Eine Erfolgsgeschichte

BISS: Eine Zeitung als Lichtblick

+
Endlich fest angestellt: Husnain Akbar ist jetzt Biss-Verkäufer.

München - Das Straßenmagazin „Biss“ feiert seinen 50. Festangestellten – Husnain Akbar stammt aus Pakistan und sitzt im Rollstuhl.

„Biss“ gibt Obdachlosen und Bedürftigen eine Perspektive. Seit mehr als 20 Jahren haben notleidende Menschen die Möglichkeit, durch den Verkauf der Straßenzeitung in das Berufsleben und somit in die Gesellschaft zurückzufinden. Husnain Akbar ist jetzt einer von ihnen. 

Freudestrahlend unterzeichnet Akbar seinen Arbeitsvertrag. Der 26-Jährige hat zum 1. Dezember eine Anstellung als Zeitungsverkäufer bei Biss bekommen. Er ist der 50. Festangestellte bei dem Münchner Sozialprojekt, zusätzlich sind etwa 50 freie Zeitungsverkäufer im Einsatz, wie Geschäftsführerin Karin Lohr sagt. Sie ist froh, in Akbar einen zuverlässigen Mitarbeiter gefunden zu haben – „er ist ein sehr liebenswürdiger Mensch“ – und ihm zugleich einen Arbeitsplatz bieten zu können. 

Akbar stammt aus Pakistan und ist nach einer dramatischen Flucht über das Mittelmeer im Juni 2015 in München angekommen. Seit einem Unfall vor einigen Jahren sitzt er im Rollstuhl. Am liebsten hätte der gelernte Goldschmied auch in München in seinem eigentlichen Beruf gearbeitet. Seine Werkzeuge musste er jedoch vor der Flucht zurücklassen. Und bei Münchner Goldschmieden habe er bisher nicht anfangen können, weil in den meist engen Werkstätten für seinen Rollstuhl zu wenig Platz war, berichten seine Asylbetreuerinnen Sabine Franzke und Renate Laubheimer. Die beiden waren durch einen Zeitungsbericht auf die Möglichkeit, bei Biss zu arbeiten, aufmerksam geworden und vermittelten Husnain Akbar den Kontakt. 

„Ich will niemandem zur Last fallen“

Die Flucht war für den 26-Jährigen ein schreckliches Erlebnis. „Man hatte uns gesagt, es sei ein großes Schiff, auf dem wir bequem nach Europa reisen könnten“, erinnert sich Akbar. Im Hafen habe er das Boot und die vielen Leute gesehen. „Das Boot war viel zu klein, und es war klar, dass 90 Prozent der Leute die Überfahrt nicht überleben würden.“ Die Schleuser hätten sie jedoch zum Einsteigen gezwungen. „Man hofft einfach, zu den zehn Prozent zu gehören, die ankommen.“ 

Akbar hat es geschafft. Er lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Germering und arbeitet seit Mai als Zeitungsverkäufer in Herrsching. Das sei zwar nicht sein erlernter Beruf, aber: „Ich bin froh. Das ist mir lieber, als zum Sozialamt zu gehen und ein Bittsteller zu sein.“ Akbar strahlt. Er freut sich über den Arbeitsvertrag. Schließlich will er „niemandem zur Last fallen“. In Herrsching habe er gute Erfahrungen mit den Menschen gemacht, sagt er. „Ich habe sehr viele freundliche Leute getroffen. Ich hatte nicht erwartet, dass mir hier so viel Liebe entgegengebracht wird.“ 

Bei der Vertragsunterzeichnung hat er zwei Landsmänner dabei. Shakir Khah Afraid verkauft ebenfalls Biss-Zeitungen. Shakil Malik lebt seit 38 Jahren in Deutschland, betreibt ein pakistanisches Restaurant und übersetzt für Akbar den Arbeitsvertrag. 

Jeder, der nachweislich bedürftig ist, kann sich als Verkäufer melden

„Biss“ steht für „Bürger in sozialen Schwierigkeiten“. Der Name ist Programm: Das Münchner Magazin ist die älteste und mit gut 40.000 verkauften Exemplaren auch größte Straßenzeitung Deutschlands. Fast 900 Menschen seien in den vergangenen 20 Jahren als Verkäufer tätig gewesen, sagt Geschäftsführerin Lohr. Jeder, der nachweislich bedürftig ist, könne sich melden und als Verkäufer versuchen. Die Verkäufer könnten sich etwas Geld zu ihren Sozialleistungen hinzuverdienen oder – bei einem bestimmten Verkaufskontingent – fest angestellt werden. Zudem hätten sie eine Aufgabe, kämen unter Menschen und könnten sich Schritt für Schritt wieder in die Gesellschaft integrieren. „Das ist aber keine einfachs Tätigkeit. Man muss sich ja als bedürftig outen.“ 

Kontakt zu Biss bekommt man unter der Telefonnummer 089/33 20 33 oder per E-Mail an info@bissmagazin.de.

auch interessant

Meistgelesen

Ottobrunner hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?
Ottobrunner hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?
Führerscheinprüfung bestanden! Aber dann wartete daheim die Polizei
Führerscheinprüfung bestanden! Aber dann wartete daheim die Polizei
Massenschlägerei am Stachus: Polizei sucht Handy-Filmer
Massenschlägerei am Stachus: Polizei sucht Handy-Filmer

Kommentare