Prozess 

Verbotene Liebe beim BND: Agent nach Versetzung dienstunfähig

München- Er lebte für seinen Job. Und wurde krank, als er ihn verlor. Dabei wollte Jürgen N. nur eines: dass seine Freundin bei ihm wohnen darf. Doch mit dieser Liebe wurde der Agent beim Bundesnachrichtendienst nicht akzeptiert – sondern eiskalt abserviert.

Am 7. März 2006 begann die Leidenszeit. Damals war Jürgen N. (Name geändert) in der lettischen Hauptstadt Riga stationiert – als Leiter der dortigen Residentur. Per Schreiben belehrte der BND ihn, dass Zurückhaltung beim Eingehen von engen Lebensbeziehungen erwartet werde. Im Klartext: Der Agent musste dem Dienstherrn melden, wenn er sich verliebt. Was Jürgen L. auch tat: Er ließ seine lettische Lebensgefährtin – gemäß der Vorschrift – überprüfen, nachdem sie im September 2007 bei ihm eingezogen war. Der Verfassungsschutz bescheinigte: Diese Frau ist unbedenklich.

Das Schreiben schickte der Agent zum BND, teilte darin auch die Partnerschaft eines Mitarbeiters mit. Kurios: Ein halbes Jahr später wurde L. plötzlich nach Berlin versetzt – angeblich wurde er zum Sicherheitsrisiko, und er habe auch gegen Verwaltungsvorschriften verstoßen. Ein Karriere-Knick, den er nie verkraftete. Seit Mitte 2008 ist Jürgen L. erkrankt und dienstunfähig.

Insgesamt 392.000 Euro fordert der Ex-Agent nun wegen der angeblich unrechtmäßigen Versetzung vom Staat. Seine Schmerzensgeldklage verhandelt seit Donnerstag das Oberlandesgericht. „Die Forderung meines Mandanten halte ich nach wie vor für berechtigt“, sagte Rechtsanwalt Klaus Lüpke.

Denn L. war 1982 nach dem Abi­tur in die Bundeswehr eingetreten und wechselte 1997 zum BND. Ein Leben für den Staat, das wegen einer verbotenen Liebe scheiterte. Ex-BND-Präsident Bernd Uhrlau hatte der Abberufung des Agenten zugestimmt – und überging dabei sogar die Einwände des Personalrats. Knallhart bestreitet der BND im Prozess nun, L. sei aufgrund der Versetzung erkrankt – sondern leide an einer Rentenneurose. Was ein Gutachter in erster Instanz aber bestritten hatte. Nun läuft alles auf einen Vergleich hinaus. Fortsetzung im September.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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