Konzern setzt architektonische Glanzpunkte

BMW im Münchner Norden: Die Stadt in der Stadt

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München - Ein riesiges Autowerk mitten in einer Großstadt – das ist weltweit einmalig. Doch neben dem kaum zu übersehenden und überhörenden Werk in Milbertshofen besetzt BMW noch weitere Gelände im Münchner Norden. Die tz hat sich in dieser Stadt in der Stadt umgesehen.

Ein riesiges Autowerk mitten in einer Großstadt – das ist weltweit einmalig. Doch neben dem kaum zu übersehenden und überhörenden Werk in Milbertshofen besetzt BMW noch weitere Gelände im Münchner Norden. Mit den Architektur-Klassikern Vierzylinder und BMW-Welt sorgt sie für Hingucker am Mittleren Ring, im Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) bastelt BMW am Auto der Zukunft. Die tz hat sich in dieser Stadt in der Stadt umgesehen.

BMW Werk: Die Keimzelle des Erfolgs! Hier, mitten in der Stadt, bauen rund 7.800 Mitarbeiter aus über 50 Nationen Jahr für Jahr etwa 222 000 Autos. Seit 1922 ist der Konzern hier aktiv. Dabei ist die Grundfläche für eine Automobilwerk eher eng. „Das Werk ist etwa einen Kilometer lang und 500 Meter breit“, erklärt der neue Werks-Chef Milan Nedeljkovic der tz. Wegen der Trapezform liegt die Grundfläche bei etwa 400 000 Quadratmetern. BMW schafft das Kunststück, hier 620 000 Quadratmeter Produktionsfläche unterzubringen. Nedeljkovic: „Das ist weltweit einmalig: ein Automobilwerk mit mehr Produktionsfläche als Grundfläche.“ Einzelne Gebäude haben bis zu fünf Stockwerke. „Diese Kompaktheit ist Vor- und Nachteil zu gleich“, merkt Nedeljkovic an. Denn wenn Umbauten anstehen – so wie zurzeit – muss jeder Schritt sehr genau geplant werden. Der Vorteil sind die kurzen Wege und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche. In Summe investiert BMW bis 2018 stolze 700 Millionen Euro in sein Stammwerk, in die Erweiterung des Karosseriebaus und der Montage sowie in den kompletten Neubau der Lackiererei. Dort setzt BMW auf eine „integrierte Lackstrategie“, bei der eine komplette Fertigungsstraße entfällt. Positiver Effekt: Der CO2-Ausstoß soll durch die Modernisierung um 48 Prozent sinken. Mitte 2017 soll die Lackiererei in den Serienbetrieb gehen, erste Tests sind für Herbst geplant. Das Stammwerk gehört also noch lange nicht zum alten Eisen – im Gegenteil. „Als Stammwerk sind wir auch das Leitwerk für das neue Werk in Mexiko.“ Im mexikanischen San Luis Potosí sollen in drei Jahren die ersten BMW-Fahrzeuge vom Band rollen. Und wie BMW so arbeitet, das sollen die Mexikaner in Deutschland lernen. „Aktuell sind in München 80 mexikanische Mitarbeiter, um hier Erfahrungen mit unserer Produktion zu sammeln“, sagt Nedeljkovic. Bis 2019 sollen insgesamt 500 Mexikaner im Werk München für den Job im neuen Werk in Mexiko qualifiziert werden. Praktisch: Die neue Münchner Lackiererei wird identisch in Mexiko aufgebaut.

Die Konzernzentrale: Es war ein kühner Plan: Am Stammsitz in München entstand vor über 40 Jahren mit dem Vierzylinder eine neue futuristische Konzernzentrale. Seit 1999 steht der Bau des österreichischen Architekten Karl Schwanzer gar unter Denkmalschutz. Eingeweiht wurde der Bau am 18. Mai 1973. „Ein Haus der kurzen Wege (drinnen) und der klaren Linien (draußen), ein kühl kalkuliertes Experiment und ein Meilenstein der Architektur“, teilte BMW seinerzeit mit. Ein zeitloses Architektur-Juwel – in dem heute rund 1500 Menschen arbeiten.

BMW-Museum: Wer tief in die Geschichte des Unternehmens eintauchen will, kann das direkt unterhalb des Vierzylinder-Hochhauses erledigen: In dem augenzwinkernd Salatschüssel oder Weißwurstkessel genannten BMW-Museum. Architekt Schwanzer hat das Gebäude gemeinsam mit der Konzernzentrale entworfen. Auch hier hat sich der Wiener ein bahnbrechendes Konzept einfallen lassen: Der Bescher durchläuft das kreisförmig angelegte Museum auf einer Spirale von unten nach oben. In dem Gebäude ist eine Ausstellungsfläche von 5000 Quadratmetern untergebracht. Dargestellt wird die technische Entwicklung – vom Flugzeugmotor bis zur modernen BMW-Limousine. Zu sehen sind rund 125 der wertvollsten und attraktivsten Automobile, Motorräder und Motoren der Marke. BMW-Classic: Zurück zum Ursprung geht BMW mit seiner neuen Classic. Auf einem mehr als 13 000 Quadratmeter großen Grundstück schlägt BMW eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Denn zum Gebäudeensemble auf dem erworbenen Grundstück gehört ein Teil des ersten BMW Werks. Damit kehren sowohl einige der einstigen Produktionshallen in den Besitz des Unternehmens zurück, als auch die denkmalgeschützten Torgebäude aus damaliger Zeit. BMW hatte das Gelände von der Knorr-Bremse AG gekauft und will dort künftig klassische Automobile und Motorräder der Marken BMW, MINI und Rolls-Royce präsentieren. Gleichzeitig ist eine moderne Event-Fläche für exklusive Veranstaltungen entstanden – neben einem Café, das jedermann offen steht.

FIZ: Hoch im Münchner Norden tüftelt BMW am Auto der Zukunft. Im Forschungs- und Innovationszentrum rauchen seit 1990 die Köpfe. Damals hieß das ganze noch Forschungs- und Ingenieurszentrum. Die Denkfabrik hat sich zum wahren Job-Motor bei BMW gemausert. Schon heute arbeiten etwa 26 000 Mitarbeiter im FIZ, sowohl direkt bei BMW als auch bei Zuliefererbetrieben. Das Gelände ist riesig – den Mitarbeitern stehen etwa eine Million Quadratmeter Geschossfläche zur Verfügung. Der Konzern will das Entwicklungszentrum aber noch deutlich vergrößern – dabei sollen auf lange Sicht bis 2050 15 000 Jobs entstehen. Möglich wird das durch einen Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne. Die wird schon seit 1994 nicht mehr militärisch genutzt, doch lange war nicht klar, was mit dem Gelände passieren soll. Noch heuer sollen die ersten Bagger anrollen und auf den 59 Hektar großen Gelände Platz für 15 000 weitere Arbeitsplätze schaffen – ein Bekenntnis zum Standort München. Das Ziel: Im FIZ Future sollen die Forscher für BMW am Auto der Zukunft werkeln – in völlig neuer Atmosphäre. Künftig soll man sich zwischen Schleißheimer und Knorrstraße eher wie in einem US-Start-Up fühlen als bei einem deutschen Industrie-Giganten. 

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