Bezahlter Sex im Hotel: Polizei jagt Liebesdamen

Manche Prostituierte bieten in einem Hotelzimmer ihre Dienste an. In München ist das in vielen Fällen illegal, weil die meisten Hotels innerhalb des Sperrbezirks liegen. Die Polizei geht jetzt verstärkt gegen Verstöße gegen die „Rechtsverordnung zum Schutze des öffentlichen Anstands“ vor.
+
Manche Prostituierte bieten in einem Hotelzimmer ihre Dienste an. In München ist das in vielen Fällen illegal, weil die meisten Hotels innerhalb des Sperrbezirks liegen. Die Polizei geht jetzt verstärkt gegen Verstöße gegen die „Rechtsverordnung zum Schutze des öffentlichen Anstands“ vor.

Immer mehr Prostituierte arbeiten in den Sperrbezirken Münchens.

Sie heißen Elena, Natascha, Svetlana oder Tara. Sie sind blutjung, viele von ihnen kommen aus Osteuropa – und arbeiten als Prostituierte, nach Deutschland gelockt mit falschen Versprechungen. Sie stehen im Internet oder sitzen an Hotelbars. Hotelangestellte haben ihre Handynummern, die sie diskret an Gäste weitergeben. Es ist ein geheimes Geschäft, das in Münchner Hotels abläuft – und ein illegales. Bezahlter Sex ist nur außerhalb des Sperrbezirks erlaubt. Die Münchner Polizei greift jetzt durch: 22 Damen wurden schon überführt, rund 800 überprüft – gegen Begleitagenturen und Massagesalons wird wegen des Verdachts des Menschenhandels ermittelt.

Hintergrund der Sex-Razzien: Die illegale Prostitution im Sperrbezirk hat in den letzten Monaten wieder stark zugenommen. Gerade zu Messezeiten floriert das Geschäft mit dem bezahlten Sex auf dem Hotelzimmer. Die Damen werden meist von Begleitagenturen vermittelt, die hundertfach im Internet zu finden sind – oder sie warten in den besseren Hotels an der Bar auf Geschäftsmänner, die ein diskretes Schäferstündchen suchen.

Einige der gut 800 überprüften Prostituierten waren jünger als 21 Jahre. Sie wurden von Begleitagenturen und Betreibern von Massagesalons mit falschen Versprechen von Osteuropa nach Deutschland gelockt. „Gegen sie wird wegen des Verdachts des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution ermittelt“, sagt Polizeisprecherin Sabine Allertseder.

Die Rathaus-Grünen haben wegen der massiven Überprüfungen jetzt eine Anfrage an Oberbürgermeister Christian Ude gestellt. „Wir wissen von Frauen, die erkennungsdienstlich behandelt worden sind und deren Handys beschlagnahmt wurden“, sagt Lydia Dietrich, Stadträtin von Bündnis90/Die Grünen. Die Anfrage kam zustande, nachdem sich eine Prostituierte an die Grünen-Stadträtin gewandt hatte. „Diese Frau arbeitet seit 25 Jahren in diesem Geschäft. Ihr Handy wurde sichergestellt.“ Lydia Dietrich will deshalb wissen, auf welcher Rechtsgrundlage das geschehen ist.

Die Münchner Beratungsstelle Mimikry fordert schon lange, Prostitution im Sperrbezirk zu erlauben: „Gerade in Hotels sollte es legalisiert werden“, sagt Leiterin Carmen Jörg. „Natürlich ist es richtig, wenn die Polizei gegen Agenturen vorgeht, die im Verdacht des Menschenhandels stehen.“

In München arbeiten derzeit etwa 2500 legale Prostituierte. Zum Oktoberfest dürfte die Zahl nur leicht steigen – das Geschäft mit dem Sex läuft längst nicht mehr wie früher.

Jacob Mell

In München gibt’s 27 Sperrbezirke

Es gibt einen Stadtplan von München, der ist in erster Linie rot. All die roten Flächen bedeuten Rotlicht-Verbot, also Verbot von käuflichem Sex! Damen, die innerhalb dieser Sperrbezirke bei der Ausübung der Prostitution erwischt werden, kommen mit dem Gesetz in Konflikt. Und das wird teuer. Wiederholungstäterinnen droht sogar das Gefängnis!

Die Rechtsverordnung der Regierung von Oberbayern über das Verbot der Prostitution zum Schutze des öffentlichen Anstandes und der Jugend in München legt in München 27 Sperrbezirke fest. Zusammen genommen umfassen diese alle Wohngebiete. Verboten ist die Prostitution ohnehin in Parks und auf Bahnflächen. Bleiben also nur ein paar Gewerbegebiete sowie so lauschige Orte wie „die Stichstraße mit Wendeschleife (Zufahrt zu Mülldeponie)“, wie in Paragraph 2 der Verordnung nachzulesen ist.

Die meisten Hotels befinden sich im Sperrbezirk. Damit sind in diesen Hotels weder die Anbahnung noch das schnelle Geschäft mit dem Sex erlaubt. Vorsicht: Scheinfreier der Polizei werfen immer ein strenges Auge auf verdächtige Frauen!

Prostituierte, die zum ersten Mal im Sperrbezirk erwischt werden, kriegen von der Stadt ein Bußgeld aufgebrummt. Üblicher Satz: 300 Euro!

Beim zweiten Mal wird die Staatsanwaltschaft aktiv, denn nun gehen die Behörden davon aus, dass die Frauen „beharrlich“ handeln. Paragraf 184d Strafgesetzbuch sieht einen Strafrahmen von Geldstrafen bis zu sechs Monaten Gefängnis (für Wiederholungstäterinnen) vor. Staatsanwalt Manfred Kastlmeier zur tz: „Bei ganz Hartnäckigen gibt es schon mal Vollzugsstrafen.“ Vollzug heißt: Rein in den Knast!

E. Unfried

Quelle: tz

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Kommentare