Überfall auf Juwelier am Viktualienmarkt

Spektakuläres Video: Opfer attackieren Räuber

München - Es sind dramatische Sekunden: Am vergangenen Freitag überfielen drei Männer die Goldstube am Viktualienmarkt. Der Inhaber setzt sich zur Wehr. Der tz liegen exklusive Bilder vor.

Der brutale Überfall auf die Goldstube am Viktualienmarkt dauerte nur 20 Sekunden. Doch die waren vollgepackt mit jeder Menge Dramatik! Das zeigen Aufnahmen der Überwachungskameras, die der tz exklusiv vorliegen. Am vergangenen Freitag stürmten drei bewaffnete Männer den Juwelier in der Westenriederstraße, zertrümmerten eine Schmuckvitrine und wollten fette Beute machen. Weil Besitzer Marco H. (50) und sein Sohn Moritz (22) geistesgegenwärtig reagierten, ergriffen die Räuber die Flucht.

Die zerstörte Glasvitrine.

Drei Tage danach herrscht in der Goldstube wieder normaler Betrieb. Nur eine Absplitterung an der Vitrine zeugt von der Brutalität der drei Angreifer. "Es muss ja weitergehen", sagt Moritz H. "Wir haben schon am Tag danach wieder aufgesperrt." Dabei gingen sie nur wenige Stunden zuvor durch die Hölle.

Die drei Männer betreten das Geschäft.

Es ist war kurz vor 12 Uhr, als Vater und Sohn im hinteren Ladenbereich am Schreibtisch saßen. "Wir haben beide telefoniert", erinnert sich Marco H. Dann ging alles blitzschnell: Plötzlich betrat ein Mann das Geschäft. "Seine Perücke war schon auffällig. Aber an einen Überfall denkt man da natürlich noch nicht", sagt Moritz H.

Erst als der Täter seine Pistole gezogen hatte, realisierten die Besitzer, was gerade ablief. "Wir sollten uns auf den Boden legen", sagt Marco H. "Doch da habe ich schon meine Gaspistole aus der Schublade geholt und auch gleich abgedrückt." Von so viel Gegenwehr überrascht, suchten die drei Täter das Weite.

Täter wirft mit Axt nach Inhaber

Die Tatwaffe.

Die Diebe einfach ziehen lassen? Das kam für den Laden-Chef nicht in Frage. Er und sein Sohn stürzten sich auf zwei der drei Täter, drückten sie aus dem Laden und lieferten sich vor der Eingangstür eine Rangelei. Der andere Komplize hatte zuvor mit einer Axt eine Glasvitrine im Eingangsbereich eingeschlagen und wollte seine Taschen mit dem wertvollem Schmuck füllen. Marco H.: "Er hat mit der Axt nach mir geworfen, mich aber Gott sei Dank verfehlt."

Die Räuber konnten sich schließlich losreißen. Einer der drei Männer, ein 34-jähriger Serbe, wurde nur wenige Sekunden später von mutigen Passanten gestellt und von der Polizei festgenommen. Ein weiterer Täter ging den Beamten wenig später in einem Hotel in Augsburg ins Netz (tz berichtete). Der Dritte im Bunde ist weiterhin auf der Flucht.

Räuber erbeuten eine teure Uhr

Das Handgemenge geht draußen weiter.

Dieses Mal blieben Vater und Sohn unverletzt. Dass Gegenwehr aber nicht immer das richtige Rezept bei solch brutalen Tätern ist, hat Marco H. bereits beim Überfall vor eineinhalb Jahren am eigenen Leibe erfahren. Damals hatte ein Täter einen Hammer nach ihm geworfen. "Er traf mich voll am Rücken. Ich hatte zwei gebrochene Wirbel, kann seitdem auch keinen Kraftsport mehr machen." Trotzdem würde er sich immer wieder wehren. Er sagt: "Es ging mir nicht um die Ware, sondern um die Gesundheit meines Sohnes und meiner Freundin. Das ist der Beschützer-Instinkt."

Ganz ohne Beute sind die Räuber aber nicht entwischt. Seit dem Überfall fehlt eine Uhr. Wert: 15.000 Euro.

Johannes Heininger

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