Bevölkerungsprognose 2030

München 2030: Stadt der Singles und Großfamilien

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Bauen in die Höhe, so wie hier an der Theresienwiese, wird ein Rezept sein, um bis 2030 genug Wohnraum für die rund 200.000 neuen Bewohner zu schaffen.

München - Wie sieht Münchens Bevölkerung im Jahr 2030 aus? Die Stadt hat jetzt eine Prognose vorgestellt. Demnach wird die Zahl der Single-Haushalte überproportional ansteigen. Aber nicht nur die.

München gilt als Single-Hauptstadt. In mehr als der Hälfte der Wohnungen lebt nur eine Person. Und dieser Trend zum Alleinsein wird sich weiter verstärken – dies nicht nur in der Altersklasse der 20- bis 29-Jährigen, sondern auch bei Personen ab 50 Jahre. Dies ist auf die insgesamt zunehmende Individualisierung und die gesunkene Heiratsneigung zurückzuführen. Zudem liegt der Anteil der Geschiedenen bei den über 50-Jährigen heute höher als noch Ende der 90er Jahre.

Die neue Haushaltsvorausberechnung für die Landeshauptstadt München geht bis zum Jahr 2030 von einem Zuwachs der Haushalte um 115.000 auf dann rund 950.000 aus. Fast zwei Drittel der zusätzlichen Haushalte werden voraussichtlich von Einzelpersonen bewohnt sein – eine Steigerung um etwa 73.000 Haushalte. Im Jahr 2030 werden 530.000 Wohnungen von Einzelpersonen belegt sein.

Vor allem die starke Zuwanderung nach München, eine junge Bevölkerungsstruktur und jährliche Geburtenüberschüsse wirken sich auf die Zusammensetzung der Privathaushalte im Stadtgebiet aus. Gemäß Prognose wird sich München nicht nur auf eine höhere Zahl an Einpersonenhaushalten einstellen, sondern auch für mehr größere Wohnungen sorgen müssen. Denn die Zahl der Familien mit vielen Kindern wird wachsen. Prozentual betrachtet ist für Haushalte mit fünf und mehr Personen die höchste Zuwachsrate mit 19,9% bis 2030 zu erwarten. Anstiege in der jüngeren Vergangenheit sind dabei vor allem in Zusammenhang mit der Zuwanderung aus dem Ausland zu sehen, da die Geburtenrate von ausländischen Frauen in München etwas höher liegt als bei deutschen Frauen.

Den Trend zu kleineren Haushalten gibt es nicht nur in München, sondern in ganz Deutschland. Die Ursachen dafür sind vielfältig und hängen mit gesellschaftlichen und demografischen Entwicklungen zusammen, einem veränderten Heiratsverhalten etwa oder einer späteren Familiengründung. Dass in München überdies eine Zunahme der größeren Haushalte mit mindestens vier Personen zu erwarten ist, ist vor allem auf das anhaltende Bevölkerungswachstum und die relativ junge Bevölkerung zurückzuführen. Das Planungsreferat rechnet zudem mit einer starken Zuwanderung kinderreicher Familien aus dem Ausland.

Bei kleineren Haushalten mit einer oder zwei Personen ist insbesondere die Entwicklung der Zahl der Hochbetagten beachtenswert: In der Altersgruppe der ab 80-Jährigen ist sowohl für die Einpersonenhaushalte als auch für die Zweipersonenhaushalte jeweils ein Zuwachs um rund 12 000 Menschen bis 2030 zu erwarten. Auch deren besondere Ansprüche an den Wohnraum werden zukünftig im Wohnungsbau verstärkt zu berücksichtigen sein.

Die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen, dürfte die zentrale Herausforderung für die Münchner Stadtpolitik sein. Jährlich 8500 neue Wohnungen, so lautet der ehrgeizige Beschluss des Stadtrats. Ob dieses Ziel zu erreichen ist, steht allerdings in den Sternen, denn mit der Zahl der Neubauten nimmt die Zahl der verfügbaren Flächen ab.

Ulrich Lobinger

Ulrich Lobinger

E-Mail:ulrich.lobinger@merkur.de

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