einsätze. Im Jahr 2013 in der gleichen Zeit schon 1696. Heuer verzeichnete die Polizei bis Juli schon 2059 Einsätze im Zusammenhang mit den jeweils rund 100 (wechselnden) Bettlern.

MVG & Bahn warnen vor Musikanten

Jetzt schließen sich auch MVG und Bahn gegen Bettelmusikanten zusammen: Die sind nämlich immer häufiger in U- und S-Bahn anzutreffen – immer mehr Passagiere beschwerten sich über die fahrenden Quetschn-Spieler. Die beiden Verkehrsunternehmen fordern darum: Kein Geld für die Bettelmusikanten!

Passagiere beschweren sich immer häufiger über Bettelmusikanten in den Bahnen.

Um Almosen bitten und Musizieren sei in den Bahnen seit jeher untersagt. Tun Passagiere dies trotzdem, werden sie rausgeworfen, danach drohen Hausverbot und Anzeige. Wer sich durch Bettelmusikanten gestört fühle, soll das Personal ansprechen oder die Notfallsäule nutzen. Noch wichtiger sei, den organisierten Bettlern die Geschäftsgrundlage zu entziehen und schlicht nichts zu geben. Darüber informieren MVG und Bahn nun im Fahrgast-TV, auf Infoscreens und Handzetteln. Ein Sicherheitsproblem stellten die Musiker aber nicht dar: Sie würden nicht handgreiflich und verschwänden schnell wieder.

dac

… und noch drei Einsätze mit Bettlern

Wie furchtbar die armen Bettler auf der Straße selbst noch von Hintermännern und Bettel-Bossen ausgebeutet werden können, verdeutlichen Verdachtsfälle, von denen Polizei-Vizepräsident Robert Kopp am Mittwoch berichtete:

***

Erst diesen Dienstag gegen 23 Uhr habe sich ein Mann am Notruf gemeldet, der angab, seit drei Jahren zum Betteln gezwungen zu werden. Jetzt habe er sich von seinem Erlös ein Paar Schuhe (!) gekauft, darum habe er seinem Boss kein Bettel-Verdienst blechen können. Daraufhin habe der ihn brutal vermöbelt, es soll auch ein Messer im Spiel gewesen sein! Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter – ebenfalls ein Rumäne – gegen Mitternacht aus einer Gruppe von Landsleuten heraus festgenommen. Für die Polizei ist das ein wichtiger Ermittlungsansatz, da Bettler sonst zu ihren Hintermännern schwiegen – aus Angst und Not.

***

Die Polizei beobachtete vergangenen Herbst, wie rund 20 Menschen in mehreren Autos übernachtet hätten, morgens öffentliche Bedürfnisanstalten aufsuchten – und danach auf das Stadtgebiet verteilt worden seien. In den Autos hätten sich vorgefertigte „Habe Hunger“-Schilder gefunden und acht Bettelhunde.

***

Eine rumänische Bettlerin mit Kind habe nach einem erfolglosen Versuch einem Passanten mit der Krücke hinterhergeschlagen, aber nicht getroffen.

David Costanzo

auch interessant

Meistgelesen

Nach Überfall am Sendlinger Tor: Opfer fordert 200.000 Euro
Nach Überfall am Sendlinger Tor: Opfer fordert 200.000 Euro
Münchner Islamzentrum: Projekt gescheitert
Münchner Islamzentrum: Projekt gescheitert
Drei Gründe, warum Wohnen in München teuer bleiben wird
Drei Gründe, warum Wohnen in München teuer bleiben wird
Prozess: Stalker verfolgt Frau (47) seit 30 Jahren
Prozess: Stalker verfolgt Frau (47) seit 30 Jahren

Kommentare