Überlange Verfahrensdauer

Mörder von Böhringer-erhält 900 Euro Entschädigung

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Bence T. (40) bei seinem Prozess im Jahr 2011: 2006 soll er die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer umgebracht haben. Als verurteilter Mörder sitzt er seit fast zehn Jahren im Gefängnis.

München - Seit zehn Jahren sitzt Bence T. nun schon in Haft wegen dem Mord an der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer. Nun klagt er erfolgreich auf Entschädigung.

Bence T. (40) sitzt seit fast zehn Jahren als verurteilter Mörder hinter Gittern. Er soll 2006 seine Tante, die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer, umgebracht haben, beteuert selbst aber nach wie vor seine Unschuld. Deshalb hat er 2012 die Wiederaufnahme seines Verfahrens beantragt. Einen kleinen Teilerfolg verbuchte er am Montag vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG).

Dort reichte sein Anwalt Peter Witting bereits im Mai 2015 Klage gegen den Freistaat Bayern ein. Grund: Der 186 Seiten starke Antrag Bence T.s für die Wiederaufnahme seines Verfahrens war dem Landgericht Augsburg zwar bereits am 1. Oktober 2012 zugegangen, die verantwortlichen Richter ließen sich aber bis zum Dezember 2014 Zeit, darüber zu entscheiden. Das Landgericht erklärte den Antrag schließlich als unzulässig und wies ihn zurück. Zwar legte Witting sofort Beschwerde ein, die Generalstaatsanwaltschaft hat aber wiederum beantragt, diese zurückweisen zu lassen.

Geldentschädigung wegen überlanger Verfahrensdauer

Im aktuellen Verfahren forderte T.s Anwalt Witting deshalb vom Freistaat eine Geld­entschädigung wegen überlanger Verfahrensdauer. Am Montag verkündete das OLG, dass der Freistaat 900 Euro an Bence T. zahlen muss – immerhin ein Teilerfolg für den verurteilten Mörder. Ursprünglich hatten er und sein Anwalt 1500 Euro verlangt. Die Richter sprachen ihm letztlich zumindest einen Teil zu. Der Rest der Klage wurde schließlich abgewiesen. Bence T. war am Montag persönlich nicht anwesend. Zudem muss er 40 Prozent der Kosten des Verfahrens selbst tragen. Es ist also fraglich, inwiefern sich der Prozess aus rein finanzieller Sicht für ihn gelohnt hat. Eine Revision lässt das Gericht nicht zu.

Unterdessen sagt T. nach wie vor, er sei unschuldig. Mit der Unterstützung seiner Familie und seines Anwalts will er erreichen, dass sein Prozess neu aufgerollt wird.

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Kommentare

Otto Berger
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Mit unserer Justiz kann man anscheinend alles machen! Neugierig bin ich was die Angeklagten im NSU-Prozeß für eine Emtschädigung bekommen! Da dauert das Verfahren ja noch länger!