Seniorin misshandelt

Skandal im Klinikum: Wer hat Elke (95) das angetan?

+
Elke B. in ihrem Bett. Deutlich ist die Wunde an der Schläfe zu sehen. Später wurde sie noch an beiden Armen schwer verletzt.

München - Nach einem Schlaganfall wurde Elke B. ins Klinikum Bogenhausen gebracht. Dort vermutete ihre Tochter sie in guten Händen. Doch dann findet Angela S. ihre Mutter böse zugerichtet im Bett liegen.

Blutergüsse am ganzen Körper, dazu tiefe Risswunden. Elke B. sieht aus, als hätte jemand auf sie eingeschlagen. Die 95-Jährige muss schreckliche Schmerzen haben. Was ist mit der alten Dame nur passiert?

Das versucht derzeit die Polizei zu klären. Jedenfalls steht fest, wo der Münchnerin die schockierenden Verletzungen zugefügt wurden: im städtischen Klinikum Bogenhausen. Kein Witz! „Ich dachte immer, man gibt seine Liebsten in ein Krankenhaus, damit ihnen dort geholfen wird“, klagt Elkes Tochter gegenüber der tz an. „Aber meine Mutter wurde dort misshandelt.“

Es ist der Albtraum für jeden Angehörigen: Man besucht seine Mutter im Krankenhaus und findet sie böse zugerichtet im Bett liegen. „Als ich sie sah, war ich völlig schockiert“, erzählt Tochter Angela S. Dazu kommt: Eigentlich wurde Elke B. gleich dreimal verletzt. Aber der Reihe nach …

Die Tragödie beginnt am 14. Oktober: Elke B. erleidet einen Schlaganfall. Sie kommt in die sogenannte Stroke Unit des Klinikums Bogenhausen, nach zwei Tagen dann auf die Station der Neurologie. Als die Tochter ihre Mama am 17. des Monats besucht, liegt diese mit einer blutenden Wunde an der Schläfe im Bett. Wie nach einem festen Schlag. „Sofort habe ich nachgefragt, wo meine Mutter diese Wunde her hat“, erinnert sich Angela S. Die Antwort ist mager: Das wisse man nicht. Vielleicht habe sie sich ja selbst verletzt. „Ein Hohn.“

Am 19. Oktober kommt der nächste Schock: Plötzlich ist der linke Unterarm der Seniorin mit blauen Flecken übersät und aufgeschwollen. Das ist nicht alles: An einer Stelle ist durch großen Druck die Haut sogar aufgeplatzt. „Meine Mutter wurde deswegen in der Chirurgie behandelt“, erklärt die Tochter. Wie konnte das passieren? Die Erklärung der Klinik ist wieder unbefriedigend: „Womöglich hat sich die Patientin am Bettgitter verletzt“, so die Auskunft.

Elke B.: Drei schwere Verletzungen in drei Wochen

Und der Horror nimmt kein Ende: Als Angela S. ihre Mutter am 8. November besucht, liegt die nicht mehr in ihrem Zimmer. „Uns wurde erst gar nicht mitgeteilt, was los ist“, erzählt die Münchnerin. Angstvoll wartet sie mit ihrer Schwester auf eine Nachricht. Später wird Elke B. dann im Bett in ihr Zimmer gefahren – frisch operiert. „Warum das denn?“, fragen die Kinder. Später stellt sich heraus: Die Mutter musste wegen einer riesigen Fleischwunde am Arm genäht werden. Woher die stammt? Wieder gibt es keine Erklärung.

Drei schwere Verletzungen in drei Wochen? Als die Töchter anfangen zu recherchieren, finden sie heraus: Jeder Vorfall geschah nachts – und jedes Mal hatte derselbe Pfleger Dienst. Merkwürdig ist auch: Keine der schweren Verletzungen wurde vom Personal dokumentiert! „Das ist doch komisch“, merkt Angela S. an. Sie erstattet Anzeige bei der Polizei.

Und was sagt das Klinikum zu den Vorfällen? „Nach Darstellung des Mitarbeiters entstand die Verletzung beim Umlagern der Patientin im Patientenbett“, erklärt die Pressestelle und fügt an: „Das entspricht nicht unseren Ansprüchen an eine sorgsame Pflege im Umgang mit besonders empfindlichen, schwer kranken Patienten und zieht klare Konsequenzen nach sich. Wir begrüßen eine unabhängige behördliche Untersuchung und legen größten Wert auf eine lückenlose Aufklärung im Sinne unserer Patienten und Mitarbeiter. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass wir uns zu einer laufenden behördlichen Prüfung nicht äußern können.“

Nun muss also die Polizei Licht ins Dunkel bringen. Angela S. ist überzeugt, dass die Pflegekraft ihre Mutter schwer misshandelte und bringt es auf den Punkt: „So etwas passiert doch nicht beim Umlagern! Und das ist eine Schande für jedes Krankenhaus!“

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Legendäre Münchner Biermarke kehrt zurück
Legendäre Münchner Biermarke kehrt zurück
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood
Mal ernsthaft. Wie soll ein 27-Jähriger in München fürs Alter vorsorgen?
Mal ernsthaft. Wie soll ein 27-Jähriger in München fürs Alter vorsorgen?

Kommentare