Leser besuchen Pressehaus

Blick hinter die Kulissen: So wird die tz gemacht

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Unsere ­Leser mit ­ihrer frischen tz-Ausgabe.

München - Zehn Leser haben unsere Redaktion im Pressehaus besucht und durften live miterleben, wie ihre Zeitung entsteht. Ein Blick hinter die Kulissen:

Sie lese die tz jetzt anders, sagt Ute Aden. „Ich werde die Seiten künftig viel bewusster betrachten und dabei genau wissen, wie die Bilder und wie die Texte in die Zeitung gekommen sind und welche Menschen welchen Anteil daran haben, dass es die aktuelle Zeitung gibt.“ Ute Aden und neun weitere tz-Leser waren bei unserem letzten Leserforum dabei.

Das Interesse, wie ihre Zeitung entsteht, die bei allen Tag für Tag zur Pflichtlektüre gehört, hat die Leser dazu bewogen, sich für die Teilnahme zu bewerben. Nach einer noch etwas schüchternen Begrüßung am Empfang des Pressehauses geht es gleich mitten rein ins Geschehen: in die zweite Etage, wo die tz-Redaktion liegt. Dort wuseln Redakteure geschäftig rum, telefonieren, tippen eifrig Texte oder betrachten sich Fotos am Bildschirm und diskutieren über Titelzeilen und die beste Optik.

Wertvolle Infos unter Zeitdruck

Die Eindrücke sind erst einmal verwirrend. Doch das Chaos wird schnell geordnet und die Besucher erfahren, wie Zeitung in einer Extremsituation gemacht wird: Vize-Lokalchef Uli Heichele erzählt, wie es damals an jenem 22. Juli war, als ein Amokläufer die Stadt in Atem hielt und die Berichterstattung über dieses Geschehen zu einer der größten Herausforderungen der tz-Redakteure wurde. Uli Heichele hatte an jenem Abend Dienst und schildert, wie erste Anrufe von Lesern eingingen, die wissen wollten, was da am Olympia-Einkaufszentrum passiere. Schnell wurde allen die Dramatik der Situation bewusst. Sofort wurden Kollegen zur Berichterstattung eingeteilt, andere begannen, Texte und Fotos auf die Zeitungsseiten zu bringen. Und wie erlösend bei aller Tragik die Nachricht war, dass es ein einzelner Täter war und dass der tot sei. „Und dann sind wir mit dem Fahrrad nach Hause geradelt, weil es keine Taxis mehr gab.“

Chefredakteur Rudi Bögel zeigt, wie die Seite 1 der tz entsteht. 

Noch ganz beeindruckt von der Schilderung nahmen dann alle im im Konferenzraum Platz. Chefredakteur Rudi Bögel ist bei Kaffee und Kuchen für die Fragen unserer Leser bereit. Wie sich die Zeitung finanziere, wollen viele beispielsweise wissen – und erfahren von der täglichen Herausforderung, sich im hart umkämpften Nachrichtenmarkt zu behaupten. „Informationen kosten Geld“, sagt Chefredakteur Bögel. Für die tz gibt man dem Verkäufer 80 Cent, „im Internet bezahlen Sie mit Ihren persönlichen Daten“. Den Lesern wird der Wert der Zeitung bewusster. Sie sind sich einig, dass sie ihr Geld wert ist.

Wie Schlagzeilen entstehen, wie lange Nachrichten für den Leser interessant sind, was die Merkmale einer guten Boulevardzeitung sind – der tz-Chefredakteur durfte viele Fragen beantworten. Und bekam etliche Anregungen und Wünsche mitgeteilt: Unter anderem wurden Berichte über Familienthemen vorgeschlagen, eine Jugendseite wäre toll und die Bairisch-Seite wird vermisst.

Vom PC ins Druckhaus

Dann ging es schon weiter – Presse hat schließlich immer auch etwas mit pressieren zu tun. Es folgte eine kurze Erläuterung, aus welchen Nachrichtenquellen sich die Redaktion bedienen kann und welche Menge an Informationen jeden Tag bewältigt werden muss. Und es wurde erklärt, warum es verschiedene Ausgaben der tz gibt und wie man deren Aktualität erkennt. Danach durften unsere Leser dabei sein, wie die Titelseite der tz gestaltet wurde. Schritt für Schritt füllte sich der anfangs leere Bildschirm mit Überschriften, Texten, Bildern und grafischen Elementen.

Eben jene Titelseite schwebte dann eine Weile später in der Versandhalle über den Köpfen der Lesergruppe. Bei der Besichtigung des Druckhauses in der Dessauerstraße war dies natürlich der Höhepunkt und zugleich der Abschluss der Führung. Davor hatten die Leser vom Druckhaus-Betriebsleiter Roland Baur erfahren, wie die Daten, die aus dem Pressehaus geschickt werden, auf die Druckplatten kommen und wie mit diesen dann das Papier bedruckt wird. Und Roland Baur hatte noch weitere, beeindruckende Informationen: zum Beispiel, dass in einem Monat rund 2000 Tonnen Papier angeliefert werden müssen, dass eine Rolle Zeitungspapier 1500 Kilogramm wiegt, dass dieses mit etwa elf Metern pro Sekunde durch den Druckturm rauscht und dass normalerweise 30.000 bis 35.000 Exemplare der tz in einer Stunde gedruckt werden.

Jeder Teilnehmer des Leserforums schnappte sich dann eine druckfrische tz. Und nachdem ein charmantes Gruppenfoto gemacht war, wurde eifrig darin geblättert. Gelesen haben sie ihre tz jetzt mit ganz anderen Augen.

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