Zum Jahresende ist Schluss

Das sagen Wirtsleute und Gäste zum Aus fürs Café Tambosi

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Längst eine Institution  in München: Das Tambosi lockt Einheimische wie Touristen.

München - Nach 20 Jahren muss das Ehepaar Waldecker sein Café Tambosi zum Jahresende schließen. Die Miete soll sich verdoppeln. Nicht nur die Wirtsleute sind tieftraurig.

Den Hofgarten im Rücken, die Feldherrnhalle im Blick, den Cappuccino in der Hand: Seit zwanzig Jahren sitzen Münchner und Touristen sommers wie winters vor dem Tambosi. Heuer wird's das letzte Jahr sein. Der Mietvertrag von Pächter Frank Waldecker läuft am 31. Dezember aus, Verhandlungen mit dem Eigentümer (einer zur Inselkammer-Gruppe gehörenden Gesellschaft) sind gescheitert. "Das Objekt muss innen und außen saniert werden, die Technik ist veraltet. Wir wollen schnell mit dem neuen Pächter eröffnen, denn der nächste Sommer kommt bestimmt", sagt eine Sprecherin von Inselkammer.

Da die Investitionen in die Sanierung hoch sind, steht eine Mieterhöhung ins Haus. "Die Miete wird sich verdoppeln. Das ist wirtschaftlich für uns nicht tragbar", sagt Wald­ecker. Sein Konzept sieht eine behutsame Modernisierung mit einer Neuinterpretation des Klenzekults vor. "Der Eigentümer wünscht sich ein Barkonzept fürs Nachtleben und ein modernes Brasserie-Konzept. Das sind wir nicht", sagt Waldecker.

Ehepaar Waldecker 20 Jahre lang Pächter

Frank und Andrea Waldecker sind die Pächter vom Tambosi.

Vor zwanzig Jahren haben er und seine Andrea das Tambosi übernommen. Damals war der Odeonsplatz ein Touristenplatz. "Der Platz war total unterbewertet, deshalb hat man uns mit unserem Konzept, aus dem Tambosi den italienischsten Platz Münchens zu machen, den Zuschlag gegeben. Jetzt ist der Platz überbewertet", sagt Waldecker. Die Gegend hat sich verändert, die Institution Tambosi nicht. 1775 eröffnet, ist es das am längsten durchgehend betriebene Kaffeehaus Münchens.

Und was kommt jetzt? "Wir wollen keine Systemgastronomie", heißt's bei Inselkammer. Eine Absage an Starbucks und Co. Die Waldeckers aber wollen sich das letzte Jahr mit ihren Tambosi-Gästen noch schön machen.

Jasmin Menrad

Das sagen die Tambosi-Gäste

"Die Politikseminare zu meiner Studienzeit waren oft hier im Biergarten." Uwe Freund (51), ­Kommunikationstrainer aus München

"München ist für mich die Isar, das Tambosi und Dallmayr." Christel Bernd (74), Rentnerin aus Heppenheim

"Immer wenn meine Eltern zu Besuch sind, spazieren wir von daheim in der Au zum Tambosi und machen hier Rast." Patrick Freund (33), Architekt aus München

"Wir fühlen uns sauwohl hier. Was gibt's Schöneres, als im Hofgarten mit einem Bier zu sitzen." Günter Bernd (75), Rentner aus Heppenheim

"Seit vielen Jahren lege ich gerne einen Halt beim Tambosi ein. Als ich gelesen habe, dass es schließt, sind wir direkt vorbeigekommen." Markus Hochhäusler (49), Feuerwehrmann

"Traditionshäuser wie dieses sollten bewahrt werden. Das Tambosi ist doch eine Institution." Elena Hochhäusler (16), Schülerin aus München

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