Spiegelglatte Wege in München

Verletzte, 65 Unfälle und keine Post: Die Blitzeis-Bilanz

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Auguste Habrava darf die Klinik bald wieder verlassen.

München - Dieses Januarwochenende endete für viele Menschen in München und der Region äußerst schmerzhaft – und teuer. Die tz zieht Blitzeis-Bilanz.

Weil Schnee und Blitzeis Straßen in gefährliche Rutschbahnen verwandelt hatten, gab es jede Menge Unfälle. Allein in München zählte die Polizei 65. Die Lage war so brisant, dass die Briefträger keine Sendungen auslieferten. Denn auf den spiegelglatten Gehwegen rutschten zahlreiche Fußgänger aus, 50 Mal musste die Feuerwehr zu Einsätzen ausrücken, bei denen sich Münchner durch Stürze verletzt hatten. Stellvertretend für die vielen Betroffenen, wünschte die tz Sturzopfer Auguste Habrava im Halarchinger Krankenhaus gute Besserung! Hier lesen Sie unsere große Blitzeis-Bilanz– aber seien Sie beruhigt: Es wird milder die nächsten Tage und sogar sonnig

Nach Sturz: Seniorin an Schulter verletzt

Als Auguste Habrava (86) am Samstagvormittag aus ihrer Wohnung in der Hansastraße tritt, denkt sie an alles, was sie noch erledigen muss. Wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt passiert dann das Unglück: „Plötzlich war da eine spiegelglatte Fläche. Ich konnte nicht mehr nachdenken oder mich fangen, ich konnte nur noch hinfallen.“

Die Rentnerin stürzt, renkt sich die linke Schulter aus, landet auf dem Gesicht. Ihr Glück: Ein Hausmeister sieht den Sturz und bringt sie in ihre Wohnung. Die Sanitäter holen die Dame ab, in der Rinecker-Klinik in Thalkirchen wird ihre Schulter wieder eingerenkt. Doch die Ärzte machen sich Sorgen, dass Auguste Habrava eine Kopfverletzung hat. Kurzerhand wird sie ins Harlachinger Krankenhaus verlegt. „Hier haben sie mich zweimal geröngt. Aber zum Glück ist nichts.“

Auguste Habrava hatte wohl viele Schutzengel. Dr. Michael Ziegler, Oberarzt in der Unfallchirugie des Harlachinger Klinikums: „Bei älteren Menschen führen solche Stürze häufig zu Brüchen. Auch eine Blutung im Kopf wäre möglich gewesen. Die Patientin hatte wirklich Glück im Unglück.“ Ob ihre Schulter operiert werden muss, weiß die 86-Jährige noch nicht. „Aber ich werde jetzt noch vorsichtiger sein.“

Marita Wehlus

Kälte-Chaos: 40 Flüge fallen aus

Jede Menge Geduld brauchten viele Passagiere am Samstag auch am Münchner Flughafen. Dort fielen witterungsbedingt rund 40 Flüge aus. Das Problem: Um die beiden Start- und Landebahnen enteisen zu können, mussten sie abwechselnd gesperrt werden. Damit fehlten vorübergehend 50 Prozent der Kapazität.

Chaos herrschte auch auf Bayerns Straßen: Auf der A96 Lindau-München kam ein Lastwagen bei Greifenberg ins Schleudern und prallte gegen eine Lärmschutzwand. Weil Teile der Wand auf die Gleise der Ammerseebahn fielen, wurde die Strecke zunächst gesperrt. Auf der Autobahn war in einer Richtung vorübergehend kein Fortkommen mehr.

Bei Hösbach (Landkreis Aschaffenburg) prallte ein Auto in einen Lastwagen, der sich auf der vereisten A3 quergestellt hatte. Ein 19-Jähriger wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

Briefträger: 700 bekamen frei

Die Kinder bekommen hitzefrei – die Briefträger glatteisfrei: Weil der Eisregen die Straßen in München spiegelglatt werden ließ, hat die Post am Samstagmorgen die gesamte Zustellung in der Stadt eingestellt. „Aufgrund der vereisten Straßen war die Sicherheit unserer Briefträgerinnen und Briefträger nicht garantiert“, sagt Sprecher Alexander Edenhofer auf tz.de. Rund 700 Post-Zusteller bekamen somit frei.

„Gerade in Bayern, wo es im Winter oft und viel schneit, kommt es immer mal wieder vor, dass es Einschränkungen bei der Postzustellung gibt“, sagt Edenhofer weiter. „Aber dass eine gesamte Stadt davon betroffen ist, das gab es schon lange nicht mehr.“

Immerhin: Die Paketzustellung funktionierte, ebenso wie die Zustellungen an Postfächer, weil Großsendungen von der Post mit Autos und Transportern geliefert werden.

tz

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